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nes Geldbeutlein beschaute, darinnen auchnicht ein Heller mehr zu finden, da trat derBucklige in die Wohnung und trug am Gurteine seidene durchwirkte Börse, durch welchedie schönsten blanken Goldstücke durchfunkelten.
,,Guten Morgen Freundchen!" sagte derBucklige. —
Da sprang der Michel aus und rief:
„Nennet mich nicht also, denn Ihr seidein eitler Betrüger, und habt mir nicht Wortgehalten!"
Der Bucklige aber lachte:
„Nicht Wort gehalten? Ich Hab Dir nurversprochen, Dir mir Rath und Thal an dieHand zu gehen, und das will ich noch, dochso Du nicht aus mich hören willst, muß ichDich Deinem Sinnen überlassen! Was sitzestDu noch immer da und quälest Dich um dieMarie? So lange Du der arme Schusterbist, ist doch nicht dran zu denken, daß Du sicheimsührest in diese elendige Kammer! Dochmüßt ich ein Mittel, wie Du schönere Zimmerund Kleider in Hülle und Fülle bekommenkönntest, und als Freund will ich Dir es sa-gen. Und wenn Du all das Geld hast, sowirst nicht nöthig haben die arme SchäfersMarie zu nehmen, sondern die reichsten undschmucksten Dirnen werden sich um Dich reißen!"
„Ich mag keine Andere als die Marie!"rief der Michel!
„So kann ich Dir nicht helfen!" sagte derBucklige. Vergnügten Nachmittag zum trock-nen Brod! Doch thut'ö mir leid um Dichüber das Gerede, was man im Orte macht. ^Dort sagt man, der Schäfer Heinrich habeDir's Töchterlein abgeschlagen, und drum seistDu aus und davon gegangen in die Welt,um ein reicher Mann zu werden, und kommstDu nun heim noch ärmer denn zuvor, so istdes Gespötte kein Ende! Willst Du aber seinfolgsam sein, so kannst ihnen Allen trotzen.Du bekömmst zuvörderst vieles Gold, unddann die schmuckste Dirne; der Schäfer wirdsich ärgern und verlacht werden, daß er Dir'sTöchterlein abgeschlagen, und. . .
— „Aber die Marie?" rief Michel!
„Die Marie?" lachte der Bucklige, „hatein paar Tage geweint und dann ist's gutworden. Wird sich schon geben!"
Der Michel lies in der Stube auf undab, während der Bucklige die blanken Gold-stücke Eines nach dem Anvern auf den Tischzählte und sagte:
Da ist doch wahrlich Geld's genug um derErste im Orte zu werden; und ein Thor,
der's ausschlägt, und sein Leben verbringtin Kummer und Noth.
Mit stieren Augen betrachtete Michel alldas schöne Gold und sagte:
„So ich also abließ' von der Marie, waralles mein!"
„Alles!" sagte der Bucklige, und klimm-perte von Neuem mit dem Golde!
„Und so ich nicht von ihr ablaß, werd'ich wieder ein armer Bursch wie zuvor?" sagteMichel!
„Und verspottet und verlacht obendrein!"kicherte der Martin!
„Und was verlangtest Du von mir fürsolch eine Freundschaft?"
„Ein Kleines! Du läßt ab von der Marie,die Du ohnehin nicht bekommst, und verbringstein lustiges und frohes Leben mit DeinemGolde! So Du aber das letzte Goldstückleinverpraßt, kommst Du zu mir hinaus in denWald und dienst mir Dein Lebcnlang unddarüber hinaus mit Leib und Seele!"
„Das hat gute Wege!" sagte der Michel.„Ein solches Gold bring ich mein Lebtag nichtzu Ende!" —
„Das ist Deine Sach!" lachte der buck-lige Martin.
So sprachen sie noch vieles hin und her,und es ward dem Michel gar schwer sich vonder Marie loszureißen, doch die schönen Stu-ben , das viele Gold und das faule Lebenwaren zu verlockend, und endlich machte es derBucklige schriftlich und der Michel Unterzeich-nete es mit seiner Hand!
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Bald verbreitete sich im Orte die Nach-richt, daß der Michel endlich hineinkommen seyals ein überreicher Mann, und Alle liefen hin,das viele Gold mit eigenen Augen zu sckauen.
Darunter war auch der Schäfer Heinrich,der nach dieser Nachricht sofort zu dem Schustergelaufen und auf das freundlichste bewillkommthatte, auch sagte er, es sei alles Spaß gewe-sen, als er ihm die Marie abgeschlagen undsei erbötig wieder Alles gut zu machen.
Das ging dem Michel tief ins Herze,aber zurückkehren konnte er ja nicht, und auchdas Gold wollte er nicht von sich lassen, drumkehrte er dem Schäfer den Rücken und sagtehoffärtig:
„Bewahret Euer Kind, Schaserhcinrich,bis einstens Einer kommt hoch zu Roß. Warumsolltet Ihr nicht ein Glück haben, so gut wieviele Andere!"