Sprach er sich groß und rief, von den Stimmen der Felsen verspottet:
Auf mein Weibchen, nun auf, nun wcrd' ich selber dich tragen!
Doch sie erwiederte nichts, und wieder bestieg er die Edle.
Aber nun donnert' cs laut, und Wolken entstürzender Föhn bliesIn die gewaltige furchtbar heulende Orgel des Berggeist'S;
Steine wie Köpfe der Riesen entriß er und stürzte ste polternd,
Hüpfend, wie fröhliche Kinder und furchtlos hinab in den Abgrund.
Aber er fühlte das Zittern der Gems und die Furcht mit den Knieen,Denn sie bestrebte sich ängstlich den Felöabsatz zu erklimmen;
Doch da klammert er grad beim steilesten Steigen sich hintenAn, kaum hängt er an ihr und sie schreit. Und da wär's ihr geschehenSchändlich zu fallen. Doch fetzte sie plötzlich sich klug in den Schnee fest,Und ihr klopfte das Herz, entsetzt vor dem tückischen Reiter.
In der Gefahr wer denkt an Betrug da, als der Betrüger
Erft recht: Anderer Furcht zu benutzen, er selbst, vor Begierde, von Furcht frei.
Aber sie that nicht weiter dergleichen,
Sondern, sobald sie zu Athem gekommen, beschloß sie zur Rache:
Tödtlich den Feigen zu ängstigen, aber dann ganz zu verlassen,
Weglos im wüsten Gestein: zu verhungern nun oder verzweifeltTodt nun oder lebendig hinunter zu kollern in Abgrund....
Aber am besten: zu Weib' und Kindern nach Hause zu kehren.
Frei von Geschäft, ja Gelübd' spricht schändliche Frevelbedrohung.
Aber zu sittsam, auch ein Wort nur über die Lippen
Bringen zu können, das ihrer Gefahr auch nur im Traume gedächte,
Sprach sie, die Augen von ihm, und aus in die Bläue gewendet:
„Biel zu steil hier starret der Weg zum Horste des Adlers,
Gleich wie hinab. Du erdrückst mich da! Frisch auf Leben und SterbenAlso hinüber mit uns, durch einen gewaltigen Sprung — dichMir auf den Rücken, zum Felsblock dort, der uns anlocktDen uns der Bergesalte voreinst zu dem Gange gelegt hat!"
Schweigend stand sie, so wie ihn erwartend. Aber er schwieg schlau.
Leicht stch hinüber nun schnellte sie, rief zum Entsetzten herüber:
„Von hier, immer am Giesbach auf...dann links zu dem Eisthurm...Bon dem rechts gelangst du bequem zum Horste —da blinkt er!"
Und nun sprang sie bebend und geschickt, froh heim zu gelangen,
Immer hinunter von Steine zu Stein, in den Schlüsten verschwindend —Und nun wehte nur Fichtengesaus in der schaurigen Oede.
Als der Verstand ein Feldswegslang ihm stille gestanden,
Wo ihm die Sonne die Sonne nicht war, das Gesäuse die Welt nicht,Drunten der Bär nicht der Bär — und er wieder zum Fuchse geworden,Lacht er sich selbst laut aus; er besah stch und sprach zu sich selber:
„Hier, mein Jugendfreund, steht Er sein Ende vor Augen!
Die ihn im Sterben umstehn — Kienholz! und Nasen von Stein sind's!Sieben Genicke bedürft' ich: gesund Eins heim mir zu tragen!
Aber was könnt' ich noch mehr? . .. Hab' ich nicht richtig und tüchtigAlle betrogen, die so dumm waren mit mir zu verkehren!
Wer mir genaht, ward artig geprellt; unglücklich, so nennt man'S;Keiner, der mich nicht verwünscht, nicht über sich selber geweint hat -Und war's selbst mein Weib! — Wer kann sich der Ehre beruhmenWeit und breit? Kein Feldwegs ging ich nach einem der Winde— Und vier sollen das sein—ohn' Einen von meinen GefopptenTrüb zu begegnen. Ich lebte genug — : Ich lebte mir selber.
Keinen geschont Hab' ich zu meinem verehelichen Besten.
Keinem geholfen, um Nichts, zu seinem verehrlichem Besten