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[1] (1857)
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ihm dennoch nicht gelingen, und immer mäch-tiger zog es ihn hin zu der Marie, die drau-ßen auf der Wiese die Kühe hütete wieweiland ihr Vater. Vergebens bot der MichelAlles auf, ihr Bilv zu verscheuchen, und ob erauch fast den ganzen Tag nicht aus demWirthshaus kam, so wüthete doch in seinemInnern ein böser Kummer, so daß er mit je- zdem Tage mißmuthigcr ward und zuletzt esgar nicht mehr wagte, das Kind, welches ihm Gottgeschenkt, in seine väterliche Arme zu schließen.

Auch hatte er seit zwei Jahren ein sofaules und übermüthiges Leben geführt, daßSpeis und Trank, und" war es das Beste, ihmnimmer mundete; auf Steg und Weg ver-folgte ihn das Bild der bleichen Marie, wo-hin er nur immer ging. Und wie er cs amEnde gar nicht mehr auShielt, da ging er einesAbends hinaus zur Schäfcrwicse und als erdie Marie va sitzen sah von der Abendsonnegar wunderschön beleuchtet, da stürzte er vorsie hin und bedeckte ihre Hand mit vielenKüssen und Thränen.

Die Marie aber stand auf, sprach keinSterbenswörtlein, ging hinein in das Haus,verschloß die Thüre, und ließ den Micheldraußen allein im schwersten Jammer.

Der stand gar lange Zeit draußen vorder Thüre, und wie er über sein arges Leben !nachdachte, ward es ihm immer schwerer ums !Herze, und zuletzt ging er hin ins Wirths- !Haus und zechte die ganze Nacht durch bis ,zum frühe» Morgen, und als er endlich bei Iden ersten Strahlen der ausgehenden Sonne !hcimkam, und ihm sein Töchterchen mit denklaren blauen Augen entgegenlachte, ein ge- Itreues Bild der Marie, da hielt er sich nicht 'länger, ihni ward's zu eng in seinem schönen !Hause und noch desselben Tages packte er fastall sein Gold zusammen und ging auf unddavon in die weite Welt.

Da irrte er nun herum in aller HerrenLänder, aber auf Schritt und Tritt verfolgteihn das Angedenken der Marie. Ein Gold- -stück ging hin nach dem Andern und mit je- !dem Stücke, welches aus seiner Tasche ver,schwand, lief er auch weiter fort von Hause,um aus dem Bereiche des Buckligen zu kom-me» für den Fall, das er sein letztes Geldsollte weggeben müssen. So lies er in der jWelt herum wohl an ein Jahr, doch zuletzt !hielt ers draußen nicht mehr aus, die Sehn-sucht nach seinem Töchterlein trieb ihn inseine Heimath zurück. Auch war er durch in-neren Gram und Kummer gebrochen an !Körper und Seele, und mit dem letzten Gold- >

stücke machte er sich auf den Heimweg, Weibund Kind noch einmal zu sehen, und danndes Buckligen Diener zu werden wie er sichverschrieben.

Gar weit war er unterdessen von Hauseweggelaufen, so daß er den ganzen Winterbis zum Frühjahr gehen mußte, ehe er in seineHeimath gelangte.

Es war der erste schöne Frühlingstag, alser von weitem den Kirchthurm seiner Heimathzu Gesichte bekam, doch wagte er es nicht beiHellem Tage also zurückzukommen in seineHeimath, und so trieb er sich im Felde herumden ganzen Tag bis gegen Abend. Und wiebeim Anblick seiner Heimath all die schönenJugendtage ins Gedächtniß zurücke kamen, dagedachte er auch wehmüthig der Eltern, dielange heimgegangen waren zu Gott, und ginghinein in den Friedhof.

Aus den Gräbern seiner Eltern warenfrische Kreuzlein gepflanzt und Blumen blüh-ten rings umher! Da sann der Michel langenach, wer sich wohl so liebevoll dieser Gräberangenommen, doch konnte er's nicht errathen;doch in Fülle der Dankbarkeit für den unbe-kannten Wohlthäter quollen ihm die Thränenin dichten Strömen über die Wangen.

Uud wie er so sinnend, da stand gewahrteer an einem andern Grabe ein kleines Kind,welches Blumen streute auf einen frisch auf-geworfenen Hügel. Der Michel ging tief ge-rührt auf das Kindlein zu, welches ihm denRücken drehte.

Was machest Du da, mein Töchterlein?"frug der Michel!

Da wandte das Kind sein Köpfchen um,und der Michel fuhr mit einem Schrei zurück,denn er erkannte darin sein eigenes Töchter-chen, das ihn mit den Hellen blauen Augenanschaute. Als der Michel solcher Gestalt zu-rücksuhr, du frug ihn das Kind:

Fürchtest Du Dich, fremder Mann?"

Dem Michel wollte schier die Brust zer-springen, so tobte und wogte es darinnen.Zuletzt sprang ec auf sein Kind zu, herzte undküßte es, und setzte es auf seinen Schooß.

Mit den zitternden Fingern fuhr er ihmdurch die blonden Locken, und frug:

Für wen streuest Du hier die Blumen?"

Für meine liebe Mutter im Himmel!"sagte die Kleine.Vorige Woche sind dieEnglein kommen und haben sie weggeholt vonder Erde. Auch der Vater ist fort in dieWelt, und vielleicht auch schon droben bei demlieben Gott! Auch bitt ich alle Tage für sie,