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Zeit. Ein Sternenengcl sprach: „Laß unsDeine geringelten Löckchen; wir weben goldnesLicht daraus." Und die Seelen der Vergiß-meinnicht baten so innig: „L-chenk uns Deinelieblichen Augen, damit sie auch werden, waswir sind. Wenn Dein schwerer Leib m derj Erde ist. so sollen sie als unsere Schwestern
> emporschießen und mit uns stirbst Du nimmer;
! denn in jedem Frühlinge erstehst Du denn auf's
Neue" Und die Waldröslein ermahnten:„Süßes liebes Menschenkind! Wenn dochDeine rothen Wangen uns noch mehr gleichenmöchten: wie wollten wir so traut Dich um-^ stehen und Dich pflegen und mit Dir jedeNacht so herzig spielen!" Und die Maiglock-! chen riefen dasselbe und baten auch ,o liebevollund freundlich. Das Kind aber sagte: „Muß! denn mein Leib einmal vergehen? Wenn cs
' geschieht, dann will ich werden, was ihr seid;
dann nehmt mich auf unter euch, ihr liebenSterne und Röslein und Maienglockchen."Und freudig und selig küßten sie den Bruder
und kosten noch lange.-
Da erglommen die Wipfel der Bäume unddie Spitzen der Berge erglühten vom erstenleisen Strahle des neuen Morgenrothes. DieAccorde verklangen; Blumen und Sterne stan-den still; noch einmal küßten sie herzinnig dieschöne traute Gespielin, die KindeSscele.
„Wir fahren gen Himmel, wir fliegen nach Haus!
„Komme bald! ja, komme bald! 8„Wir holen Dich ab, wir heben Dich auf,
„Wir betten Dich süß und wonnig und weich —„Komm' hinauf! komm' hinauf!"
So klang ihr letztes Lied. Schon flattertensic empor; ein Hauch aus dem irdischen Thale,der den Morgenwind ankündigte, trug sie genHimmel. Die Seele sank wieder in ihrenKörper hinein — einen schmerzlichen wehe,süßen Laut des Abschiedes ließen die Maien-glöckchen hören — nun standen sie wiederganz still wie früher, stumm geneigt über dasschlummernde Kind. —
* *
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An einem kleinen Bette, im verhangenenKrankenzimmer, sitzt eine junge schöne Frau,bleich von zwei durchwachten und durchweintenNächten. Die Hellen Thränen strömen nochaus den tief gerötheten Augen. Sie blicktaus ihr Kind, das in unruhigem Schlafe imBettchen liegt. Seine Hände halten krampf-haft umschlossen drei welke Maienglöckchen.
! Seine Wangen sind unheimlich verklärt. Seine1 Aeuglein — nun schlägt er sie auf — sie
Märrl'ca and Lagen I.
leuchten so glanzvoll und blicken so irr undso wirr umher.
„Bleibet hier, bleibet hier, liebe Stern-„chcn! ... Ich komme ja bald, schneeweißes„Maiglöckchen! ... Wie schön läutest Du. . .„lauter und lauter .. . Kann ich bald Dir ähn-„lich werden, so ganz wie Du und wie das„Röschen und wie das Vergißmeinnicht? .. .„Ach nein, noch bin ich cs ja nicht.. . , Wir„holen Dich ab, wir heben Dich auf... wir„betten Dich wonnig und weich!. . . Ach wie„gerne käme ich mit euch! Es ist so gar„weh, hier unten zu sein."
Die Mutter lauschte den Phantasicen deslallenden Kindes, die sie nicht verstand. Einsüßes Lächeln, ein tief wehmüthigeö, überflogihr Antlitz, und längst vergessene Kinderträumewurden in ihr wach. Doch nur heißer undheftiger strömten ihre Thränen. Mit Inbrunstküßte sie den Knaben. Er erwachte und sahsich unruhig um. „Liebe Mama, hast Du diekleinen Engel mit den Blümchen und dengoldenen Sternen hinausgeschickt? Wo bliebensie? Hole sie wieder, bitte, bitte!" Und mitunnennbar holdem Blicke schlang er die kleinenArme um ihren Hals. Sie schluchzte tief auf.„Mein liebes süßes Kind , bleibe doch bei mir!Du bist ja mein Engel. Niemand war hier;Du hast wohl nur geträumt?" —„Geträumt?Ach nein, ich habe sie wirklich gesehen; sofreundlich hielten sie mich an der Hand. Ach!"Und mit schwerem Seufzer ließ der Kleine dieHändchen sinken und schloß die Augen wie-der zu.
Der Arzt trat ein und fühlte an denPuls. „Sehr bevenklich!" flüsterte er, „dasFieber ist sehr heftig geworden; machen Siesich auf Alles gefaßt." Und wie er den wunder-bar schönen Knaben fast verklärt vor sich liegensah, zuckte über die gefurchte Wange und diefeste Lippe ein Hauch innigen Mitleids. „Eswar freilich nicht anders zu erwarten. Eineganze Nacht im Freien, im feuchten Grase,bei so zarter Constitution ! Und erst am Mor-gen hat ihn ja wohl jener Jäger zur Stadtgebracht? . . . Sehr bedenklich!" Er ver-ordnet nichts mehr und entfernte sich; mansah es, er hatte alle Hoffnung aufgegeben.Doch den unsäglichen Schmerz des gefoltertenMutterherzens beschreibt Niemand.
Es ist Abend geworden. Auch der Vaterist im Zimmer. Die Strahlen der Sonne desletzten MaitageS vergolden den hohen Münster-thurm und dringen in die Krankenstube.
Das Kind schlägt die Augen auf, so groß,so verklärt. Fast röchelnd, mit Anstrengung