Druckschrift 
[1] (1857)
Seite
2
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

hatte sich mit den Jahren gar nicht im Aeu-sseren geändert. Die ältesten Leute erinnertensich den Buckligen nie jünger gekannt zu ha-ben und wollten von allerlei Unheil wissen,das er schon angestistet haben sollte. Zwarhatte er schon Manchem geholsen, der ihn da-rum angegangen, doch hatte jene Hülfe niegroßen Nutzen gebracht, denn Alle, so mit demBuckligen in Verkehr getreten waren, hattenschlecht geendet.

Je verdrießlicher aber Mickel wurde, destofreundliche.;- ward der Martin und ging umden Schuster herum, wie die Katze um denDrei, suchte aus alle Weise mit ihm Freund-schaft zu machen, was ihm aber nicht gelingenwollte, da Michel vor Jenem sich beständig be-kreuzte und ihm aus dem Wege ging.

Auch hielt sein Verdruß nie lange an,denn wenn er wieder mit Schäfers Marie zu-sammen traf, ward er wieder heiter und guterDinge, und setzte sich vergnügter als je anseine Arbeit!

Und als nun abermals ein Jährlein zuEnde gegangen war, da zog der Michel seinenSonntagsrock an und ging hinaus zum Schä-fer. Diesen nahm er bei Seite und sagte:

Schäfer Heinrich! Ich Hab' ein sonder-lich Anliegen an Euch, und wenn Ihr mir'sgewährt, so sollt Ihr mich recht glücklich ma-chen, und ich werd's Euch zu Dank wissenmein Lebenlang. Ich Hab' eine gute Kund-schaft und mir durch Fleiß und Rechtlichkeitein hübsches Sümmchen Geld zusammenge-bracht, dass ich mir 'nen eig'nen Hcerd gründenkann, und so fehlt mir nichts als eine herziggute Hausfrau, und die wollte ich mir beiEuch holen, Schäfer Heinrich!"

Bei mir?" rief der alte Schäfer!

Ja bei Euch!" fuhr Michel treuherzigfort.Daß ich's Euch grad heraus sage, ichbin Eurer Marie von Herzen gut, und auchist's zwischen uns Beiden schon lange ausge-macht.«-

Sho!" rief der Schäfer,Also so sieht'saus? Ausgemacht ist's hinter meinem Rücken?Das Du meinem Mädel gut bist, glaub ichgern, denn solch eine schmucke Dirne giebtsnicht mehr auf weit und breit, aber grade weilsie so schmuck und sauber ist wcrd ich sie nichtdem Ersten Besten an den Hals werfen; undDir am allerwenigsten! Mein Kind ist zu gutiM eine einfache Schustersfrau zu werden. Werdie freien will, muß hoch zu Roß kommenund in Sammt und Seide!"

Ihr spaßet wohl?" sagte Michel betrogen.

Spaßen?" lachte der Schäfer, »Durch-aus nicht und warum sollt ich spaßen! DieMarie war nicht die erste arme Dirn' die FrauGräfin oder auch nur eine Rittersfrau gewor-den. In den Büchern drin stehn darüber garwundersame Historien, und warum sollt ichnicht grad so ein Glück haben wie gar vieleAndere!"

Was in den Büchern drin steht ist nichtsals eitel Lüge, den frommen Christen irr zuführen!" ries Mickel.

Darüber ward aber der Schäfer gar zor-nig, und schwur, der Michel solle sich zurStunde hinauspacken aus seiner Hütte undihm nie wieder vors Angesicht kommen.

Da fing der Michel nun an gar herzigzu bitten, der Schäfer möge doch sich einesBesseren besinnen.

Ach gebet mir die Marie!" bat Michel.Ihr sollt's auch sehr gut bei mir haben undEuch nicht mehr zu plagen brauchen mit derSchäferei, denn so ich für Zweie Brod insHaus schaffe, kann ich mich auch für Dreieplagen, und es soll Euch an gar nichts fehlen."

Da lachte der Schäfer hellauf und meinte:DaS wär mir ein sauberes Leben, das ichallezeit besser führe in meinem eigenen Hause!"

Als nun der Michel sah, daß mit demalten Schäfer gar nichts auszurichtcn war,so schlich er sich beschämt und zornig hinaus,und dicke Thränen des Zornes fielen aus sei-nen Augen. Die Marie hatte Alles mit an-gehört an der Thüre, und als nun der Michelheraustrat, da schluchzte sie:

Michel! Verzag nur nicht! Es wirdschon noch Alles zum Besten werden. "

Michel aber sagte kein Sterbenswörtchen IEr drückte der M<rne die Hand und schlichsich fort hinaus in die dunkle Nacht!

Da stand er gar lange Zeit und in sei-nem Herzen wüthete ein arger Kummer:

So Hab' ich denn Jahrelang umsonst ge-hofft und geschafft!" brummte er vor sich hin,und nun ist Alles, Alles aus und jede Hoff-nung verschwunden! Mir ist's leid auf derWelf, und Nichts kann mich mehr erfreuen!"

Und wie es in des Michels Herzen im-mer düsterer wurde, da kam er just an demWirthshause vorbei, und hörte darinnen denGesang lustiger Gesellen.

Die machen's gescheidt!" dachte er sovor sich hin,thun sich einen guten Tag anund quälen sich nicht mit allen eitlen Ge-danken!"