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[1] (1857)
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Ufer. Die Sonne warf ihre Strahlen auf diewogenden Wellen, so daß sie schimmerten undglänzten, als seien Diamanten darüber hinge-streut. Da hob eine Welle ein wunderlieblichesMädchen empor, deren zarten Glieder von einemseegrünen Gewände umflossen waren. Ein Dia-dem von Perlen und Edelsteinen schmückte ibrlockiges Haar, und ließ einen durchsichtigenSchleier, aus Meeresschaum gewoben, über ihreganze Gestalt herabwallen.

Die Welle wogte immer näber heran undtrug das Wunderbild zu Ivan herüber. Diesersaß stumm und erstaunt und wußte nicht, wieihm geschah. Das Mägdlein faßte ihn bei derHand und fing also an zu reden: Was sitzestdu so einsam hier, lieber Ivan? Hast du nichtbemerkt, wie ich dir immer zuwinkte mit unszu tanzen, auf dem Meeresgründe? Ich binJravira, die Königin des Meeres; mir gehorchenalle Wasser- und Erdgeister; willst du, so kommmit; du wirst dann ein König in meinem Laudewerden, weil ich dich zum Geniabl nehmen will.

Da setzte sich Ivan neben Jravira auf eineMeereswelle nieder. Er jubelte und sprach:Heute werde ich ein König! Mir gehorchen alleWasser- und Erdgeister! Eine schöne Königin zist mein. Gleich heute soll die Hochzeit sein! ^Ja, heute soll die Hochzeit sein, sägte Jravira.

So fuhren sie schaukelnd zum Meeresgründe.Dort sah Ivan eine kühle Grotte von Meeres-schilf, mit Wasserlilien dnrchflochten. GroßeMuscheln standen als Sesseln dort und goldeneTrinkgefäße auf marmornen Tischen. Dies istmein Liliensaal, sprach die Königin, sogleich wer-den meine Diener erscheinen und Alles zumFeste ordnen. Sie führte ein kleines goldenesHorn zum Munde und blies darauf. Da regtees sich an allen Ecken und Enden; zierlicheNymphen, Erdmännchen, Zwerge und Koboldekamen herbeigelaufen, und fragten nack der Kö-nigin Begehren.

Ihr sollt aus meinem großen Reiche augen-blicklich das Köstlichste und Herrlichste Zusammen-tragen, und einen großen Saal damit schmücken,denn eure Königin wird heule Hochzeit halten.

Da kicherten und lachten die Erdmännckenund die Königin mußte sie mit ernstem Blickestrafen. Die Nymphen aber hüpften frohenLünnes fort nnd suchten die schönsten Perlenund Blumen, um ihre Königin damit zu schmücken.

Als Alles bereitet war, führten die Vor-nehmsten der Zwerge und Kobolde Ivan undJravira nach einem goldenen Throne, der inMitte eines großen Saales stand. Jravira setzteIvan eine Krone von Edelsteinen auf's Haupt,beide standen so glänzend da, wie ein Doppel-

stern am nächtlichen Himmel. Von allen Seitenwaren die Wasser- und Erdgeister herbeigeeilt,dem Hochzeitsfeste beizuwohneu; sie schwangenihre Hüte und riefen: Hoch lebe König Ivanund die Königin Jravira, alle Geister des Was-sers und der Erde seien ihnen unterthan!

Hierauf überreichte ein Zwerg Ivan, aufeinem seidenen Kissen, ein Zepter, ein goldenesHorn und ein Schwert, desgleichen Jraviraeine Lilie von wunderbarer Schönheit.

Da es nun unterdessen Abend gewordenwar, so zündeten die Zwerge viel TausendLichtchen an, und alle kleinen Beine setzten sichzum Tanz in Bewegung. Ivan und Jravirabegannen den Tanz und Zwerge und Nymphenfolgten in langen Reihen. Die Erdmänuchenbliesen dazu auf Muschelhörnern und flötetenauf Biuseurohr. Solch lustiges Fest hatten dieMännlein lange nicht gefeiert, sie ranzten undsprangen, spielten und lachten bis spät in dieNacht; zuletzt setzten sie sich an lange Tafeln,aßen Austern und tranken den Wein, den dieErdmännchen von den Bergen herbeigetragcnhatte». Aber dem guten Ivan, dem fielen dieAugen zu, er konnte sich nicht länger des Schla-fes erwehren. Die Wasser- und Erdgeisterbedürfen der Ruhe nicht, sie sind munter beiTag und bei Nacht, weshalb auch im großenReiche Jraviras kein Bettlein zu finden war.Die sorgsame Königin befahl, daß die Zwergein Eile eine Schlafstätte bereiten sollten, worauf! Ivan sanft ruhen könne. Diese hämmerten und! klopften nun ein Bette, ähnlich einer Wiege,

! zusammen, füllten es mit Seegras aus, legten> den schlafenden Ivan hinein und ließen ihnsanft auf Meereswellen hinschaukelu. Jravirabefahl noch zwölf Nymphen, daß sie das Betteumgeben und die Meerungeheuer davon ent-fernt halten möchten.

Vortrefflich ruhte Ivan auf solchem Lageraus, und als er die Augen öffnete »nd dieMorgenröthe am Himmel erblickte, hielt er imersten Augenblick Alles für einen Traum, biser das seltsame Bette gewahrt, Vas die Nym-phen jetzt leise auf den Meeresgrund nieder-^ ließen. Da sprang erfrisch und munter heraus! und rief: Jravira! liebe Jravira, wo bist du?Oder habe ich nur von dir geträumt?

In strahlender Schönheit erschien die Meer-königin vor Ivan und sprach: Es ist Zeit, meinGemahl, daß du deine Befehle ertheilest. Dasunruhige Völkchen, von den Freude» des gestrigenAbends noch trunken, wird i» seinen, Ueber-muthe nichts Eures beginnen.

Hast du Feinde, Jravira, fragte Ivan,soll ich das Völkchen in den Krieg führen? Du