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[1] (1857)
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Schiffsraum und fand denselben zu seiner Freudemit den brauchbarsten Dingen angefüllt. Glas-perlen, Porzellan-Scherben, Messer, Scheeren,Bänder, gefärbtes Garn, bunte Katkunstoffe,Glasstückcheu, Nägel, Nadeln, Beile, Branndwein alles dieses fand sich in Hülle undFülle. Tie Schmerzen der Bastonade vergessend,überlegte er sich den Plan, wie er die wildenVölkerstämme mit seinen Flitterwaaren amvortheilhaftesten ausbenten könne.

Die Müdigkeit nöthigte ihn indeß baldzum Schlafe; in eine wollene Decke eingewickeltlag er auf dem Verdecke und schnarchte bald,wi'e eine Schneidemühle- Im Pfefferlandeschläft sich's aber nicht so angenehm, wie ineinem rheinischen Federbette, das sollte unserKaufmann bald erfahren, denn Schwärme vonMosquiten ließen sich ans seinen Körper herabund stachen ihn jämmerlicher, wie eine deutscheHechel je dazu im Stande gewesen wäre. VorSchmerz brüllend sprang er auf und fuchteltein den wolkendicht geschaarten Jnsecten umher,wodurch er das Nebel nur nock vergrößerte.Neben seinem Schiffe, fest an den Planken,wälzten sich die Alligatore im Wasser underfüllten mit ihrem schrecklichen Brüllen dieverpestete Luft. Er starrte auf die gepanzertenUngeheuer, deren Nückenschilde gegen dieSchiffswände klapperten, mit Todesfurcht hinab,und kletterte in das Tauwerk hinauf, wo ervor ihren Rachen sicher zu sein glaubte.

Als endlich der Morgen kam, fühlte ersich wieder sicher, denn auf dem jenseitigenUfer wurden Gestalten sichtbar, die, wenn auchvon der Natur veruachläßigt, doch wieMenschen aussahen. Es waren wilde Stämme,welche herbeikamen, dem Europäer für seinenKrimskrams die Products des Landes zuzu-tragen. Mit habgierigen Augen überflog erihre Maaren und ruderte vergnügt dem Uferzu, dem sich jetzt die Häuptlinge näherten.Gegen eine Hand voll Glasperlen handelte erganze Lasten von Kautschuk, gegen ein paarbunte Scherben wohlriechende Toukabohnenund Gewürznelken ein. Die kostbare Vanille,die herrlichsten Gewürze wurden in ganzenBallen auf sein Schiff gebracht, wofür ereinige Nägel, wenn es hoch kam ein schlechtesMesser oder ein rostiges Beil gab. Affen,Papageien, seltene Vögel aller Art füllten denSchiffsraum und er fand keinen Platz mehrfür fernere Erwerbungen, wie bereitwillig auchdie Söhne der Wildniß ihre Anerbietungenverdoppelten.

Zurück wendete er das Schiff, und obschonsich kein Lenker am Steuer befand und kein

einziger Matrose zur Hand war, er segeltevorwärts, wie von unsichtbaren Tauen durchdie Flulhen gezogen. Was kümmerte ihn dasBrüllen des Alligators, was machte er sich ausden Stichen der Mosquiten, stand er dochsichtbarlich unter dem Schutze eines wohlthä-tigen Geistes, der ihn für die Unbilden ent-schädigte, die ihm ein böser Spuk im Heimathlandezugefügt batte.

Der Entschluß, nicht mehr in das verwünschteHaus zurückzukehren, sondern mit der reichenLadung an einer großen Stadt vor Anker zugehen, und dort seinen Wohnsitz aufzuschlagen,stand in seiner Seele fest. Sein dortigesAnwesen, an dem so viel Blut klebte, wollteer unter den Hammer bringen, nur hatte erdie Sorge, ob unter den lasterhaften Einwohnersich einer finden werde, der ihm gut für dieBezahlung sei.

Pläne über Pläne bauend sank er endlichauf dem Verdeck in einen sanften Schlummer,indeß das Schiff seinen ruhigen Geistergangfortsetzte. Wer kann im Pfcfferlande berechnen,wie lange man geschlafen hat, wenn man esnicht aus Gewohnheit so ungefähr im Kopfeweiß? Rein unmöglich, weil die SchwarzwälderUhren bis dorthin nicht verhausirt werden.Fast erschrocken sprang er deßhalb auf, alsdicht über seinem Kopfe der Wecker einerStubenuhr erscholl. Wer malt sich sein Erstaunen,als er sich nach mehrmaligem Augenreibenüberzeugte, daß er iu seinem eigenen Schlaf-zimmer stand, dicht neben dem Laden, wo dieVölker aller Zonen Fangeball mit ihm gespielthatten. Schon überschlich ihn das bedauerlicheGefühl, daß das Spiel der Kobolde, wie dieReise in's Pfefferland, nur ein elender Traumgewesen sei, ein Hirngespinnst, daß ihn in seineneigenen vier Pfählen genarrt habe, als einBlick durch's Fenster ihn erkennen machte, daßdie Wimpel seines Schiffes lustig am Ufer imWinde flatterten. Mit einem Schrei der Freudestieß er das Fenster auf, und siehe, in einerlangen Reihe kamen schwerbeladene Neger vomSchiffe und stapelten die Ballen der köstlichenWaaren in seinem Laden und Waareulagerauf. Sonderbar, unter den Lastträgern befandensich auch die Häuptlinge der Wilden, die erin seinem Handel so schändlich übervortheilthatte. Das Tragen und Schleppen wolltekein Ende nehmen; das Waareulager, derKeller, der Speicher, die Hofräume, jederWinkel war angefüllt mit seltenen schätzen,die man in den Rheinlanden mit schweremGelde aufwiegt.

Endlich schien das Schiff geleert, die