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wie mich's die neue Mutter lehrt, damit esihnen wohlergehe!"
Der Michel sank hin auf das Grab sei-ner Frau, und dicke Thränen fielen auf dasGrab.
„So, hast Du eine neue Mutter?" frugendlich Michel.
„Ja!" sagte die Kleine, „auch eine herziggute Mutter, die mich täglich daher schickt mitfrischen Blumen, und jeden Abend mit mirbetet für die Eltern."
„So willst Du mich hinführen zu ihr?"frug der Michel.
Da lief das kleine Mädchen voran undMichel folgte ihr mit beklemmtem Herzen, biszu der Schäferwiefe.
„Hier wohnt meine neue Mutter!" sagtedie Kleine und lief voraus ins Haus!
Da sank der Michel in sich zusammen auf dieBank und schluchzte so laut und heftig, daß dieMarie darüber aus dem Hause kam. Als sieden Michel sah, so gebrochen und zerknickt,da ward es auch ihr gar wchmüthig umsHerze und die Beiden standen sich lange Zeitgegenüber, ohne nur ein Sterbenswörtlein Her-vorbringen zu können.
„Marie!" sagte endlich der Michel, „kannstDu mir je das Unglück vergeben, welchesdurch meine Schuld über Dich kommen ist?"
„Unglück?" schluchzte die Marie, „ich binüberglücklich , denn so ich Dich nicht besitzensollt, hat mir doch der liebe Gott Dein Kindgeschenkt und ich bitt Dich es nicht wegzuneh-men von meinem Herzen."
Der Michel aber erfaßte nun die Händeder Marie und sagte:
„Ich kann und will es nicht wcgnehmenvon Dir, Venn mit mir ist es aus und gerade-wegs muß ich hinein in mein Verderben. Ichbitt Dich Marie, verlaß mein Kind nicht! Gottim Himmel wird Dir's dereinst lohnen, dennich kann es nicht!"
Und nun erzählte er der Marie sein gan-zes Leben, und wie er sie verlassen habe, umin eitel Faulheit sein Leben Hinzuschleppen, undwie nun sein letztes Goldstück weg sey und erhinaus müsse in den Wald zu dem Buckligen,
um in seinem Dienste den Rest seines Lebenszu beschließen
Die Marie aber sagte:
„Also solls nicht sein, denn noch ist dasletzte Goldstück nicht weg, und es soll niemalsweggeben werden!"
Dabei nahm die Marie ihre einzige Habe,ein goldenes Kettchen vom Halse, daran hingein goldenes Kreuzlein, und das Goldstück, sosic früher mitgenommen, und gab es demMichel!
„Geh hinein, und trag's ins Kirchlein!"sagte sie, „da ruhts wohlverwahrt gegen Je-den und Jedweden und auch gegen den Buck-ligen. "
Der Michel Preßte sein Kind und die Marieans Herz und sagte:
„So vieler Lieb bin ich nicht Werth!Marie, ich übergeb Dir mein Töchterlein, daßDu ihm auch ferner eine Mutter seist. Michseht Ihr vor Jahr und Tag nicht wieder!"
Und ob die Marie sich auch auf's Bittenlegte, an dem Michel war kein Halten! Dermachte sich zur selben Stunde fort in die Stadtund dort arbeitete er wieder als ein fleißigerGeselle Tag und Nacht.
Und als er wie ehemals wieder ein klei-nes Sümmchen beisammen hatte, um sich eineneigenen Hausstand begründen zu können,da zog er wieder den feinen Rock an und ginghinaus zur Schäferwiese und sagte:
„Marie! Ich Hab' ein sonderlich Anlie-l gen an Dich und wenn Du mir's gewährest,so sollst Du mich recht glücklich machen undi ich werd's Dir Dank wissen mein Lebenlang.
! Ich Hab' eine gute Kundschaft und mir durch! Fleiß und Rechtlichkeit ein hübsches StückGeld zusammengebracht, daß ich mir ein eigenHeerd gründen kann, und so fehlt mir nichtsals eine herzig gute Hausfrau, und die wolltich mir hier holen!"
Und von diesem Tage an lebten alle dreivergnügt und glücklich wieder in der ärmlichenKammer, und auf der ganzen weiten Weltgab es kein glücklicheres Stückchen Erde als desSchusters Wohnung.
Märchen und Saqrn I.