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[1] (1857)
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Wie er so sang, daß die Höhle erscholl und dem Hörer die OhrenGellten, begehrte der Bär entzückt mit den leise gehobenenTatzen ihn sanft zu ergreifen, ihn sanft zu behauchen, zu küssen....

Aber dem Herrn Schneekönig, Verrath und Tod sich vermulhend,

Zitterten alle Gebeinchen und Federchen; und vor EntsetzenFuhr ihm der Schrecken zum Leibe hinaus und dem Bär auf die Nase.Aber er selbst schoß schwirrend davon und hinaus zu der HöhleGleich der geworfenen Nuß hinhuschend, unmerklich im Fluge.

Aber beleidigt über das Mißtrauen mehr wie den UnglimpfSaß ein steinerner Bär jetzt da, ein edeler Dulder.

Zornig wischte die Frau mit dem Aermel ihm weg die Befleckung,

Küßte dem Manne das Haupt und droht' und schimpfte dem Schelm nach:Wart du Schweinchen! du kleines, zum Glück! pipstimmiger Schreihals!Du Gelbschnabel noch nicht, Gelbschnäbelchen nur! O du kämestNur aus Tücke herein, zur Berunehrung des Gemahls mir!

Nun ist der König unvermeidlich! O Mann! Das sähen die Blinden!Denn hast du ihm die Rangen mit luftigen Worten behaucht kaum,

O, so hat er dich selbst mit der schnödesten Thal dich belästert.

Heilig berühmt er des Spugs sich, zu Schande dir (aber mehr noch ihm)Denn ein Kleiner berühmt sich mit Lust, was er Großen verübt hatUnd er berühmt sich gewiß da verlacht man dich rings bei den Vögeln,Und bei unsrem Geschlecht. Nun gilt eS um unsere Ehre!

Denn ich nehme den Spott wie mir selber geschehen; was einemManne geschieht, das geschieht zugleich auch seinem getreuenWeibe; so Ehre wie Schande, so Glück und Freude wie Unglück,

Selbst fett Schwein im Haus, so wie drei Tag' Hunger und Kummer!

Aber das beste von Allem erhalten die Kinder; das Böse

Aber verschweigt noch den frohunwissenden Kindern die Mutter."

Also sprach und verrieth auch jetzt kein Wort sie den Kindern,

Aber sie sahen die Mutter in Thränen und saßen und weinten.

Dritter Gesang.

Die Kriegserklärung.

Draus in der heiligen Mittagsstunde, wo Wälder und FelderSchweigen von Vogelgesang; kein Haushahn kräht, kein HühnchenPipt, und die Sonn' auf dem Gipfel des Himmels schweigend sich ausruht,Kam Herr Fuchs und kam Frau Füchsin zur Höhle des Bären,

Ihres Verwandten, geschlichen, den jetzt voll Nöthe sie wußten.

Er leis predigte ihr in das Ohr manch' listigen Anschlag,

Vorschlag, Rath und Weise, um aus den erschrecklichen ZeitenNutzen zu ziehen für sich und die Kinder; denn, wissen die Schelme:Schlechte, die schlechteste Zeit ist wagenden Gaunern die beste."

Er schlich fast sich hinaus zum Luftloch über der Höhle,

Jetzo das Horchloch ihm, bis die Zeit ihm erschiene zum Eintritt.

Sie ging quer fürhaß an der Höhl', um gerufen zu werden.

Als ihr schollFrau Muhme! Gevatterin! hör' sie doch! Frau Göth!"Aengstlich heraus:Wer besucht denn die Freund' in der Noth nicht?"Sprach sie:ich flitzte da draußen bedacht nur herum, um zu hören;Lügen und Falschheit muß man dem Freund nicht bringen, nur Wahrheit!Aber nun Hab' ich mit Ohren gehört ach, die Kriegeserklärung!Hört Ihr sie kommen? es schwirrt, es schreit! Gleich werden sie hier seinEuch zum Spott vor die Höhle genaht. Doch selber verborgenDarf man die eigene Schmach wohl hören! das stärkt nur die Rache!"