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[1] (1857)
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wirst sehn, in kürzer Zeit liegen alle deine Feindedir zu Füßen. Jravira lächelte. Ich habekeine Feinde, lieber Ivan, das Völkchen taugtauch am Besten zum Arbeiten. Befiehl, baßsie uns einen Palast erbauen, darinnen wir inRuhe und Frieden leben können. Da bliesIvan in sein goldenes Horn und alsobald erschie-nen alle Diener des großen und weiten Reiches.Ivan that ihnen seinen Willen kund. Er befahlden Zwergen, daß sie Bernstein, der dicht undfest sei, suchen sollten, um die Mauern desPalastes davon aufzuführen, und Kristall zuFenstern, recht klar und hell. Den Erdmänn-chen und Kobolden befabl er, daß^sie aus derErde Tiefen das reinste Gold und Lülber berbeischaffen sollten, nm den Fußboden daraus zubereiten und den Nymphen, daß sie die köst-lichsten Perlen bringen möchten, so sie auf demMeeresgrund finden könnten, um das Inneredes Palastes damit zu verzieren.

Wie der Wind stoben die Zwerglein davon,und die Nymphen folgten so schnell sie konnten,um dem Befehle zu gehorchen. Nur die Erd-männchen die standen noch lauge und stecktendie Köpfe zusammen, als Ivan und Jravira sichentfernt hatten. Sie meinten schon zu viel Goldzu dem gestrigen Feste geliefert zu haben undwollten nichts mehr' hergeben, weil das Meernoch alle ihre Schätze verschlingen werde. Jelänger sie sprachen, je mehr wurden sie aufge-bracht über Ivan; zuletzt schwuren sie Rachean ihm zu nehmen, und die Kobolde fordertenlaut des Königs Tod.

Ivan und Jravira lebten glücklich zusam-men, nichts Böses ahnend, da setzten die finsternErdgeister ihren Racheplan in's Werk. Als Ivaneinst sanft und ruhig in seinem Schaukelbetteschlief, stürmten die Unholde heran, vertriebendie schützenden Nymphen und kekrten die Wiegeum. Blutend und betäubt fiel er auf den Grunddes Meeres nieder. Die Nymphen, welche dieKönigin geflickt hatten, brachten diese herbei.

O, klagte Jravira, muß ich es erleben,daß in meinem Reiche, wo Freute und Wonnedich umgeben sollten, solche finstere Mächte deinUnglück bereiten! Meine Thränen werden nieversiegen, und meine Diener das Angesicht ihrerKönigin nicht mehr heiter erblicken!

Diese Klagctöne drangen zum Herzen Jvan's,er erwachte aus seiner Betäubung, schlug dieAugen auf und sprach: Ich lebe und werdenicht sterben, doch laß mich noch eine Weileruh'n, Jravira.

Die Augen der Königin glänzten vor Freude,sie winkte den Nymphen, daß sie Ivan auk eineRaseubank legten, und sie selbst eilte fort, um

heilsame Kräuter, welche nur ihr bekannt warenund in den tiefen Gründen des Meeres wuch-sen, zu suchen. Daun pflegte sie sein bei Tagund bei Nacht, bis sich Jvan's Wangen wiederrötheten und sein dankender Blick die Pflegern:lohnte.

Als nach langen trüben Tagen die Strah-len der Sonne wieder Alles erwärmten, führteJravira Ivan spazieren und setzte sich mit ihm,da sie müde geworden waren, auf eine Sand-bank nieder. N,m unterhielten sie sich überviele wichtige Angelegenheiten des Landes undJravira mahnte Ivan an seine Pflicht: Gerichtzu halten über die Uebelthäter und die Stören-friede des Landes zu verweisen. Er gehorchteder weisen Königin und ließ am andern Tagealle Uiiterlhaneu vor sich kommen. Mit könig-lichem Schmucke augethan, stand er, zürnendenBlickes, auf seinem goldnen Throne. Als ersein blankes Schwert aus der Scheide zog undmit drohender Stimme zu reden begann, zittertenalle Männlein und fürchteten sich sebr. Es istunser Wille, sprach er, daß alle Erdmäunchenund Kobolde sich binnen einer Stunde ausunserem Reiche entfernen sollen, sonst werdenunsere treuen Unterthaneu sie alle mit demSchwerte hinrichten.

Als das die Männlein hörten, erschrakensie über alle Maßen und liefen so eilig davon,daß sie sich nicht einmal umsahe», und alleihre Schätze zurückließen. Erst als sie die schwe-dischen Berge erreicht hatten, machten sie Halt,versteckten sich in den Höhlen und Schluchtenderselben und ließen sich nicht mehr sehen. Ein-zelne Wanderer, welche vorübergehn, necken siedort, springen ihnen auf den Rücken und zupfensie heimtückisch beim Ohr.

Die treuen Unterthanen aber suchten ausOuellen und Flüssen und aus dem Sande amUfer so viel Gold zusammen, daß in kurzer Zeitder Palast dennoch herrlich dastand.

Das Königspaar hätte nun glücklich lebenkönnen, aber Ivans Angesicht zeigte ost tiefenKummer, und als cs dann von Tag zu Tagschlimmer wurde, fragte ihn Jravira: Was sinddas für Thränen, die in deinen Augen hangen,und warum klagst du mir dem Leid nicht?'

Willst du mein Leid erfahren, holde Kö-nigin, antwortete Ivan, so wisse: Als ich einesTages der Stelle mich nahte, wo ich mit dirzum Meeresgründe niedcrsuhr, sah ich meineMutter am Ufer sitzen und ihr Klaggeschreierfüllte die Luft. Kehre heim! Kehre heim, oIvan, wo weilest du so lange! Die Haare dei-ner Mutter gleichen dem Schnee und tiefeFurchen' durchziehen ihr Angesicht! An jedem