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Aber auch diesmal harrte sie vergebens,keine Annvort erfolgte.
Und wieder wankte sie hinaus, aber derTodte sprach: „Bitte zum dritten und zumletzten Male!"
Kaum mehr ihrer Glieder mächtig, schlepptesich Anna zum dritten Male hinter den Altar,sank abermals auf die Kniee und rief: „Ichbitte Euch um die Barmherzigkeit Gottes willen,um die Verwesung Eures Sohnes!"
„Kr möge verwesen!" scholl es diesmal,dumpf, wie ein fernes Echo, aus der Tiefeheraus, und als Anna mit vieler Anstrengungwieder den Sarg erreichte, lag der Unverwes-licke mit geschlossenen Augen und gänzlich ver-änderten friedlichen Mienen in demselben aus-gestreckt.
Anna aber floh nun, so rasch es ihreErschöpfung zuließ, aus der Kirche und erzählte
den Gästen, welche sich noch hier befanden,diesen Vorfall.
Von Grauen erfaßt, verließen diese balddarauf die feine Mark, als aber der Küsteram nächsten Morgen den Sarg in der Kapelleeröffnete, fand er, daß der Unverwesliche Staubgeworden."
So lautete die Erzählung des Todten-gräbcrs, worüber seine beiden Zuhörer sichtbarblässer und um Vieles ernsthafter gewordenwaren, ja, als sie sodann die Weinstube ver-ließen, und in ihre Mäntel gewickelt, an demnächtigen Dome vorübergingen, konnte sich keinervon ibnen, bei dem Gedanken an den Unver-weslichen, eines flüchtigen Schauers erwehren.
Die Geschichte von dem unverweslichenSohne aber wird noch jetzt, mit wenigen undgeringfügigen Abweichungen, in Lübeck erzählt.
S i m s o n.
von L. Würpel.
Hm Kerker der Philister lag^
Israels Richter in Schimpf und «Schmach.Sein Auge starrte todt und leer;
Nicht sab er das wogende Lichtermeer;
Doch gellend zu ihm herüber drangDes Feindes Triumph und Jubelsang.
Und erfährt empor, wenn's droben schallt,Ingrimmig hält er die Faust geballt:
Er schwingt die Kette, sie klirrt gar wild,Der alte Muth ihn wieder erfüllt,
Und er brütet Rache und blutigen Plan —Da hallt es draußen und Schritte nah'n.
Und es tritt heran an die KerkerwandEin Bote, von den Philistern gesandt:
Es soll der Held durch Sang und TanzErhöhen des Festes Jubelglanz.
Da lacht er grimmig, es zuckt sein Mund,Der Bote schier erschrocken stund.
! Und hinauf in den Tempel mit hallen-i dem Tritt
i Simson, der blinde Richter, schritt.
« Und er tappt und schreitet weiter vor,i Bis wo die Säulen ragen empor,
> Darauf des Götzentempels Dach, Mit Sims und schimmernden Kuppeln lag.
Dort tanzt der Held und singt dabei,'Gar lustig erklingt die Melodei;
Es klirren die Becher, schäumend voll,
Des Volkes Jubel lärmend schwoll,
Und es lärmt und lacht in grauseni Spott,Und es lästert vermessen Israels Gott.
Doch plötzlich stockt das wilde Schrein,Und Todtenstillc bricht herein.
Das Volk all wie erstorben saßUnd starrte und starrte leichenblaß;
In Mitten des Tempels aber erklangGar wild und brausend Simsonö Gesang.
Er hält umschlungen das Säulenpaar,Und schüttelt lachend sein Lockenhaar,
Und er neigt sich mit Macht — und krach, und
krach!
Da reißen die Bänder, da stürzt das Dach,Und stürzt, als sei es Jehovahs Fluch,
Im Fall cs alle Philister erschlug.