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[1] (1857)
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Zweiter Gesang.

Gegenseitiges Missverständnis).

Als er so saß und seine bekümmerte BärenseeleStill sich besprach in der Noch und den Sorgen um sein Volk Thiere,Horch, da geschah chm als schwirrt' ein leichtes Lüftchen daher ihm;

Und da er hinsah, war es der Herr Schneekönig, der draußenAus ein Aestchen gesetzt, vor Zorn erst schnickerte, doch dannGrausam zu schimpfen begann nach winziger Leute Gewohnheit;

Darauf sprach er zu seinem vor Angst andächtigen Hörer:

Bär! du Lump! du plumper Gesell! grobzungiges Großmaul!

Falscher Verweser des Reichs, den der König erwürgt, wenn er heimkehrtDenn mir haben die Kinder erzählt, wie du tief sie verunehrtDurch Lug- und Schandworte, zu arg, sie in Schnabel zu nehmen!Tobend schreien und lärmen sie fort, das Unglaublichste, HöchsteThun sie sich an und der Mutter und mir: sie versagen das Essen!Nicht ein Fliegengebein und sollten sie eher verhungern

Schwören die Dingerchen keck, eh' von uns Aeltern zu nehmen,

Eh' ich es aus mit dir, Bären, gemacht, daß sie ehrlichen Stamms sind.Blutigen Krieg drum sag' ich dir an und sämmtlichen Thieren:

Deinen gewaltigen Ochsen und Eseln und allem, was Vieh heißt,

Ich dir in eigner Person, und meine Herolde im Land rings.

Ich muß selbst schon kommen, damit du mir meinen GesandtenNicht zerreißest und frissest, ja schlimmer, mit schändenden WortenIhn nicht tödtest im Herzen das könnt' ich ja nie dir vergeben!

Ewige Feindschaft stiftetest zwischen den Deinen und Meinen, du Unbär!"

Gute Gedanken behauchen den Zornigen auch mit Verstände.

Darum bedachte der Herr Schneekönig sich auch. Denn der Bär rief:Komm doch herein in die Höhle zu mir, dein Lied mir zu singen!

Frau und Kindern! Denn Viele zugleich ja vermögen das EineLied sich zu hören und sein sich zu freuen, als sängen es Tausend,

Wenn es die Tausend hören, und wiederum, immer und immer.

Und dein schöner Gesang nur lockte mich: auch dich zu sehen!

Sey'n wir im Herzen uns Freund, auch wenn sich die Völker bekriegen,Denn wir bedürfen ja Einer den Anderen, wenn sie uns drängen.

Komm' auf sichres Geleite, beschützt von meiner Bewundrung;

Glaube mir, Ich bin kein Schncekönitzsmörder, ich Bär ich.

Niedlicher, Lieblicher, komm! Zum Krieg ist's immer zu früh! Komm,

O du Winzigster aller der Könige zwar, doch der Süßte,

Sich', dein' warten die Kinder verlangend und sitzen wie Mäuschen!

Hast du denn gar nichts, Frauchen, dem lieblichen Männchen zum Frühstück?"

Sie sprach:Schweig! daß er singt! und Essen ja hat er zu Hause!"Und der Geschmeichelte flog ihm herein, und gcrad' auf das Ohr ihmSetzt' er sich. Aber der Bär bat, setze dich mir auf die Scbnauze,

Daß ich zugleich vor Augen Dich seh'! Nun beginne, wir schweigen;Schweigen wir hier in der Höhle, so schweigt rings draußen vie Welt ganz.Und der Gefeierte hüpft' ihm vertrauend vom Ohr auf die Nase,

Warf in die Federn sich, sang und schnickerte, daß ihm das KehlchenSchwoll und der Schnabel genug nicht Schönes zu sagen vermochteDraußen von Wald und Sonne, von Weib und lieblichen Kleinen,

Und ihm selbst ward wohl, daß er gänzlich vergaß wo er säßeSeinem geforderten Feind mit der schrecklichen Faust, auf der Nase.