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meistern, spornte den Todtengräber zur bösenThat an und bald hatte der Trnnk die letztenGewissensregungen erstickt, und noch am Tageder Beerdigung schlich er mit seinem Knechteum Mitternacht in die Stiftskirche und begannsein schauriges Werk.
Schon hatte er die Leiche ihres Schmuckesberaubt bis auf den Trauring, welcher nichtvon dem Finger herunter wollte, der ihn seit10 Jahren getragen. Uebcr diesen widerhvitenVersuchen erwachte plötzlich Frau Richmodaus ihrem Todesschlummer und hob sich langsamim Sarge empor. j
Der Todtengräber und sein Geselle stürzten Iim jähen Schrecken, Leuchte und Gerätschaften !im Stiche lassend, aus der Kirche nach Hause, l
Der Frau Richmod von der Aducht ent- !ging das Schreckliche ihrer Lage nicht. Hierhalf ihr ihre gewohnte Frömmigkeit! Iminbrünstigen Gebete bekam sie bald neue Kraftund schritt, so schnell es ihr die schwachenKräfte erlaubten, die Treppe hinauf bis in dieKirche.
Nachdem sie nochmals vor dem Altardankend niedergekniet, entfernte sie sich undwankte ihrer Wohnung „zu den Papageien" zu,welche in der unmittelbaren Nähe der Kirchegelegen. Erschöpft und zitternd vor Kältepochte sie an dem Thore.
Herr Mengis welcher sich in tiefsterTrauer um die verlorene Gattin schlaflos imBette hin und herwälzte, schellte dem Gesinde,und befahl dem Knechte nachzusehen, wer nochbei so später Nachtzeit Einlaß begehre.
Der Knecht stürzte einige Minuten darauftodtenbleich in das Zimmer seines Gebietersmit der Botschaft „die Frau Richmod stehtals Gespenst am Thore."
Herr Mengis schallt ihn einen Thoren
und schickte den zitternden Diener zu Bette.Das Pochen an dem Thore wiederholte sichaber in einer Weise, daß Herr Mengis endlichunruhig ans Fenster trat und entsetzt zurückfuhr,als die unten stehende Gestalt ihm mit wohl-bekannter Stimme zurief: „Mcngis, mein Herrund Gemal, öffne das Thor!'
Als er sich vom ersten Schrecken erholtund seine Fassung wiedcrgewonnen, eilte HerrMengis ans Fenster zurück und ries herunter:
„So wenig meine Pferde aus dem Stallehinauf auf den Söller rennen, bist du Betrügermein ehelich Gemal!"
Noch hatte er die Worte nicht ausgesprochen,als schon die Pferde mit aller Hast die Treppehinauf stürmten, dem Söller zu.
Nun blieb Herrn Mengis kein Zweifelmehr! Er stürzte in aller ^ Hast die Treppehinunter und nach wenigen Minuten kielt erdie todtgeglaubte und vielbeweinte Gattin inseinen Arme».
Frau Richmod genas bald und lebte nochsieben Jahre in glücklicher Ehe mit ihremGatten, welchem sie drei Söhne gebar, diespäter ins Kloster gingen. Frau Richmod selbstblieb bis an ihr Ende 1364 stille, den größtenTbeil des Tages mitAndachtsübungen ausfüllend.Täglich ging sie in die Apostelnkirche, anihrem Grabe zu beten, und webte in dankbarerErinnerung ein großes, kostbares Fastentuch,welches noch heute in der Apostelnkirche auf-bewahrt wird, wo sie neben ihrem Gatten ruht.Das Grab selbst verschwand bei dem Abbrucheder Vorhalle im Jahre 1785, in welcher dieganze Begebenheit durch Wandgemälde dar-gestellt war.
Noch heute sieht man, zur Erinnerung andie Begebenheit, an einem Fenster des Söllersein Paar hölzerne Pferde.
Pornmerellische Sagen.
MtgethM von W. Mannhardt.
4. Die Glbenhochzeit.
An Lichtenfeld wohnte ein Schuster, derarbeitete immer Tag und Nacht; so fleißig warer und alle Nachbarn hatten ihn gern. Dakam es denn auch, daß die kleinen Leutchen
zu ihm Zutrauen faßten und mitten in seinemStübchen ihre Wohnung aufschlugen. Ja all-abendlich kamen sie hervor und gingen durchsein Haus hin und her. Einmal, als bei ihnen