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[1] (1857)
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Und Fritz? Als dieser seinen großen Straußfertig gebunden hatte, wollte er heimkehren.Aber er kam an keine Landstraße, an keinenbekannten Ort. Fußpfade waren schon nichtmehr zu erkennen. Er ries nach Arthurn, aberauch vergeblich. Die Müdigkeit überkam ihn;er dackte, Arthur wird mich wohl finden. Undnachdem er sich ins Grüne mitten unter lieb-liche Maienglöckchen, die seine Hand verschonte,gesetzt hatte, weinte er etwas vor Bangigkeit;doch bald fielen ihm die müden Aeuglein zu;sein Haupt sank ins Gras. Um sein süßesLockenköpfchen hielten die umstehenden Maien-blümchen trauliche Wacht: ein tiefer Schlum-mer umfing das holde Kind. Die Sonnewar schon hinabgesunken; nur am fernenDrachenfels drüben, glomm noch lange derflammende Schein der Abendröthe.-

Und als die Lterne ihre Aeuglein,freundlich winkend, aus der blauen Himmelö-decke hervorzustrecken wagten, da ward es auchin den Blumen rege. Sie athmeten tiefer undfreier auf, und ihre zarten Seelchen, die denTag über tiefverborgen schlummern mußten,entstanden jetzt neu belebt, und rings umherbegann ein leises geheimnißvolles Flüsternund Kosen und Zittern. Hin und her wogtenund wiegten sich die jungen Zweige; auf undnieder neigten und hoben sich die Maiglöckchen;manches traf, vom tändelnden Abendwinde neckischgestoßen oder neugierig sich bückend, die blondenLocken des lieblichen Menschenköpfchens undfuhr ängstlich zurück ob seiner zu großen Kühn-heit. Das Kind schlug wohl auch die Augenauf; ein Heller Blick traf den Sternenhimmeloder ein großes überhangendeö Maienglöckchen;aber die lind betäubende Nackt umwölkte wiederfeine müden Sinne; vas Auge schloß sich;lange fast unhörbare Athemzüge verriethen denSchläfer. Und er träumte süß . . .

Mehr und mehr entfaltete die Nacht ihrweites tiefdunkles Gewand. Da wagten sichdie Sternlein freier hervor und erschlossen ihrGeheimnis. Denn sie sind ja nur die Augender kleinen und großen Engel, die der liebeGott allnächtlich hinausschickt, um die schlum-mernden Kinder der dunklen Erde sanft an-zulächeln und sorgsam zu behüten. Und wennkein nüchtern und kalt wachendes Menschen-auge sie beobachtet, dann lösen sie die fest-geschlossenen Gruppen und in muntern ReigenHüpfen und tanzen sie durcheinander und neigensich oft nieder zu unschuldigen Kindern undschauen sie so lange und mit so himmlischerFreundlichkeit an, daß ihre innern Augenmitten im tiefsten Schlummer sie erblicken.

Dann löst sich auch die kleine Menschenseeleund kommt zu ihnen, gehüllt in den leichtestenAether, und singt und küßt und kost und spielt;und die ganze überquellendc Wonne, die keinegroße Menschenbrust, die nur ein freies ächtesKindesgemüth hegen und fassen kann, strömtin sie hinein. Oft bleibt ihr eine leise Ahnungdieser überseligen Stunden im tiefsten Grunde! des Herzens zurück, und eine stille aber tief-I mächtige Sehnsucht ergreift die zarte kleineSeele und zieht sie unaufhörlich, fast wie mitGewalt, nach oben unter die Sterne.

Nun war cs Mitternacht. Kein Strahldes Äbendrvthes belauschte und störte dasnächtliche Walten, wann die Sternenengeleinsich mit den Blumen, die aus den Träumender Seligen entstanden und entstehen, indemsie liebend der Erde gedenken, freundlich paarenund heiter tummeln.

Aus der höchsten Sphäre über den Wolken,über den Sternen rang sich ein leiserZephyr los und erreichte die Erde Da be-wegten sich alle Blumen, und nun ertönte einhimmlisch-schönes Klingen und Läuten allerMaicnglöckchen in den Wäldern und auf allenWiesen. Dieß schien eine Art Signal zu sein.Denn die Englein kamen hernieder und flattertenfreudig auf Flur und Feld. Und drei derschönsten traten vor das schlafende Kind understaunten über die Lieblichkeit und Schönedes jungen Antlitzes. Aber kaum hatten siees gesehen, so erglühten sie auch in Liebe zuihm, so warm und so innig, und jauchzten sofroh und so heimlich aus. Und der größte vonihnen trat hinzu und rührte unmerklich dieAugenlider des Schläfers. Da erklangennoch einmal in Hellem wundersamen Accorddie Maienglöckchen rings um das schlafendeKind . . . Das ist jenes Klingen, das dieMenschen oftMusik aus höhcrn Sphären"nennen: nur wenige Glückliche haben estraumcstrunken gehört und ein süßes Ahnenblieb ihnen davon in tiefster Seele stehen, undnur im höchsten Aufschwung des ganzen Ge-müthes wird ihnen diese Ahnung deutlicherund hörbarer . . .

Und jenes Klingen löste die Seele desSchlummernden; in lichtem ätherischem Leib-gewande erhob sie sich. Die Sternencngelund die Blumenseelen umarmten sie; sie stimmtemit ein in dieEngclsweisen. Und nun begannein Heben und Schweben, ein Kosen undFlüstern, ein Anschauen und Lieben; unddie Glöckchen spielten immer muntrer und lauter,und immer köstlicher und himmlischer ward dieMusik. Traute Wechselgespräche kürzten die