Das heil. Kreuz in der Christophskirche zu Mainz.
uf dem Seitcnaltare des südlichen Ncbenschiffes in der St.Christophskirche zu Mainz steht ein allgemein verehrtes Kreüz,welches früher in einer Kapelle eine halbe Stunde südlich von der Stadt Mainzan der Landstraße nach Hechtsheim sich befand. Von diesem Kreuze wirdfolgendes Ereigniß erzählt, das sich unter Erzbischof Adolf I. von Nassauim Jahre 1383 zugetragen haben soll.
Ein roher, dem Trunke ergebener Mann, Namens Schelkropf oderSchölkropf, hatte im Wirthshaus „zur Blume" in der Vorstadt Filzbach vielGeld im Spiele verloren. Darüber ergrimmt, schimpfte und fluchte er überdas unglückliche Spiel und seine Kameraden und stieß im Zorn gottes-lästerliche Reden aus. Auch drohte er, sich an dem ersten Kreuzbilde, daser treffen werde, zu rächen. So kam er unter Fluchen und Toben zu derKreuzkapelle; voll Wuth griff er nach seinem Schwerte, schlug nach dem Bildedes Erlösers, trennte das Haupt vom Körper und versetzte auch den neben demKreuze stehenden Heiligenbildern Schwerthiebe. Aber siehe da, aus denWunden, welche dem Kreuzbilde versetzt wordeu, träufelte frisches Blut herab,als ob ein lebender Mensch, nicht ein Bild von Holz getroffen worden sei.Den Frevler übersiel ein solcher Schrecken, daß er sich nicht von derStelle bewegen konnte. Vorübergehende sahen ihn,'erkannten das Verbrechen,welches er begangen und überlieferten ihn dem Gericht zur verdienten Strafe.
Das Kreuz in St. Christoph sowie die daneben stehende Statue Maria'stragen noch die Spuren der Verletzung deutlich an sich. Es ist dieses Kreuzeine Arbeit aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Körper ist30 Centimeter lang; die Augen sind geschlossen; das Haupt ist mit derDornenkrone auf die Brust geneigt; die Arme sind etwas nach oben, dieKniee nach rechts gebogen. Das ganze Cruzifix ist mit Leinwand überzogen,dann mit Kreide überstrichen und bemalt. Die Kreuzbalken endigen in Vier-ecken mit den Abbildungen der Symbole der Evangelisten. Zur Rechtendes Kreuzes befindet sich Maria, wie sie von Schmerz überwältigt niedersinkstaber von Johannes und einem andern Heiligen gestützt wird.
Nach dem vorhin erzählten Ereignisse brachte man das Kreuz in dienaheliegende Liebfraucnkirche „Maria im Felde" genannt, wo es fortan einegroße Verehrung genoß.
Die Liebfrauenkirche hieß lange vor dem Jahre 1383, nachweislich schon1302, Heiligkreuz, Stift zum heil. Kreuze. Bereits 765 stand hier eineKapelle, welche zum Unterschiede von anderen Marienkirchen in und außerMainz „Maria im Felde, ückaria, in oainpis" genannt wurde. ErzbischofErkembold erhob c. 1011 die Kirche zur Stiftskirche und setzte zur Besor-