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[1] (1857)
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Neger kehrten ohne Lohn und Dank zn demselbenzurück, das alsbald seinen Anker löste undhinwegschwamm. Der Kaufmann ging nunleuchtenden Blickes umher, seine Waaren znprüfen, nur in den Laden wagte er sich, ein-gedenk der schmerzhaften Bastonade, erst gegenAbend. Jeden Augenblick fürchtete er, derSpuk werde von Neuem beginnen; da aberalles ruhig blieb, so wagte er es, einen deranfgestapelten Säcke zu berühren; nach undnach öffnete er die Schubladen, Büchsen undSäcke. Alles ruhige, unverdächtige Waare,keine Spur von Spuk und Hexerei!

Als in der Nacht die Uhr zur zwölftenStunde ausholte, hörte er, wie mit einem Knalldie Kapsel von der Theebüchse sprang; derMandarin trat an sein Lager und sprach mitdrohend aufgehobenem Finger: Du hast mitdem Schweiße aller Welttheile ein spitzbübiscbesSpiel getrieben, um deine Mitbrüder an denBettelstab zn bringen. Aber wisse, von heuteab komme ich in jeder Nacht wieder, um dirdie Bastonade geben zn lassen, wenn du nichtall den ungerechten Mammon herausgiebst, dendu durch Betrag an dich geschwindelt hast!Der Mandarin war verschwunden, und mitihm die Furcht des Kaufmannes. Am andernMorgen kamen die Armen des Dorfes, ihrenBedarf an Lebensmitteln zu borgen. Mitverächtlichem Lächeln trat er in seinen Laden,aber da sahen seine Augen blaue Wunder.Zwei schlanke Malaienmädchen sprangen geschäf-tig hin und her, die zahlreichen Kunden znbedienen; sie gaben Alles ans Borg, odervielmehr umsonst und ermuthigten die altenWeiblein, nur recht viel zu nehmen und baldwiederzukommen, denn es seien für die armenLeute überreiche Vorräthe da.

Der Kaufmann wollte die Malaien-Mäd-chen zum Fenster hinauswerfen, aber sobald erHand anlegte, wurde es in Kisten und Kastenlebendig und die fremdländischen Gestaltenvertraten ihm trotz des Hellen Tageslichtes denWeg und ließen fühlbare Zeichen, in Gestaltblauer Prügelmale, ans seinem Körper zurück.Was war zu thnn, er mußte sich's eben gefallenlassen, wollte er nicht riskiren, von den indischenKris oder den breiten Plantagenhanern nieder-gemetzelt zu werden.

Mit blutendem Herzen mußte er durchdie Comptoirthüre mit zusehen, wie das fremdeGesindel seine Waaren Tag ans Tag ein andie armen Leute des Dorfes verschenkte, unddoch durfte er nicht murren. Kam ein alterKünde, der recht tief im Schuldbnche stand,so sprang jedesmal der Mandarin aus der

Theebüchse, rtß das betreffende Blatt ausund überreichte es qmttirt dem Schuldner, derdann gewöhnlich nicht begreifen konnte, wasden Blutsauger plötzlich so menschenfreundlichund wohlthätig gestimmt habe.

Die Malaienmädchen verkauften indeßunaufhörlich und hatten bald nicht Hände genug,die sich mehrenden Käufer zu befriedigen, diesich auf Anrathen des Mandarins kein Gewissendaraus machten, die eingekauften Waaren inder benachbarten Stadt zu hohen Preisen znverkaufen, die dort um so lieber gegeben wur-den, weil die Waaren von außerordentlicherGüte waren. Bald war das große Waarenlagerausverkauft und nur noch die verfälschtenGegenstände übrig. Ameisenartig wimmelte esjetzt von Zwergen und Kobolden in des geplagtenKaufmannes Wohnung, welche sich dem Geschäfteunterzogen, die Waaren von den beigemischtenBestandtheilen zu reinigen, damit das also Ge,säuberte ans Credit verkauft werden könne.Ehe eine Woche um war, befand sich derKaufmann mit dem Staube der gemahlenenCigarrenkisten und den Beulen der vielfacherhaltenen Bastonade mutterseelenallein imHause; das ganze Heer der Neger, Koboldeund Zwerge, so wie die beiden Ladendienerinnen,alles war verschwunden; doch sollte die Strafenoch nicht zu Ende sein: In der Mitternachts-stunde kam der fürchterliche Mandarin mit denBambusträgern wieder und kündigte ihm an,daß er zwischen einer fürchterlichen, todbringen-den Bastonade und dem Wiedererstatten seinesunrechtlich erworbenen Vermögens zu wählenhabe. Er wählte die Bastonade, aber dieHiebe brannten wie Feuer, wie geschmolzenesPech, das sich in die Muskeln versenkte. Schonbeim 20ten Hiebe schrie er: haltet um Gottes-willen ein! Ich will Alles zurückgeben I

Plötzlich standen alle Diejenigen um ihnherum, die er einst übervortheilt hatte. VonSchweiß und Blut triefend gab er Jedem eineAnweisung auf sein Eigenthum. Mit dem letztenFederstrich war seine Kraft zu Ende, er sankans den Fußboden nieder, dem Tode nahe.

Am andern Morgen wanderte gebeugtenHauptes aus dem stolzen Hause ein alter Mann,wankenden Schrittes, Thränen in den Augen.Wohin er den Weg nahm, er wußte es selbstnicht; nur der L-chmach, der Todesqual wollteer entrinnen.

So gelangte er an's Rheinufer, von derhöhnenden Straßenjugend verfolgt. VerstörtenAntlitzes schaute er in die blauen Flnthen undsprach leise vor sich hin: da unten wäre Ruhe!Wer weiß, ob er nicht den Sprung in die