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[1] (1857)
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kahle, nackte, schiefergraue oder rolhe Fels-wände. An der Ecke rechts der ragende Drachen-fels mit den stolzen hohen Trümmern, nochgehoben durch seine sehr verschiedene Genossin,die gipsellose breitlagcrnde Wolkenburg mitden prächtigen Laubparthieen voll heimlich dunk-ler Scharten. Und weiter, schon umsäumt vomleisen Duft der bläulichen Ferne, die rund-kuppige Löwenburg, gekrönt mit dem unver-aleichlichen Buchenhaine, der aus den stlUengrünen Thalgründen ringsumher majestätischemporsteigt. Und weiter hinten jchlängelt sichder mächtige Strom nach Süden zwischen denersten Bergen bin; Thurm und Bogen derRolandsspitze grüßen noch herüber, und inletzter Ferne ruht das Auge angenehm gefesseltauf dem zierlichen Bau der Appollinaris-kircbc, einer Kapelle in ächt gothischem Style,und unwillkührlich wird in sinnender Betrach-tung unsere Erinnerung rege und weidet sichan den wundervollen Gemälden des Innern,die sich wie ein ewig lebendiges Bild derPhantasie tief eingedrückt haben. Aber genWesten steigt aus der eben geöffneten Thal-ebene ein bewaldeter isolirter Bergkegel empormit hohem, rundem Thurmc; um ihn lagernfreundliche Dörfchen bis an den niedrigenVcrgzug, der den Horizont bildet und auf sei-ner letzten Erhebung, mit welcher er dem Augeentschwindet, eine kleine schlichte aber weit be-rühmte Kapelle trägt. Und mitten durch diewundervolle Landschaft rollt der mächtige Stromdnc grünen Wogen vorüber von Süden nachNorden; der Blick folgt dem glänzenden Wasser-spiegel, den hie und da ein leichter Nachendurchschneidet, folgt ihm bis zu dem hehrenDome der rheinischen Metropole, der in äußer-ster Ferne seine großartigen Stemmassen, imNebel fast verschwommen, über den scharfenRand des Horizontes emporhebt. Und überalle diese Herrlichkeit gießt die liebe Maisonneihr freundliches Licht aus, und zu den Füßenund rings umher singen die Vöglein tausend-stimmig ihre Lieder, aus froher kindlicher Brustgleich selig träumenden Kindern, und Gebüscheund Laub geben sie wieder, und das Augeruht wonnig und still verklärt aus auf demzarten, jugendlich frischen Hellen Grün der altenund jungen Bäume.

Schon oft hatten die Kinder in früherenJahren die schöne Landschaft gesehen, wenn siemit ihren Eltern einen kleinen Ausflug mach-ten. Aber nun allein für sich sie zu schauen das war ihnen ein überseliges Gefühl.In ihre Brust zog leise und heimlich jeneszarte Wehen des Frühlings und der Natur-

einsamkeit und mischte sich mit der Empfin-dung des Erhabenen und Unendlichen, der ausder weiten gesegneten Flur des wundervollenThales zu ihnen gleichsam emporquoll. Aberein schnelles Anschauen, ein frischer erster Ein-druck genügte ihnen und dann trieb sie dasjunge rührige Blut weiter und weiter. DenAbhang hinunter und wieder hinauf ging es,ohne Weg ohne Steg. Doch mochten sie nichtleer heimkehren, obgleich über dem munternSingen und Springen, Laufen und Jauchzendie Sonne tiefer und tiefer sank und der Bäumemächtige Schatten immer länger wurden.Noch einen Gang oben auf der Platte desBerges, die sich weit hinzieht, noch einen Gangwollten sie wagen in's trauliche Waldesdunkel!Weiter und weiter eilten sie; und zu ihrenFüßen schienen die lieblichsten Blumen derWiese frisch und neu hervorzusprießen. Anden heimlichsten Stellen o wie reich standhier die Fülle der zarten Maienblümchen undMaricnglöckchen! Schon manche fanden sichin den Sträußen, die sie sich gepflückt; aberimmer mehre mußten sie sammeln. Der eineging dahin, der andere dorthin. Arthur boglinks in den Wald; Fritz eilte nach der rechtenSeite. Oft wollten sie umkehren; aber stetswurden neue Blümchen entdeckt, frischer undzarter und voller als die andern.

Endlich dachte der besonnene weise Gefährtean die Heimkehr.Fritz, komm! Es ist jetztdie höchste Zeit umzukehren!" Keine Ant-wort. Er eilte nach der Gegend hin, wo erFritzen zum letzten Male gesprochen: er warnicht da. Arthur rief lauter und lauter, riefkläglich und beweglich aber nur den Namendes vermißten Freundes gab das spottendeEcho zurück. Er lies weiter und weiter.Fritz!lieber Fritz, komm', höre doch!" Aber immernur dasselbe nachtönende Echo nicht eineAntwort. Die Hellen Thräncn strömten diedunkel gcrötheten Wangen hinunter, je mehralle Hoffnung schwand. Endlich mußte erseine erfolglosen Versuche aufgeben. Erdachte:vielleicht ist er schon vor mir ins Dorf ge-gangen und erwartet mich da." In eiliger Hastwar er bald am Fuße des Berges; aber soemsig er hier auch hier im Dorfe nach ihmfragte und so genau er ihn beschrieb: Niemandwußte Etwas von dem lieben Freunde. Damußte er denn heimgchen, bitterlich weinend;und es durchzog das treue gute Kindesgemüthzum erstenmale die volle tiefe Herbigkeit desschmerzlichen Bewußtseins, den treuesten lieb-sten Freund verloren zu haben ein Vor-gefühl künftiger ähnlicher und größerer Leiden!