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[1] (1857)
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sein Ohr, wie das Feilschen und der Handschlagauf Messen und Jahrmärkten.

Voll ängstlicher Erwartung riß er dieAugen weit offen, wagte aber nicht einenSchritt vorwärts. Eine Weile noch dauertedas Getöse, daun flogen die Deckel von allenKisten, die Schubladen fuhren aus den Gefächernund die aufgestapelten Säcke sprengten ihreBendel. Jetzt begab sich ein Schauspiel, daßder Kaufmann fast versteinerte: Aus demSalzkasten stiegen kleine Bergknappen mit bren-nenden Grubenlichtcrn aus der Brust undumtanzten ihn in tollen Sprüngen. In fieber-hafter Gluth berührte er den Drücker desPistols und schoß die volle Ladung unter sie;aber die Männlein lachten seiner; nur immermehr und mehr Genossen entwickelten sich ausdem Kasten; niit heiserem Gekicher klettertensie an ihm empor, setzten sich ihm auf Kopsund Schultern, hingen ihm an Armen undBeinen und setzten ihm mit den Lampen Haarund Bart in Brand-

Als er sah, daß vor den häßlichen Gnomenkein Entkommen war, verließ ihn der letzteRest seiner Kraft, und erschöpft sank er aufeinen Sack Cheribon-Kaffee nieder. Das wäreihm aber fast schlecht bekommen, denn kaumhatte er denselben berührt, so schlüpften eineMenge Javanesen heraus. Den Sarong umden Leib gewickelt, den Kris, einen scharfenDolch, in der Hand haltend, reihten sie sichzum Tanze um den Waarenfälscher und sangenin unverständlicher Sprache ein einförmigesLied, welches, nach den giftigen Pantomimender Tanzenden zu schließen, für den Geängstigteneben nicht besonders erfreulich lauten mußte.Zuweilen hielten sie plötzlich mit lautem haar-sträubenden Schrei inne und spritzten ihmzwischen den schwarzen Zähnen hindurch denSaft des Bethelkrautes, welches sie beständigkauten, in's Gesicht.

Die Angst verlieh ihm wieder Stärke;er durchbrach die Reihen der Tanzenden, umzu entrinnen, kam aber nur aus dem Regen indie Traufe; denn aus dem nächsten Sacke,welcher Kaffee aus Arabien enthielt, tauchtendie braunen Söhne der Wüste mit ihren Tur-banen und Marabuts empor. Krummschwerdterhingen in ihren goldblitzenden Gürteln, nochschärfer aber blitzten ihre Augensterne unterden buschigen Brauen hervor; es umloderteihn, wie Wetterleuchten in schwüler Sommer-nacht und er dachte nicht anders, als der jüngsteTag sei hereingebrochen und der Teufel werdeihn lebendigen Leibes von dannen tragen.

Aus der Theebuchfe stieg jetzt gravitätisch einchienesischer Mandarin; ihm folgten Diener mitlangen, von beiden Seiten der Oberlippen sichniederschlängelnden Bärten, welche Bambusstäbein den Händen trugen. Sie fielen über denFälscher her, banhen ihm Arme und Beinemit Stricken zusammen, zogen ihm mit großerGeschwindigkeit Schuh und Strümpfe aus undgaben ihm auf einen Wink des Mandarinenmit den Bambusstäben die Bastonade auf dienackten Fußsohlen. Wenn er vor Schmerzaufschrie, traten die bethelkauendcn Javanesenherzu und stopften ihm den Mund voll vondem ätzenden Kraute. Der Saft färbte ihmZähne, Zunge und Gaumen schwarz, wie seinHerz längst gewesen.

Endlich war die Baston«de überstanden;vor Schmerz wand er sich am Boden undvermochte nicht, sich auf die zerschlagenen Füßezu erbeben.

Wiederum erwartete ibn eine neueSchreckensscene: die Zuckerkisten spieen die, kraushaarigen Söhne Afrika's aus, schwarz amganzen Leibe, wie der leibhaftige Gottseibeiuns.In den Fäusten schwangen sie breite Plan-tagenhauer, womit sie auf den Pflanzungender Weißen das Zuckerrohr abschlagen.

! Als er die Menge der blanken Messer in! den Händen der Neger sah, dachte er;Nun! geht es an den Kragen" und duckte sich instiller Verzweiflung nieder, um den Todesstreich! zu empfangen. Aber er sollte nicht sterben,i Ein riesiger Neger faßte mit seiner breiten! Hand in das struppige Haar des Knieendenund zwängte seinen Kopf in die Pfefferbüchsehinein. Diese Büchse war ein erbärmlich kleinesDing, aber heute sollte einmal die Welt vollWunder sein; sie verschluckte den Kaufmanngänzlich, und es deuchte ihm, daß sie gar keinenBoden habe, denn er fiel wohl tausend Klaftertief und er erwartete mit Angst und Schreckenden Augenblick, wo er sich an den Wändender Büchse den Kopf einstoßen werde. Wiefreudig war er deßhalb überrascht, als er sichplötzlich lebendig auf einem Fahrzeuge befand,das mitten auf einem schlammigen Stromehielt. Das war das Land, wo der Pfefferwächst. Dahin hatten ihn seine Kunden mehrals tausendmal gewünscht. Nun war er plötzlichda, zwar ohne sein Zuthun, aber doch mitgroßer Zufriedenheit, denn erstens war er denHänden seiner Peiniger auf wunderbare Weiseentronnen, und dann überlegte er auch schonim Stillen, welchen ungeheuren Vortheil eraus seiner Anwesenheit im Pfefferlande ziehenkonnte. Alsbald untersuchte er den weiten