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einst in demselben Fasse lag, in mannigfacherWeise. Nachdem er die Zettel den Flaschenausgeklebt hatte, schaute er sie mit großerBefriedigung an und sprach: So, so! Wieanders nimmt sich das aus! Man sieht cs derFlasche gleich von Außen an, daß ihr Inhaltauf sonniger Steinklippe gewachsen ist. Wiewerden sie mit der Zunge schnalzen, das Glasgegen das Licht halten und das Feuer und dieBlume preisen! Ein wahrer Goldgedanke dieseZettel! Sie wiegen den Trinker in süße,paradisische Täuschung und werfen ein schönesProfitchen ab, von dem ich der Menschheitneue Wohlthaten erweisen kann.
Jetzt suchte er seine Schlummerstätte undschlief den Schlaf des Gerechten, bis am nächstenMorgen die alten Mütterchen an seiner Thüreklingelten und für sauer erworbene Pfennigevon seiner schlechten Waare begehrten. Siesahen es wohl, daß die Waagschalen nicht gleichwaren, daß das Zünglein Überbein nie in derMittestand, aber sie wagten keine Einrede, weil sienoch ini Buche standen und möglicherweisemorgen wieder borgen mußten. So' gingen sielieber schweigend und seufzend mit den leichtenPfunden von dannen und machten den Kaffeeum so dünner, den Kuchen um so durchsichtiger,damit sie länger damit langten.
Der Kaufmann wurde unterdeß ein reicherMann, und, da er selber nicht von den ver-fälschten Waaren genoß, ward sein Bauch vonTag zu Tag runder, sein Antlitz fetter undseine Frömmigkeit salbungsreicher.
Der einzige Concurrent, welchen er imOrte hatte, verdarb, weil er die Preise höherhalten mußte, als sein frommer Nachbar. DerKaufmann betrachtete seinen Ruin als einewohlverdiente Strafe für seine dumme Grille,den Kunden reine und unverdorbene Waarezu liefern, die der Menschheit nur zum Schadenan Leib und Seele gereiche.
Jetzt hatte er keinerlei Rücksicht mehr zunehmen; die Leute mußten bei ihm kaufen,mochten sie sich sträuben, wie sie wollten. Dakonnte es denn nicht ausbleiben, daß er dieArmuth bald ganz im Sacke hatte, und Jeder-mann nach seiner Pfeife tanzen mußte. Esvergingen nur wenige Jahre und er sah mitStolz auf das Dorf herab, das von oben bisunten sein gehörte mit sammt den Bettelsäcken,in denen die Bewohner auf den Nachbardörfernihre kärgliche Mahlzeit zusammenstahlen oderbettelten.
Eines Morgens trat ein altes Weibleinin den Laden, das einst eine wohlhabende Fraugewesen war. „Gebt mir ein Loth Thee," bat
sie mit Th'.'äuen in den Augen; „mein Mannist auf den Tod krank." „Alles könnt ihr haben,Liese, sprach der Kaufmann, nur mit denBatzen heraus!" „Geld habe ich nicht", antwortetedie zitternde Frau; „ihr müßt mir's auf Borggeben!" Der Kaufmann holte ein dickes Buck-aus dem Pulte, legte es der Alten vor undzeigte auf ein beschriebenes Blatt. „Hier, Liese,ist euer Conto, zahlt das und ihr könnt neuesauf Borg haben!"
Liese trocknete mit dem Zipfel der blauenSchürze die Thränen aus den Augen undjammerte: „Wovon soll ich jetzt zahlen? MeineHütte, mein Garten, meine Hausgeräthe gehöreneuch. Laßt euch erweichen, gebt den Thee, ichwill einen ganzen Tag dafür arbeiten!"
„Arbeiten ist kein Geld!" brummte derKaufmann.
„Unbarmherziger, wollt ihr meinen Mannsterben lassen?"
„Warum nicht? Kostet er euch todt doch amwenigsten." Liese bat nun nicht mehr, aberein gräßlicher Fluch schwebte von ihren Lippen.Sie wankte hinweg aus dem Hause des Er-barmungslosen, das Herz von brennendemSchmerz zerrissen.
Ani Abende war ihr Mann eine Leiche.
Mitternacht war vorüber, der Kaufmannaber saß noch über seinen Büchern und machteAuszüge, denn morgen sollte der Gerichtsdieneralle die Schuldigen vorladen; bis auf denletzten Blutstropfen wollte er sie auspressenund dann von Haus und Hof verjagen.
In dem Augenblicke, wo er die Federausspritzte, hörte er ein Rumoren im Laden.Diebe! war sein erster Gedanke; mit Hast rißer ein Pistol von der Wand, das allzeit geladenüber seinem Bette hing, und stürzte mit ge-spanntem Hahn hinein. Zu seiner größtenBefriedigung gewahrte er Niemanden; schonwollte er sich mit dem Gedanke, die Ratten undMäuse hätten den Lärm verursacht, wiederzurückzieheu, als das Gepolter von Neuembegann, diesmal aber so überwältigend, daßer unwillkührlich zitterte.
Das Geräusch schien aus Kisten und Kasten,aus Säcken und Schubladen herauszukommen.In der Zuckerkiste tönte es nicht anders, alsob Schlag auf Schlag ein Beil durch Holzgertenführe; im Salzkasten hackte es, wie eiuePril-haue, die in's Gestein fährt; in den Kaffeesäckenklang es, als ob Nüsse von Bäumen geschlagenwürden. Er hörte singen, fluchen, weinen,Mühlengeklapper, Getöse, wie von brausendenWellen, Geschrei wilder Thiere; es klang an
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