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[1] (1857)
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Mit Leib und Seel?" sagte der Bucklige,wenn ich Dir nur trauen könnt'."

Das könnt Ihr ja!" rief der Michel zumAeußersten getrieben, indem er des BuckligenHand ergriff.

D e r schaute dem Michel unverwandt insAntlitz und sagte:Fürwahr, wenn Du's red-lich mit mir meinst, so gieb mirs zu Papier,daß Du mein Freund bist auf Tod und Leben, ,in Allem und Jedem, und komm heim mit mir !in mein Haus, und bleib die Nacht bei mir, !unter meinem Dache, damit ich sehe daß Du'sgut mit mir meinest."

Hinaus zu Euch in den Wald?" rief der ^Michel,nein fürwahr, das thue ich nimmer!Wenn man's erführe, man würd' mich gottlo-ser Absichten zeihen!"

Du willst mein Freund sein ?" lachte derBucklige,und schämst Dich Meiner, und ^fürchtest Dich daß man Dich bei mir sehe? -He? Und wenn morgen der Schäfer Hein- lrich dem ganzen Orte das Stücklein erzählt, !wie Du zu ihm kommen und er Dich abge-wiesen hat, dann werden sie Dich wohl nicht !verspotten, he? Gehab Dich wohl! Zwischen !uns ist's aus! Auch wird's spät und ich muß !heim." Dabei stand der Bucklige auf und ;ging zur Thüre hinaus! i

Den Michel hielt es nicht länger! Aucher nahm sein Mützlein und ging hinaus hin-ter dem Buckligen her, der das Liedlein vondem verschmähten Burschen zwischen den Zäh- !nen brummte; wie sie an des Schäfers Hüttevorbeikamen, drang oben aus der Marie Kam-mer noch der Schein einer Lampe hinaus indie dunkle Nacht ! Da blieb der Bucklige stehnund auch der Michel! Beide schauten hinaufnach der Kammer, der Martin in sich hinein-lachend, der Michel das Herz voll Jammerund Kummer. Der Bucklige jprach kein Wortsummte aber immer das Liedlein vor sich hinund ging dann weiter dem Walde zu. Mi-chel folgte ihm aus dem Fuße.

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Am andern Morgen schaute die SchäfersMarie hinaus, ob nicht der Michel käme, ihrden freundlichen Morgengruß zu bringen! DieMarie aber wartete vergebens von einer Stundezur Andern, und weinte die schönen Augengar roth!

Der Michel lag in einer schönen Stubein des Buckligen Wohnung, wo es von Goldund Edelsteinen strotzte, und wie er sich beimErwachen die Augen rieb, stand der Buckligevor ihm in feuerrothem Kleide! Diener brach-ten an Speis und Trank was das Herz be-

gehrte und das gefiel dem Burschen gar sehr,der solches im Leben nicht gewohnt war undsich herzlich gut that. Sprach er dem Buckli-gen von der Marie, dann ließ dieser flugsTrank herbei bringen, und so schleppte er denMichel hin bis zum Abend, und bis zum an-dern Morgen und so von einem Tag zum An-dern zwei ganze Wochen hin. während welcherSchäfers Marie wergebens hinausschauke nachdem verlorenen Michel, der bei dem Buckligenein gar herrliches Leben führte, mehrere Wo-chen lang und von Tag zu Tag mehr ver-sank in ein faules unnützes Leben. Als eraber eines Abends dem Buckligen erklärte, daßer ihm nun der Abrede gemäß das Mittelverrathen möge, wie er ihm zu der Marie ver-helfen wolle, da vertröstete ihn dieser bis zumandern Morgen.

In dieser Nacht hatte der Michel einengar sonderbaren Traum! Es träumte ihm,daß er in einem schönen Schlosse wohne, unddie Marie ging einher in herrlichen Kleidern,noch schöner als zuvor. Viele Diener brach-ten das Beste aus Küch und Keller und alleLeute aus dem Orte gingen draußen vorbeiund zogen in Demuth ihr Mützlein. Garmanche von ihnen traten herein und wunder-ten sich über den ungeheuren Reichthum, dennder Michel war der Erste und Höchste im Orte.

Doch als er gegen Morgen erwachte undsich die Augen rieb, da fuhr der Michel ent-setzt auf, denn alle Herrlichkeit war verschwun-den und er saß in seiner ärmlichen Kammer.Vor dem Bette stand sein Schustertiich mitdem alten zerbrochenen Schemel, und draußenertönte das Horn des alten Schäferheinrich.

Da ward es dem Michel gar arg zuMuthe und er wußte nicht wie ihm geschehen,und als er ans Fenster trat, trieb eben derSchäfer die Heerde vorbei, und dem armenMichel ward es noch schlimmer ums Herze.Ihm ward's zu enge in seiner alten Kammer,das Wasser und das schwarze Brod wollte ihmnicht mehr munden : auch mit der Arbeitwollte es nicht von der Stelle und er fluchteauf den Buckligen, der ihn hintergangen. Dasaß der Michel lange Zeit in sich selbst ver-sunken, nachdenkend über das angenehme Le-ben, so er beim Buckligen in den letzten zweiWochen gefeiert und an den Unterschied jenerprächtigen Sääle und seiner jetzigen elendenWohnung, an jenes gute Essen und Trin-ken, und das trockene Schwarzbrod, und erwünschte sich aufrichtig zurück in jenes Faullenzer-lcben, an welches er sich nun so sehr ge-wöhnt. Und wie er eben jämmerlich sein leder-

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