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[1] (1857)
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So denkend ging er hinein ins Wirthö-haus, wo in der That lustige Zecher beisam-men saßen, die sich's recht gut sein ließen.Zu ihnen setzte sich der Michel hin und ach-tete nicht auf des buckligen Martins freund-lichen Gruß, der wie gewöhnlich in seinerEcke saß!

Je fröhlicher aber die andern Burschenwurden, desto trauriger ward der Michel, undals ihn jene darüber verspotteten, da schlugplötzlich der Michel mit der Faust auf denTisch und rief:

Ja für wahr Ihr habet Recht nnch zuverspotten, denn so ich da sitze und mich zuTode gräme, so Hilsts dennoch nicht! Drumwill ich den Kummer hinunterjagen mit soedlem Getränk, wie Ihr da habt! He! FrauWirtbin, noch ein paar Maaß und hürtig!"

,,Was fehlt Dir!" frugen die Andern.

Da ward der Michel roth bis hinter dieOhren, und da er seine Schande nicht geste-hen wollte, that er noch lustiger und goß hur-tig mehrere Becher Wein hinunter.

So lob ich's mir!" kicherte der buckligeMartin aus seiner Ecke!Das Leben ist ohne-hin so kurz und ein rechter Thor ist, wer diewenigen Tage sich noch verkümmert! So lobich's mir!"

Bei diesen Worten stand der Buck-lige auf, nahm feinen Krug und setzte sichhin zu den Gesellen. Die Einen wollten ihnbei sich sitzen lassen, die Andern ihn verjagen,und so entstand ein kurzer Streit, bis derBucklige zu Michel sagle, indem er sich ihmgegenüber setzte:

Ich wettender Michel jagt mich nichtfort von seinem Tisch, denn er weiß wohl, wiees bitter kränkt, wenn man fvrtgestoßen wirdvon dem Orte, wo man so gerne ist, nichtwahr Michel?"

Da ward der Michel abermals roth bishinter den Ohren, und aus Furcht, der buck-lige Martin möchte um seine Schande wissenund es den Andern mittheilen, nahm er Par-thei für den Bucklichen, und fetzte sich gradeneben ihn hin.

Nun ging ein Zechen los, desgleichenman lange keines in jener Wirthsstube erlebt;ein Krug folgte dem Andern und zuletzt solltejeder Bursche nach der Reihe ein Liedchen sin-gen. Das thaten auch Alle bis auf den Mi-chel; der aber konnte, wie er sich auch an-strengte, keinen Ton herausbringen! Er stürztehurtig mehrere Becher Wein's hintereinanderhinunter, fetzte wiederholt an zu einem Liede,

aber das ging nicht, denn wie er auch fröh-lich und lustig that, ihm wollte das Herze imLeibe zerspringen vor bittrer Wehmuth.

Da fingen die Gesellen von Neuem anden Michel zu verlachen und zu verspotten;der Bucklige aber sprang auf und ries:

So der Michel Keins singen kann, willich seinen Platz nehmen und Eins an seinerStelle singen!"

Ein armer Bursch vor langer ZeitWollt einst ein Mädel freien;

Er liebt' sie ach gar inniglich, "

Doch thäts ihn bald gereuen.

Ihr Vater war ein harter Mann,

Wollt' nichts vom Burschen wissenUnd hatt' den armen Bnb zuletztZur Thür hinaus geschmissen.

Der lief dann in den fernen WaldUnd weint' gar bittre Thräncn.

Ihn: ward' es ach! so schlimm zu Muth,

Gedacht es seiner Schönen.

Oh! der dumme Bursch !" riefen die Ge-sellen, während der Michel sich die Lippen blu-tig biß! Der Bucklige aber fuhr fort:

Doch als er dann zur Ruhe kamUnd Alles thät ermessen,

Dacht' er:Was nicht zu ändern ist,

Muß man zuletzt vergessen.

Denn Kummer, Sorge, ach! und Gram,

Die können mir nichts nützen,

Und's Liebchen auch das fcheertmich nicht,

Kann ich sic nicht besitzen.

Und Mädel giebts auch überall,

Wohin man immer wand're;

Weil ich den Schatz nicht haben kann,

Nehm' ich mir eine Andre!"

Dem armen Michel war cs gar schlimmzu Muthe, als nun seine Mitgesellen über denschönen Schluß des Liedes sich freuten, undabermals trank er von Neuem seinen Kum-mer zu verscheuchen.

So saßen sie bis spät in die Nacht hinein.Einer von den Trinkgesellen nach dem Andernfiel in tiefen Schlaf; zuletzt saßen nur nochMichel und der Bucklige beisammen.

Der Michel stützte seine heiße Stirne Aktbeide Hände, während der Bucklige vor sichhin brummte: