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ruft er: „da sind sie Wieder! Ja, das sind sie! !Die Blümchen und die Engelchen! Sie singenso schön und läuten so lieblich! Hörst Dusie, liebe Mama? O siehe, da kommen sieschon herunter zu mir, näher und näher..."Fritz streckte die Aermchen entgegen, wie einemKommenden, leise flüsternd: „Nun komm ichmit, hebt mich hinauf ... mit euch in denHimmel!" —
Das Köpfchen sank zurück, die kleinenArme fielen nieder, die Augen schlossen sich,die welken Maienglöckchen fielen aus seiner
Hand-ein tiefer Seufzer, und er
war hinüber. Und eben sank die Sonne un-ter; der letzte Strahl war erloschen.
So haben die weißen Maiglöckchen demholden Kinde zum Himmel und zum Grabegeläutet. —
Unrecht Gut gedeiht nicht.
Märchen von W. Herchenbach.
Wieses Sprüchwort führt Mancher imMunde, der selbst vom Unrechten Gute reichgeworden; aber Wenige haben die Wahrheitdesselben so gründlich erfahren, wie ein Krämerin den Rheinlanden, der vom Schweiße seinerBrüder ohne viel Arbeit und Mühe reichwerden wollte. Abends, wenn die Leute schliefen,schlich er auf leisen Katzenpfoten in seinWaarenlager und machte aus einem Pfundezwei. Unter den gestampften Zucker mischte erMehl, unter den Zimnit das Holz vongemahlenen Cigarrenkistchen. Die Kaffeebohnenversetzte er mit kleinen Kieseln, die schwer in'sGewicht fallen; doch sorgte er wohlweißlichdafür, daß sie sich durch die Farbe nicht allzuschnellverriethen- Lange hatte er gearbeitet, derSchweiß rann ihm in dicken Perlen von derStirne, aber er gönnte sich noch keine Rast.Das Mehl, sprach er zu sich selbst, ist einArtikel, den die Leute alle Tage brauchen, darankommt schon etwas Erkleckliches heraus, wennman e? hübsch sein mit Schwerspath verbessert;das wiegt schwer und fällt nicht in die Augen.Freilich "gehen die Kuchen nicht in die Hoheund wenn man noch so viel Hefe hineinthut.Sie schlagen nieder, werden fest, wie Schuhsohlenund liegen wie Blei im Magen, aber das istja ein wahres Glück für arme Leute: je schlechtersie verdauen, desto seltner brauchen sie eineMahlzeit. Pure Kieselsteine wären für sie ambesten, aber das ist leider keine Kaufmannswaare!Den Tabak unterschnitt er mit getrocknetenRunkelrübenblättern und machte feine, zierlichePaketchen daraus, auf denen allerlei fremdeNamen standen, so daß der Käufer Wunders
glaubte, welche feine Sorte sich in dem buntenPapiere befinde. Jedermann weiß es, spracher mit einem frommen Gesichte, daß der Tabakein langsam tödtendes Gift ist, und wer es denMenschen entzieht, und wäre es auch nur zumTheil, wird ihr Woblthäter. Wahrlich, wennirgendwo die Fälschung eine Tugend ist, so istsie es im Tabak. Fluch dem Manne, der ihnzuerst gebaut, Segen demjenigen, der seineSchädlichkeit vermindert!
Nachdem er also im Dienste der Tugendgewirkt, stieg er in seinen Weinkeller hinab,wo die Flaschen in hohen Haufen aufgestapeltlagen. Vorher schon war ihr Inhalt mitWasser verdünnt worden, denn er ging vondem Grundsätze aus, je stärker der Wein, destoeher berausche er; nur wäre es aber männiglichbekannt, daß der Trunk die Gebärerin allerSünden sei, daß er den Menschen an Leib undSeele verderbe und selbst den Wohlhabendenin Noth und Elend und an den Bettelstabbringe. Das Wasser dagegen sei ein Trankvoller Heilkraft, und, mit dem Weine vermischt,hebe es die schädlichen Wirkungen desselben auf.
Groß kam er sich in dem Gedanken vor,daß er der Menschheit mit jedem Maaß zuge-setzten Wassers ein Maaß Gift entziehe undso recht eigentlich zu ihrem Seelenretter undLeibes-Arzte werde. Gerührt über seine eigeneTugend, zog er einen Pack bedruckter Zettelaus der Tasche, auf denen sich die Namen deredelsten Weiusorten gar lieblich ausnahmen.Oh, ob, lispelte er, vorsichtig Umschau haltend,welch' eine herrliche Erfindung, die Buchdrucker-kunst! Diese Zettel veredeln das Getränk, das