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Biel Dtädel giebts ja überall,
Wohin man immer wand're;
Weil ich den Schatz nicht haben kann,
Nehm' ich mir eine Andre!
„Jetzt ist's genug mit dem Liede!" rief nunder Michel, „es hat mich schon vorhin ver-drossen, ich mags nicht mehr hören!"
Der bucklige Martin schob gelassen dieMütze auf das Ohr und sagte:
„Ruhig Blut! Warum gleich so aufge-brauset? Wenn's Dir nicht gefällt, so kannich auch mit einem Andern aufwarten! Dagiebts noch so manch hübsches altes Lied; zumBeispiel vie Geschichte von einem Burschen,der ins Wasser gesprungen, weil er sein Liebnicht haben könnt. Oh das ist eine gar trau-rige Geschicht, und der Bursch hat gar vielLeid gehabt, weil's der Vater nicht zugebenwollte! Da ist er denn in gar schweren Kum-mer verfallen, immer einhergeschlichen stummund voll Verzweiflung und cs ist dennochnicht besser geworden, und der Schatz hat ihnauch bald vergessen und ist von einem An-dern heimgeführt worden, und im Orte drin,wie es bekannt wurde, haben ihn Alle oben-drein verspottet und verlachet bis er ins Wassergesprungen ist aus Verzweiflung. Ja! dasist eine traurige Geschicht'!"
Und wie dem Michel die Hellen Schweiß-tropfen an der Stirne herab liefen, fuhr derBucklige fort:
„Ja! es ist schon viel Leids kommen überdie Menschen durch die Liebe! Darüber kennich noch manch Stücklein und wenn es Dirrecht ist, erzähl ich noch Eins, ich Hab' garVieles erlebt und bin auch schon manchemBurschen im Leben an die Hand gangen mitRath und Thal. Schau mich nur nicht somißtrauisch an! He? denkst wohl der buckligeMartin schneidet mir Eins auf! Und doch ist'sso wie ich Dir's sage. Bin schon alt gewor-den in der Welt und Hab' gar Vieles erlebt.So Du mir vertrauen wolltest, wüßt'ich schoneinen Rath! Wärst just der Erste nicht, dermir sein Glück verdankte'"
„Euch?" frug der Michel!
„Ja mir!" versetzte der Bucklige! Brau-chest es ja blos mit mir zu versuchen! Wozugrämest Du Dich? Wenn der Schäfer Hein-rich das Dirnel nur einem reichen Herrn ge-ben will, so brauchst ja nur viel Geld zu ha-ben um's heimzuführcn! Ich wüßt schon einMittel, wie'S zu erlangen wär, doch verrathichs nur meinen Freunden, und Ihr Alle hier
im Orte seyd mir Feind, darum behalt ich'sfür mich und nun gehab' Dich wohl!"
Und wie nun der Bucklige Miene machteseiner Wege zu gehen, da sagte der Michel:
„Nun, Dein Feind bin ich just nie gewe-sen, obschon man nicht gern viel Gemeinschaftmit Euch macht, denn Ihr seid kein guter Christund kommet niemals zur Kirche!"
„Zur Kirch?" lachte der buckliche Martin,„zur Kirch? Glaubst etwa, die zur Kirch hin-gehen meinen's besser mit Dir als ich, he?Würd Dir Einer von Denen so viel geben,daß der Schäfer Dir's Töchterlein gäbe! Jaja! ich wüßt schon ein Mittel, doch sag' ich'snur meinen Freunden, und Du magst michnicht, daß weiß ich!"
„Das Hab' ich nimmer gesagt!" seufzteder Michel!
„Gesagt hast Du's freilich nicht," meinteder Bucklige „aber gedacht hast Du's wohl!"
Dem armen Michel ward es immer schlim-mer um's Herze. Der bucklige Martin abertrat gelassen ans Fenster, schaute in die dunkleNacht hinaus und sagte:
„Jetzt kommet der Winter bald, wo mangern Abends daheim sitzet am warmen Heerd.Da ist's auch viel schöner als im Wirthshaus,besonders wenn man nicht allein ist und einschmuckes junges Weibchen bei uns zur Ge-sellschaft. Fürwahr wär' ich nicht alt undbucklig, ich wollt mir Eins holen ins Haus,daß es eine Art hätte, aber mich mag auchKeines, denn sie hassen mich Alle und so weitund breit ich auf den Ort sehe, habe ich dar-innen nicht einen einzigen Freund!"
Dem Michel schnitt jedes Wort tief in'sHerze; endlich ging er zu dem Buckligen hinans Fenster, legte die Hand auf seine Schul-ter und sagte:
„So Ihr keine Freunde habt im Orteist's Eure Schuld, Martin, und wenn Ihr einMittel wüßtet, mir zu helfen in meiner argenPein, so solltet Ihr schon einen Freund haben,der's von Herzen gut mit Euch meinte, und'SEuch vergelten wollt sein Lebelang!"
„Das ist nur so eitel Gerede!" brummteder Bucklige vor sich hin. „Gar Viele habenähnlich gesprochen, und wenn's ihren Willenhaben, nachher halten's kein Wort!"W
„Denket nicht so schlecht von mir, Mar-tin!" sagte Michel, „es giebt ihrer gewiß, dieWort halten und ich sags Euch in Redlichkeit,so Ihr ein Mittel wisset mir's zu vergelten,wollt ich Euch Freund sein mit Leib und Seel!"