Druckschrift 
Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

»5--

Oes Europäischen Herolds Myte Haupt-Handlung

ginnen des wunderlichen Königes lieblingedahin ausdeuteten/ ob wolte sie diesem Printzenstatt seiner zur Crone verhelffen. Indem nunbey so bewandten umstanden allerhand unrathzu besorgen/so resolvirte die Königin samt demStaats-Rathe/des Königs schoß-kind/ nemlicheines Jtaliänischenkauffmanns von Vmrimig.

sohn/nahmens Antonio lVlarlZLonttzUNd an-dere mehr/sonderlich seinen bruder/Iuan Lonri ,

wegzuschaffen / und in Brasilien führen zu

lassen. . ,

Inzwischen hatte dte Königl.mutter den Ko-nig in den geheimden Rath begleitet / und mitgeschafften unterhalten/ auch allepässe besetzenlasten / damit niemand von ftinen Lon66entendahin kommen konte. Sobald sie aber dieNachricht erhielte/ daß ^omi zu schiffe gebrachtworden/befahl sie den sämtlichen raths - und ge-richts-kammern / dem Kammer-Rath / demRath der vier und zwantziger aus der stadt Lisa-

bon / wie auch denen Titulirten und Edelleuten

hereinzutreten/als welche hierzu beruffen/ undschon allesamt in der sache inkormiret waren/underöffnete in solcher verftmmlung/ welche in ent-stehung eines allgemeinen Reichs-tages dasReich reprselentiret/ wie sie/ aus ehrerbietunggegen ihren verstorbenen gemahl/ aus liebe ge-gen ihren Herrn söhn/ den König/und aus Vor-sorge vor die unterthanen/ die regierung über-nehmen/ aber auch zugleich die landes-be-schwerden anwachsen sehen müssen / denen sie/unerachtet alles angewandten fleiffes/ nicht ab-husten können. Damit nun das gäntzlicheverderben abgewandt werden möchte/ ermah-nete sie den König / nicht so viel zeit mehr auf dieleibes - Übungen zu legen / als wobey er schon soviel lebens-gefahr ausgestanden/sondern sich derregierung eyfriger anzunehmen.

Hieraufklagten die versammleten über Man-gel der gerechtigkeit/ und über die inlvlentz derjenigen leute/ welche sich durch ärgerliche wegebey dem Könige eingedrungen / und welche sowol in dem palaste/als auch aussechalb/erschreck-liehe schandlhaten verübeten/und der straft aller-dings werth wären; welches dannenhero dieKönigin/den Staats-Nath undsiealleftmt be-wogen/ die Reichs-ftinde / welche ärger als dieCastilianer aufden gräntzen wären/ein vor alle-mahl abzusondern.

Nun war zwar der König anfangs/ als erdie sKion mit seinem geliebten eonrj gehöret/fast ausser sich selbst: Jedoch begriff er sich nach.der zeit/und reisete mit dem Grafen von Lsttel-rnelkor heimlich aufdas lust-hauß /Ucantars,ließauch den geheimden Rath / LXlsr6ek4enei'e5,zu sich kommen/und schrieb an alle kriegs-undcivjl-befthlhaber/ daß er numehro die regierungangetreten. Aufsolche erhaltene Nachricht er-soderte die Königin die Reichs-Räthe und denRath/ und wurde beschlossen/ daß sie den Königzurückerbitten/ und ihm die regierung überge-ben solle. Also muste der Bischoff voneinen brief dieses innhalts von der Königin anHlfonlum bringen/ welcher solche vierte willigannahm/ immittelst aber zu ^lcantsra bliebe/und sechs neue geheimde Näthe nebst einemStaats-5ecrecarw annahm. Allein als ihmder Infant/ und einer von den neu - erwehltenRächen zu gemmhe führete/daß noch kein König

solcher gestalt aus eigener bewegniß das regi-ment angenommen/daher es nöthig wäre/nichtsvon dem herkommen zu ändern / viel weniger diefrau mutter so sehr zu beleidigen / so änderte ersich/und empfing von ihr am 2z Junii 1662 im18 jähre und n monat seines alters bey solen-ner Versammlung das völlige regiment / vonden Ständen und Rächen aber den Hand-kuß.

Sobald er nun den thron bestiegen/bezeige-te er so wenig Königl. eigenschafften/ absonder-lich aber in Worten/ daß man bey Hose/ wennjemand die zunge ungebührlich brauchte/ imfprichwort sagte: Er redet/ wiederRonig.Und hierzu contrikmrte dieses ein grosses/ daß erin seiner kindheit einen zufall von der gicht ge-habt/welche ihm die helffte des leibes gelähmet;dahero ihm die eine Hand noch immerfort zitter-te/ und das Haupt gantz verdüstert war. Beyso gestalten sachen zogen der Graf von Hmougis,derGrafvon^ttstmelbOr, und Lebalttan (ÜXlarcle klenelez die gantze regierung an sich/ wiewotder mitlere denen andern beyden überlegen war/und keinen / der seinem interesse verdächtig/ vorden König kommen ließ/ sondern seine creaturmbeförderte / und andere absetzete. Inzwischenwurde der Königl. frau mutter an statt desschuldigen respects so vielschimpff erwiesen/daßsie sich Ä.i66z von hofnach Xa^ebraz entfernete/dahingegen der König aller lasier voll und gantzviehisch wurde / indem er seine gröste lust anmorden und wunden hatte / auch zu solchem ende2compagnien der grausamsten kerl als seineschaar-wacht annahm: Angleichen war er dergeilheit öffentlich ergeben/ob ihm schon seine na-türliche blödigkeit das vermögen hierzu verwei-gerte. Uber dieses ließ er auch den von /wm-nio Lonri aus Brasilien zurücke beruffen/ undselbigen zuOeir->5 unter lösung der stücke empfan-gen. Weil aber der Graf von eattelmeMorhierüber eyfersüchtig wurde/ spielete er es dahin/daß jener zu Oelras bleiben/ der König aber sichweiß machen lassen muste/ es sey eine grosse con.spirarion obhanden/worvon viele/so des Königsttbele concluitc nicht billigten/ in die inquilitior»kamen/welches der itzt-erwehnte Graf alles zudem endethat/damiter seine autoritär erhielte/und meister vom Königreich bliebe.

Hierauf wurde A.166) an der Heyrath mit derPrinceßin von klemovrs, Marien FranciscenJsabellen/von Savoyen gearbeitet/ und von?ec!ro auf eine Vermählung mit der Princeßinvon Bouillon geführet/ der er sich kaum zu ent-brechenvermochte/ da der König indessen nochgrössern verdacht wider diesen Infanten fastete/und ihm wegen beschuldigter verrätherey mitdem thurme drohete. Dazumahl verstarb diealte Königin A. 1666/und die Königl. braut lan-gete in Liftbon an / welche aber /Ulontus mit sol-cher kaltsinnigkeit empfieng / daß er ihr auchnicht einmahl biß ans schiff entgegen gieng.Auch wurde er gegen seinen Herrn bruder nochimmer härter / also daß derselbe endlich den Hofquittirete / wiewohl er sich doch wiederum zurrückkehr bewegen ließ/als der König dem Gra-fen von eakelmelkorden Hof verbot/angesehenselbiger den grösten muthwillen gegen den In-fanten verübet hatte. Nichts desto wenigermachte derStaats-??Mauus,Kmotuo 6? LorUa

6s

>

Ȁ-eiilak'6'-"- -

Vi

>tz,

-