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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
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allgemeiner Dorbericht.

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gleichheit und guter Proportion gar kein Mangelgewesen seyn; vielmehr würde sich ieder bemü-get haben / den zweck der gottgefälligen gesell-schafft zu suchen und zu behaupten. Daher e6scheinen wollen/ daß / wenn der glückseligezustand lange gedauert/ und die familien sichverstarckct/ daß es keines imperii und anHal-tens zur gebühr würde bedmfft haben.-Nichts desto weniger würde auch in solchemstände der unschuld eine poütia> und zum we-nigsten eine sothane Verfassung gewesen seyn /da eine potcl^s aire6tiv2 und gewisses natür-liches regiment die gantze gemeine zu der ge-samten Wohlfahrt und bono publica angefüh-tct hatte/und die gemeinen geschaffte nach derregul der erbarkeit / welch»es allerdings derunfehlbare und allen gleich beliebte zweck

würde gewesen seyn / verrichten lassen: JaeS würde auch der grossere theil der tocietätden geringem zu denen durch die m.ftoi-3 vocaausgefallenen schlössen verbunden haben /welches denn gnug ist/ da man in blossenMutzen des natürlichen rechts verbleibet.

GOTT/ der allermeistste Schopffer allerdinge/ hat nicht viel männer zugleich/sondernnur einen erschaffen/ aus welchen: alle andersabstammen selten/ damit er die Ordnung/olssue welche ausser dem nichts bestehen mag/und den cllrigirenden ober-gcwalt/ so er un-ter den menschen haben wolte / andeutenmöchte / das weib/so aus des mcmnes fleischund bein erbauet worden/ wäre dessm gehülf-fin/ und in dem gouvernement so wohl/ alsin der ehelichen Pflicht/ in gewisser maße un-terworffen gewesen/ weil sie auch an verstan-des-und leibes-kräfften wohl in etwas zärtcrund schwächer als der mann. So weisetauch die natur zwischen dem erwachsenen al-ter und der unerfahrnen jugend einen merck-lichen unterschied; denn diese hätte sich ja we-der mit rath noch that so fort selber helffen/fondern von jenem hülste und Handleitungnehmen muffen : Wie denn wohl ausser al-len zweiffel/ daß auch vor dem satt niemandalsobald gantz vollkommen würde seyn gehöh-ten worden/ sondern sie hatten von den ältemUnd erfahrnem allgemach lernen und zuneh-men müssen. Nun aber muß der lernendevon seinem lehrer eine gute meynung/nemiichdaß es derselbe besser verstehe / fassen / nachdem sprichwort: Oilcentcm oportet creäsre.Fürwar / der abgesonderte von den sündern/unser HERR und Heiland / hat seinermenschlichen natur nach / wie an alter/ alsoauch an weißheit und gnade zugenommen.

Im stände der Unschuld wäre nun allemvermuthen nach neben der Ungleichheit des ge-schlechtS/ auch der unterschied des alters/desgemülhs und gewisse stusten der weißheitund der ftömmigkeit gewesen. Nun willMrerver- Mr die gesunde vemunfft / daß der einfäl-mch mn" tigere dem klugem rath und anmahnungen fol-ge leiste; denn zum wenigsten würde man zuregier-und anweisung der menschlichen gesell-schafft solcher gesetze von Nochen gehabt ha-ben/ krafft welcher jedem/was seines amtsgewesen / sattsame anzeige gethan worden.Obwohl nicht zu leugnen/ daß in solchem hei-ligen stände es eine gantz andere und bessereApjre HttUppHandlWS.

gcstalt um das regiment würde gehabt haben/

Lmmassen uns denn itzo sehr viel mangelt/undder menschen boßheit und ungehorsam diezeitliche ruhe und Zufriedenheit gar mercklichhindert und verstöret / welchen man denndurch allerhand politische anstellten / rath undmittel/ auch wohl gar durch gewalt der waffenabbelffen und steuren muß.

Weil es nun dem menschen/wie oben ange- Wie dle bäwreget/angebohten ist/sich seiner bequemlichkeitund Wohlfahrt halber mit andern in gesell-«wachsen,schafft zu begeben / hat sich die Zuneigung zuder bürgerlichen locietät um so viel mehr beymänniglich geäußert. Daher dann die ehe-liche Verbindungen entstanden / aus welchenbey erlangtem ehe-segen ein hauß-wesen/ undaus diesem gantze geschlechter erwachsen/ mitwelchen sich hernach bey Vermehrung desmenschlichen gefchlech!S andere frembde be-freundet ; und weil alle diese in einem Hausenicht beysammen wohnen können/ haben sieihre Wohnungen zu gantzen gaffen und straf-fen erweitert / daraus dann endlich dörffer/flecken/und nach erheischung der menschlichennochdursst/bequenllichkeit und sicherheit gantzestädte und landschafften erbauet / auch umbesserer ordnung willen zu erlangung des all-gemeinen zwecks/ nemtich der durchgängigenbürgerlichen Wohlfahrt / die regimenter ein-geführet worden seynd.

Zu erbauung aber grosser gewaltiger siäd-W^em

te/und Verfassung eines solchen bürgerlichen Sta«tfty/Wesens / wo rinnen die menschen zu erhaltung Wir-des genzeinen Wohlstands theiis regieren/theilsvt,gehorchen / haben viel geholffm die Überlas-sung einer gemeinen stechen/ so wohl im Han-del und wandel/ in bauen und handthieren/im Gottes-dienste / als auch sonst in allemdem/ was dem menschen sonst beschwerlichfallen kan / wann er in einem gezwungenenoder einsamen stände leben soll. Daher ste-het man / daß sonderlich in den vereinigtenNiederlanden so viel und grosse städte mit derzeit erwachsen/und fast mit innwohnernüber-Häusset sind.

Wie auch die an - und Zuführung gewisseeolonien/welche sich an ftembden örternnie-'dergelassn und daselbst neue städte und land-schäfften angerichtet /^ dergleichen die Spa-nier/Holl-und Engettänder / wie auch Por-tugieser und Frantzosen in denen neu-conque-stielen Jnsulen und ländern gar glücklich ge-than»

Ferner hat auch mancher Staat durch denUntergang einer benachbarten Republic undstädte ihren starcken anwuchs bekommen; In-massen diests bey Rom und unehlichen andernstädten sich begeben.

Bißweilen hat auch die fleißige treibungder kriegS-Übungen/ und der hierzu benöthig-ten wissenschafften die ftembden herzu gelockccund eine stadt vergrössett. Nichts desto we-niger hat die bequeme läge zu der kauffmann-schafft/ absonderlich aber an der see / zu er-bauung der städte anlaß gegeben: Ja mankan sagen/ daß die fteyen künste und handwer-cker entweder zu auftichtung oder Vermehrungder stadtt zum öfftern nicht wenig beygecra-

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