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Daß Roderich die geschworne Treue brach,Daß eine Andre er gewählt, —
Vergessen hat er Dich, er ist vermählt. —
Hedwig.
Mein Roderich treulos und vermählt?
O Herz, hör auf zu schlagen,alt aus die herbe Pein!u hast nicht schwer zu tragen,Bald wirst Du still und ruhig sein.Gott höret meine Klagen,
Er lädt mich zu sich ein.
(Der Vorhang fällt.)
Zweiter Akt. Sternberg.
(Abend. Festlich geschmückter Rittersaal im Schloß Sternberg.)
Erste Scene. Manfred n. Rnna (treten auf.)Ztuno.
Hier hat die Lust ihre Zelte erhoben,
Kränze gewunden und Blüthen gestreut,—Hör, wie sie jubeln und jauchzen und toben,Denn ihren Einzug feiern sie heut.
Manfred.
Mag noch die Mauer stehn, die Säule tragen,Stürzt das Gebälk nicht ein bei diesem Graus?Zu andren Festen ward in schönren TagenVon unsrem Vater einst erbaut dies edle Haus.Gleich hatte er sein Herz den beiden Söhnen,Gleich seines Hauses Reichthum zuerkannt,Nah auf drum baut' er Sternberg an des
schönen
Rheinstroms Gestaden, daß ein enges BandDie heißgeliebten Söhne stets umschlinge.
Die Burgen nannte er das Brüderpaar,
Daß Brudersinn, wenn er zu Grabe ginge,Bei uns bestände, ewig fest und wahr.
— Und Hedwig, seines Freundes Waise,
Die er bei sich gepflegt, seit sie als KindIhm anvertraut, recht nach GeschwisterweiseWie waren wir ihr hold und treu gesinnt!Freund, was ich stets verschwieg mit festem
Munde.
In meinem Schmerze jetzt vernimm die Kunde!Als unsre Schwester sahn wir stets sie an,Nicht anders waren wir ihr zugethan,
BiS einst ein alter Diener unsres Hauses,Der mich geliebt in treuer Diener Art,
Auf seinem Sterbebette das GeheimnißVon ihrer Herkunft mir geoffenbart.
Sie ist nicht eure Schwester, sagt' er mir,Doch nach des Vaters Wunsch soll sie cs denken,
Um früh und recht zu fühlen, wem von EuchIhr bräutlich Herz dereinst sie möge schenken,Bald ist es Zeit, daß Einer von Euch ZweinDie Braut gewinnt, — mög' es mein Man-fred sein. —
Der treue Diener ging darauf zur Ruh,Ich drückt' ihm selbst die müden Augen zu,Doch wie verwandelt war nun mein Geschick,Aus Hedwig sah ich mit wie anderm Blick.Die Bruderliebe schwand und höchste LiebesgluthEntzündete beseligend mein Blut,
Ihr war ich zugethan mit aller JugendkrastUnd kaum bezwang ich meine Leidenschaft,Doch trug ich sie mit süßem Schmerz im Stillen,Gehorsam meines Vaters Willen.
Ich harrte aus, bis Sternberg ward erbaut,Dann wollt' er Einem geben sie als Braut.Wie hofft'ich selig still! O Freund, es kamDer Tag, doch nicht dem Glück, dem tiefsten
Gram
Und ewigen Herzleid weiht' er mich. —
Sie wählte ihn, den fröhlichen Heißsporn, ihn,Der Alle Herzen immer schnell gewann,
Und jetzt durch seine FrevelthatIhr edles Herz gebrochen hat,
Sie wählte ihn, den treulos falschen Mann!
Runo.
Die Frevelthat, die er begangen,
Der neue Bund, des er sich unterfangen,Wird bald auf ihn den Strahl der Rache senden,Und feindlich gegen ihn sich wenden.
Er konnte sie verrathen, heil'gc Eide brechen!Doch wird ein Gott es rächen,
Der Frevel trägt in sich der Strafe Keim,Denn jede Schuld kehrt zu dem Schuld'gen heim.