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Furcht vor Nimmersatt, daß ihm die Thräuenwider Willen kamen, und daß er unter Schluch-zen und Seufzen die Nacht in seinem Kämmerleinverbrachte. Plötzlich stand ein leuchtendesKind vor seinem Lager, das sprach: Weinenicht, Ferdinand, Nimmersatts Wunsch soll auchdiesmal erfüllt werden. Nimm diese Büchsemit dem feinen Paradiesstaube, der von denFlügeln der Engel in die Kelche der Rosengefallen ist. Morgen um die Mittagsstundegeh auf das Feld und streue den Staub überdie Aehren, so werden die Fruchtkörner sich inGold verwandeln. »
Ferdinand nahm die Büchse; das Kindverschwand, und ein süßer Schlaf legte sichauf seine Augenlider. Am andern Mittagging er mit der Büchse auf das Feld und that,wie ihm das leuchtende Kind geheißen. Sofortblitzten in den Strahlen der Sonne die Millio-nen Goldkörner durch die Hülsen, worin siesaßen; und die Aehren wiegten sich schwerund schwankend auf den Stengeln.
Da schritt Nimmersatt daher, beugte eineAehre zu sich herab, und da er sah, daß eitelGoldkörner in den Hüllen glänzten, da schmun-zelte er zufrieden, sprach aber mit zürnendemAntlitze zu Ferdinand: „Du hast freilich gethan,was ich dir befohlen, aber auch kein Haar
Frau Richmod
Eine kölnische 5
mehr. Wärest du ein rechtes Sonntagskind,so müßten auch die Halme und die Grannengolden sein. Doch, damit du ein rechtes Werki schaffest, an dem nichts auszusetzen, so mache^ bis morgen alles Land umher bis an das! Meer und die Schweizerberge mir zinsbar,
> und ich will des Landes König sein bis in! Ewigkeit."
l Da fiel Ferdinand vor Nimmersatt nieder,
! umfaßte seine Knie und flehte: Herr, versuchet! Gott nicht!
„Schweig Bube," fluchte Nimmersatt, „thu,was ich dir sage oder ich jage dich mit sammtdeinem Gott in Schmach und Schande."
Kaum hatte Nimmersatt dies vermesseneWort gesprochen, so wuroe der Springquellso hoch, wie die Kathedrale von Antwerpenund sein Wasser bildete einen weiten See, in! welchem Park und Schloß versanken. Die^ Goldkörner aber fuhren wie scharfe Hagelkörner' aus den Aehren und zerschlugen den Nimmer-satt, daß er blutend von den Wassern desSees verschlungen wurde.
Eine goldene Gondel aber hielt zuFerdinands Füßen und trug ihn über denSee hinüber auf eine ferne Insel, wo derewige Frühling herrscht.
von -er A-ucht.
ze von Fabricius.
Au den vornehmsten Patrizierfamilien derheiligen Stadt Cöln gehörten die „von derAducht und von Lyskrrchen." Die Ersterenwohnten am Neumarkte in einem prachtvollenHause, auf welchem das Wappen derer von derAducht, ein Papagey in Stein ausgehauen,weshalb auch das Haus im Munde des Volkesnur „zu den Papageyen" genannt wurde.
Hier wohnte Herr Mengis von der Aducht,Mitglied des hohen Rathes, welcher im Jahre1347 die Richmod aus dem Geschlechte derervon Lyskirchen geeblicht hatte und in schönsterEintracht mit ihr, der Mutter der Armen undBedürftigen lebte. Bei allem Reichthum undGlück blieb doch Herr Mengis düster, dennsein schönster Wunsch, einen Erben seines Naniens
und Vermögens zu haben, war leider nicht inErfüllung gegangen.
Im Jahre 1357 wurde Cöln von einerpestartigen Krankheit heimgesucht und auch FrauRichmodis von der Aducht ward davon ergriffen.Nach drei Tagen des schmerzenvollsten Kranken-lagers folgte Herr Mengis von einer großenSchaar seiner Mitbürger begleitet dem Sargeseiner theuren Gattin, welche in dem Aposteln-stifte, wo fick die Aducht'sche Familiengruftbefand, bestattet wurde. Die Leiche war, wiees in jener Zeit gebräuchlich, mit ihrem ganzenSchmucke an Gold und Diamanten in denSarg gelegt worden, welcher Umstand demTodtengräber nicht verborgen blieb.
Die Begier, sich dieser Kleinodien zu be-