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Geld und Gut, darum verlegte ich mich auf'sTräumen, weil ich schon oft gehört hatte, daßdie Gelehrten eine Sache, die sie im wachenZustande durchaus nicht 'raus kriegen konnten,im Traume von selbst fanden. So hat es auchmir gegangen: Ich träumte nämlich, wirsollten uns ein Sonntagskind wünschen, dennalles, was dieses begänne, würde zum Bestenausschlagen und uns in Kurzem zu reichenLeuten machen.
„Zum Teufel ja," antwortete der Bauer,„wie ist es möglich, daß ich nicht daraus ge-kommen bin; hat mir meine Großmutter dochauch von solchen Sonntagskindern erzählt,welche die Leute zu Millionären gemacht baben.So wollen wir denn ein Sonntagskind inunser Haus wünschen, aber es muß kein eigenesKind sein, denn außerdem, daß eigene Kinderden Eltern viel Verdruß machen. kosten sieauch schrecklich viel Geld und wenn sie größersind und einen eigenen Hausstand gründen,dann wollen sie ihr Erbtheil haben, »nd diearmen Eltern haben das leere Nachsehen."
Die Frau hätte nun freilich viel lieber ein eige-nes Kind gehabt, als ein fremdes, aber sie wußtewohl, daß ihr Mann, wenn er sich einmaleine Sache in den Kops gesetzt hatte, niemalsuachgab, darum nickte sie mit dem Kopfe, holtedas Stofje mit den glühenden Kohlen, um denThee zu wärmen und that nur dann und wanneine leise Scitenfrage in Bezug auf ein eignesKind, auf welche der Nimmersatt keine Antwortgab. Er war so voll von dem Sonntagskinde,daß er dem Frühstücke bei Weitem nicht die
gewohnte Achtung erwies, und weder auf diegerösteten Brodrinden, noch auf de» süßen Rahmund die gelben Käseschnitten besondere Auf-merksamkeit verwendete. Ein paar hastigeSchlucke Thee, dann warf er das Sicht aufdie Schulter und eilte zu dem Gerstenfelde.
Nun, hast du dich besonnen? zwitscherteihm die Lerche etwas ängstlich entgegen.
„Ja," antwortete Nimmersatt, „ich will einSonntagskind haben, dem alles gelingt, was esanfängt."
So trage mich mit dem Neste nur schnellin das Gebüsch, denn über ein Jahr soll derStorch deiner Frau ein Knäblein unter derFrühmesse bringen, das ein richtiges Sonntags-kind, sei, und dem alles gelingen wird, wases beginnt. , . ,,
,',Hm," sprach der Nimmersatt, und kratztesich dabei hinter den Ohren, „hm, wäre schonrecht schön, aber meine Frau versteht dieKinderzucht nicht, und da wäre mir doch lieberein fremdes Kind, über das man sich nicht so
viel ärgert, und das später nicht kommt, umsein Erbtheil zu verlangen."
Das ist ein etwas vermefsner Wunsch,zwitscherte die Lerche, aber ihr Menschen sagt:Versprechen bringt Schuld, und ich gehörenicht zu denen, welche leichtsinnig ihr Wortbrechen. Wenn du am Abend nach Hansekommst, soll das Sonntagskind vor deinerThüre stehen.
„Ist das sicher und wahrhaftig wahr?"
Sicher nnd wahrhaftig! zwitscherte dasVöglein.
Da packte der Nimmersatt vorsichtig dasNest auf, trug es in den bezeichneten Busch,und fuhr mit frohem Herzen fort, seine Gerstezu schneiden. Als er am Abend damit fertigwar und seinem Hause zuwandelte, fand er anseiner Tbür ein Kind, dessen Stirne leuchtete,wie das bei den Sonntagskindern stets derFall ist. Es hob seine Händchen weinend zuNimmersatt und sprach: Habt Erbarmen, lieberMann und nehmt mich in euer Haus auf.Jbr werdet Gotteslohn davon haben, denn ichbin arni und verlassen, und kein Mensch willmich bei sich leiden, weil ich so gar schwachbin und nicht zugreifen und arbeiten kann, wiedie starken Bursche.
„Wo soll aber der Gotteslohn Herkommen,mein Büblein, wenn du nicht rüstig schaffenund wirthschaften kannst?" fragte Nimmersatt.
Nun, ich werde ja für euch und eureFrau alle Tage beten, daß es euch beidenwohlgehe, und das bischen Essen und Trinkenkann ich wohl als euer Schafhirt verdienen.
Nimmersatt merkte wohl an Allem, daßder Knabe das ihm versprochene Sonntagskindsei, darum sprach er: „Sieh Bub, ich habe einweiches Herz und kann nicht gut etwas ab-schlagen, darum magst du nur immer hereinkommen und bei mir bleiben, obschon ich fürchte,daß es mit dem Schafehüten nicht viel gebenwird."
So traten sie denn ein. Zwar machtedie Frau, als sie den etwas zerlumpten Knabensab und hörte, daß er im Hause bleiben sollte,eben kein freundliches Gesicht; als ihr aberder Bauer zuzischelte, daß es das Sonntags-kind sei, da nahm sie ihn freundlich bei derHand, bolte gleich ein paar warme Semmelbeim Bäcker nnd strich ihm gar freundlichdie Backen.
Am andern Morgen zog der kleine Ferdi-nand mit den Schafen an den Abhang desBerges, wo dem Nimmersatt vor einem Jahreder Wolf drei schöne Schafe geholt hatte.Dort, dachte der schlaue Bauer, kann ich gleich