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Das Maienlimlen.
Eine Frühlingsskizze vom Rhein.
Für große Rinder entworfen von Max Alfred.
Unter allen Arten liebenswürdiger Men-schen gefällt mir doch kaum eine besser, als die derkleinen blondlockigen Jungen, nut den sch auenlieben Augen, das Köpfchen meist voll kleinergutmüthiger Streiche, und doch oft so ernst undbedächtig, wie ein neuer Staatsminister oderein alter Oberlehrer. Grade so einer war derkleine Fritz. Schon lange trug er Höschenund seit einem Jahre genoß er bereits der stillenSeligkeit, seine neuen Stiefelchen tüchtig knar-ren zu lassen, wenn er mit Papa durch dieGassen der kleinen Stadt einherstolzirte. Erhatte also bereits sechs bis sieben Frühlingehinter sich; und nun erst begann er sich rechtgründlich in der Welt umzusehen, und mitWihbegierde und Verständigkeit versenkte ersich in Alles, was ihm bedeutend erschien, er-faßte Alles mit lebhaftem Gefühl.
Daß unser kleiner Held seine „Braut"und seinen „Freund" besaß, verstellt sich fürjeden Eingeweihten von selbst. Die Braut,mit dunkelbraunem Haar, mit fast glühendenAcuglein, ganz Quecksilber, machte ihm vielzu schaffen: er war im Ganzen doch etwasruhiger als sie, wenigstens in ihrer Gegen-wart, und wollte ihr oft gar nicht dienöthigeZärtlichkeit und Galanterie beweisen. Denn daswar das Traurige : so guten Unterricht erauch täglich von seiner Braut darin empfing,er schlug Alles in den Wind. Viel erbauli-cher schien es ihm, sich ein Bischen mit ihrherumzuprügeln—eine Unterhaltung, für welcheübrigens auch sie trotz jeweiliger Grandezzain günstigen Augenblicken sehr aufgelegt seinkonnte. Das war auch oft genug geschehen,im Garten wie aus der Straße; denn warumder letztere Ort ihren besseren Gefühlen Zwangauferlegen sollte, war in der Thal nicht ab-zuschcn. Dann folgten meist große Versöh-nungsscenen und diese schürten das stille Liebes-fcuer der jungen Herzen mächtig an. Vollendswenn sie Beide Märtyrer ihrer zu nahenBeziehungen wurden und wohl einmalzur Anerkennung ihrer kriegerischen Ausglei-chungsversuche einige Tage am Trompeter-tischchen essen mußten. Ihre Hochzeit hatten
sie schon zu wiederholten Malen gefeiert. DaEmmy sehr kräftig war, so wußte sie ihren„Geliebten" in allen Kindergesellfchasten sieg-reich für sich allein in Anspruch zu nehmen.Denn da Fritz alle andern Jungen seines Al-ters an Lieblichkeit und Frische bedeutend über-traf und eigentlich nie „frech" war, so hattesie in ihren Freundinnen nicht ungefährlicheNebenbuhlerinnen. Und konnten sie ihm auchkeine Zärtlichkeiten abnöthigen, so gaben sie sichmit einigen gutgemeinten Püffchen von seinerHand als vorläufiger Abschlagszahlung — wiees so der Weltlauf mit sich bringt — auchganz zufrieden, wenn nicht etwa das eifersüch-tige Bräutchen beides —für sich in Anspruchnahm.
Aber die Zeiten des ersten Lebens kamenheran: da wollen festere Banden geschlossensein. Auch Fritz besaß in Arthur, dem Sohnedes Nachbars, einen sehr treuen Freund. Mitdiesem hatte er lateinische Privatstunden, unddie Wissenschaft knüpfte bald auch die Herzenihrer winzigen Jünger aufs engste zusammen.Von Arthur ist nicht viel zu sagen, als daßer fast schwärmerisch an Fritz hing, etwas äl-ter und kräftiger war, aber an Lebhaftigkeitund biegsamer Weichheit des Geistes ihm nach-stand. In allen stürmischen Affairen nahmer ihn stets in Schutz. Auch war er sehr be-dächtig, und erhielt dadurch schon früh vonseinem Vater den Titel eines Obersicherheits-Commissarius.
Bei dieser sehr löblichen Eigenschaft Ar-thurs konnten die Eltern es auch ruhig geschehenlassen, daß die beiden dann und wann kleineSpaziergänge unternahmen, freilich mit vorge-schriebener Route. Ein solcher Ausflug ohneVater und Mutter ist sür den Knaben einGang ins Paradies. Denn er nippt mitflüchtiger Lippe von dem köstlichen Nektar derächten männlichen Selbstständigkeit, die fürjeden strebenden Geist schon von frühester Ju-gend an etwas unbeschreiblich Süßes hat.—
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So waren denn auch an einem SamstagNachmittag glücklich die Arbeiten zu Montag