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[1] (1857)
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Hier ist mein Drittelstück," sagte der Todten-gräber und warf die Münze auf den Tisch.

Und da das meine," sagte der Küster undwarf die Münze auf den Tisch.

Und hier das Dritte," ergänzte ein An-derer.

Sinn geh' und hole den Unverweslichen!"

Alsogleich." sagte Anna lachend, nahmdie Kirchenschlüssel, welche der Küster neben sichliegen hatte, und sprang aus der L-tube.

Ein allgemeines Gelächter folgte dem Mäd-chen, da jeder wohl wußte, daß sie nur einen Scherzmache. Während diesem war der L-chenkwirthzu den fröhlichen Cumpanen getreten, und hatteihre Krüge wieder vollgefüllt, und die Lustbarkeitder Gesellschaft schien ihren Gipfel erreicht zuhaben.

Da prallte plötzlich die Thüre auf, undAnna stand, den Unverweslichen im Arme, unterder Schwelle.Hier habt Ihr ihn!" sagte sie,und stellte die Leiche vor die Zecher hin, wel-chen die Lustbarkeit mit einemmale entschwun-den war.

Wirklich nahm sich auch der Unverweslichemit seinen starren struppichten Haaren, den er-loschenen Augen und dem fahlen pergamentenenAntlitze doppelt gräulich und gespenstisch unterden weinrothen Gesichtern aus, welche jetzt miterschrockenen, weitaufgerisseneu Augen und auf-gesperrten Mäulern auf ihn hinstarrten.

Anna strich sogleich die gewonnenenDrittelstücke in die Schürze und sprach:DieWette ist gewonnen, zurückbringen könnt Ihrnun euer» Gast selbst!" Mit diesen Wortenwollte sie aus der Stube.

Mit Blitzesschnelle aber erfaßte sie derKüster am Rock und rief:Halt, das liegtaußer dem Spiel, Du mußt ihn auch wiederdinübertragen."

Mit Nichten," antwortete Anna,ich wet-tete nur, daß ich ihn bringen würde, und ihrhabt selbst Muth genug, das andere zu voll-bringen."

Mach' keine Albernheit," erwiderte derKüster, den die Angst merklich blässer gemachthatte.Wenn die Sache verrathen wird, sokomme ich um den Dienst. Hier hast Du nochein Thalerstück, nun aber trage das Scheusalwieder zurück in seinen Sarg."

Und hier ist noch eines von mir," sagteder Todtengräber,aber mache, daß wir derGesellschaft bald los werden."

Das ist etwas anderes," erwiderte Anna,ergriff den Todten und eilte mit ihm aus derStube.

Die Laterne, welche sie vor der Thüre auf

der Hausflur stehen gelassen, in der rechtenHand, den schauerlichen Unverweslichen im linkenArme, eilte sie rasch durch die Finsternis; derNacht zur Cathariuenkirche hinüber-

Sie hatte die Kirchenthüre offen gelassenund trat nun eiligst mit ihrer Last in das Schiffdes öden Gotteshauses.

Die Stille, welche darinnen herrschte, dieFinsterniß, welche in demselben verbreitet warund durch de» unsicheren Schimmer der Laternenur noch gesteigert und schauerlicher wurde,schien ihr diesmal um vieles grauenhafter, alsbei ihrem ersten Gange. Ohne sich jedoch auf-zuhalten, eilte sie an den laugen Reihen derBetstühle vorüber in die Seitenkapelle, nm ihrerLast wieder ledig zu werden.

Jetzt hatte sie den Sarg des Unverwes-baren erreicht, und wollte den Todten in selbenhinein legen, da fühlte sie, daß sich dieser festan sie geklammert hatte, und ein gräßlicherAngstschrei, welcher hundertfach aus den Hallen,Gängen und Gewölben der Kirche widerhallte,entrang sich ihrer Kehle.

Gnade! Gnade!" kreischte die auf denTod erschrockene Dirne.

Nur unter einer Bedingung," erscholleine dumpfe L-tiinme, welche aus dem Mundedes gräßlichen Unverweslichen, der sie nochimmer umklammert hielt, zu kommen schien.

Alles, Alles, nur laßt mich!"

Bist Du noch reines Herzens?" fragtedie Stimme wieder.

Ich bin's," stöhnte Anna.

Wohlan, so gehe hinter den Altar derKirche," fuhr sie fort,und bitte meine Elternmit lauter Stimme um meine Verwesung."

Anna raffte hierauf alle ihre Kräfte zusam-men, ergriff mit bebender Hand ihre Laterneund ging, von Fieberfrost geschüttelt, hinter denAltar.

Dort sank sie an den Leichensteinen, welchein die Wand eingemauert waren, auf die Knieeund sprach mit lauter Stimme:Ich bitte Euchum die Verwesung Eures Sohnes."

Grabesstille herrschte rings herum, aberkeine Antwort erfolgte.

Bon Todesängsten durchschauert, tapptesich Anna nach einer Weile zur Kapelle zurück.Sie geben keine Antwort," stammelte sie.

Bitte noch einmal," erwiderte der Un-verwesliche.

Und Anna schwankte nochmals hinter denAltar, fiel auf die Kniee und sprach:Ichbitte Euch, um des Heiles meiner Seele willen,um die Verwesung Eures Sohnes."

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