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[1] (1857)
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Abend sitzt sie nun dort mit solcher Klage. DerGedanke, durch niein Wegbleiben der MutterKummer zu bereiten, trübt mir jeden Augenblick.

So gebe heim und tröste deine Mutter,sprach Jravira. Wenn die Morgenröthe sicham Himmel zeiget, will ich dich hinaufgeleiten.

Es war ein heiterer Frühlingsmorgcn, alsIvan dem wohlbekannten Schlosse zuwandelte.Das junge Grün duftete und heimathliche Blu-men standen am Wege. Wie wohl war ihmums Herz, als er sich dem Schloßthore näherte.Er war so groß geworden, daß er den schwerenRiegel zurückschieben konnte, knarrend flog dasThor auf. Alle Hühner und Tauben flattertenvon ihren Schlafstellen herunter und Ivanmeinte: es seien noch dieselben Thiere, welcheer einst gefüttert hätte. Peter, der Stallknecht,putzte die Pferde, den grüßte er. Aber Grete,die im Stalle die Kühe melkte, hätte er fastnicht wieder erkannt, so verändert schien sieihm; sie sah viel älter aus und hatte eineMütze auf; er wußte nicht, daß sie unterdessendes Peters Frau geworden war. Jetzt sah sichIvan nach Nichts mehr um und eilte demSchlafzimmer seiner Mutter zu.

Als er durch's Haus ging, sah er durchdie offene Küchenthüre die alte Lisbeth, welcheer gleichwieder erkannte, am Feuerheerde stehn,und für die Knechte, die schon auf dem Feldearbeiteten, den Brei rühren. Leise trat Ivanin seiner Mutter Gemach. Diese ruhte nochund lächelte im Schlafe, denn ein angenehmerTraum erquickte sie nach einer schlaflosen Nacht.Es träumte ihr, Ivan sei als ein großer, schö-ner Jüngling heimgekommen und stehe an ihremBette. Im Traume breitete sie die Arme ausund umschlang ihn, der nun wirklich vor ihrstand. Da erwachte sie, sah ihn, und schloßdie Augen wieder, denn noch vermochte sie nicht,das Traumbild von der Wirklichkeit zu unter-scheiden. Erst als Jvan's Thränen auf ihreWangen flössen, sah sie wieder auf, umschlangihn mit ihren Armen und sprach: Bist du wirk-lich Ivan, so lasse ich dich nicht mehr los, bisdu versprichst, mich nie mehr zu verlassen. Daversprach Ivan, daß er immer bei ibr bleibenund eine Stütze ihres Alters werden wolle.

Am Abend dieses Tages suchte Ivan Jravira,

setzte sich mit ihr ans Ufer nieder, nahm ihreHand in die seinige und sagte ihr: der Armmeiner Mutter umschlang mich so lange, bisich versprach, sie nicht mehr zu verlassen. Sofolge mir Jravira, du sollst die Königin meinesSchlosses sein. Jravira antwortete: Wir Kin-der des Mxeres welken schnell an der SonneGlut, kurz wäre die Freude, so ich dir folgenwürde. Du, ein Fremdling in meinem Lande,verlässest meine Diener ohne Harm, aber michbindet ein heiliger Schwur, nicht treulos kannich mein Reich verlassen. Nun schwiege» beideund blickten traurig in die See. Endlich sagteIvan: Wie kann ich dich verlassen Jravira,so ich dich nicht wieder sehen soll? Da schaute! Jravira auf, sinnenden Auges sah sie Ivan§ einen Augenblick an und erwiederte: Gib wohll Acht, jedes Jahr wenn du zum ersten Mal imj Walde die Nachtigall singen hörest, will ichwieder an dieser Stelle sein.

! So saßen sie noch lange am Meeresufer,

I aber sie sprachen nicht mehr, ihre Thränenj flössen in die See. Nymphen kamen mir Mn-^ schelschalen und nahmen sie auf, denn aus^ Thränen machen diese die köstlichsten Perlen.

^ Als spät am Abend der Mond, den dunklej Wolken verhüllt hatten, hell hervortrat, war! Jravira von Jvan's Seite' verschwunden. Er! stand auf und ging gedankenvoll dem Schlosse zu.

Von der Zeit an blieb Ivan der gute Sohn

> einer treuen Mutter. Er war seinen Unter-! gebenen ein freundlicher Herr und geliebt und^ geachtet von Jedermann.

^ Wie der sanfte Schimmer eines Sternes, aus weiter Ferne die Erde streift, einen somilden Schein goß Jvan's Jugendtraum übersein Leben aus; still und sinnend, aber zufriedenflössen seine Tage dahin. Nur einmal im Jahre,wo er am Abend das Schloß verließ, wagte! Keiner ihm zu folgen, und das Gerede ging,! er verkehre dann mit Geistern am Meeresufer.

! Als silberweißer Greis starb er, und man begrub

> ihn dort nach feinem Befehl. Schisser, die! bei dem ersten Frühroth aus die See fahren,

wollen an jedem Morgen das Grab mit denwunderbarsten Blumen geschmückt sehen, diewie Nebeldünste im Sonnenschein zerstieben.