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das Kind zu todten, damit es nicht dereinstens sein hochberühmtes Geschlechtschände. Vergeblich waren alle Thränen und Bitten der armen Mutter, dieihn inbrünstig beschwor, das Leben des schuldlosen Wesens zu schonen. Derzornige Mann blieb ungerührt. Jedoch die Mutterliebe machte Bereswindaerfinderisch; es gelang ihr, die mit dem Vollzuge beauftragten Diener zugewinnen, ihren Gemahl zu täuschen und ihrem armen Kinde das Leben zuretten. Sie brachte dasselbe in dem Stifte von Palma unter und ersuchteden damaligen Bischof von Regensburg, das Kindlein zu taufen. Dieserwallfahrte gern der Bitte der frommen Mutter und legte dem Kinde denNamen Ottilia bei. Während der Taufe schlug das Mägdlein die Augenauf und wurde sehend. Von da an wuchs Ottilia unter der sanften Pflegeder Nonnen wie ein Engel an Unschuld und Güte heran, zur größten Freudefür Bereswinda, welche immerfort heimlich mit ihr verkehrte.
Ein Jahr war nach der Geburt Ottiliens verflossen, da schenkte Beres-winda ihrem Gemahl auch einen Sohn, der in der Taufe den Namen Hugoerhielt. Als dieser ein stattlicher Jüngling geworden war, theilte ihm seineMutter das Geheimniß mit und beide beschlossen nun, dem Vater davonMittheilung zu machen, damit Ottilie endlich im väterlichen Schlosse die ihrgebührende Stelle einnehmen könne.
An dem verabredeten Tage ritt Hugo mit dem Vater nach der Hoheu-burg, wohin er auch die Schwester bestellt hatte, und als das HerannahenOtiliens gemeldet wurde, führte er den Vater auf die Felsenspitze, vonwelcher aus sie die den Berg herauf reitende Jungfrau, deren weißes Ge-wand zwischen den Bäumen hervorschimmerte, erblicken konnten. Eticho be-merkte den Zug sofort und fragte verwundert, wer die Jungfrau sei. Dawarf sich ihm Hugo zu Füßen und erzählte ihm die Rettung der Schwestermit der flehenden Bitte, ihrer zu schonen und sie als sein Kind aufzunehmen.Kaum jedoch hatte er ihren Namen genannt, da überzog dunkle Zornesröthedes Vaters Angesicht, sein Auge glühte vor Wuth und mit einem entsetz-lichen Fluche stieß er dem zu seinen Füßen liegenden Sohn das Schwertdurch die Brust, so daß derselbe sofort seinen Geist aufgab. Einen Augen-blick noch schaute der ergrimmte Herzog zornbebend auf die Leiche, dannaber kehrte ihm beim Anblicke des Blutes, das ringsum den Boden tränkte,seine Besinnung zurück und er warf sich wie ein Verzweifelter über dengemordeten Sohn, um ihn unter herzzerreißendem Jammer wieder zum Lebenzurückzurufen. Allein vergebens, Hugo blieb todt. Da sprang er auf undeilte laut weinend den Berg hinab seiner wiedergefundenen Tochter entgegen,die ihm in engelgleicher Schönheit, wie ein Wesen vom Himmel, mit demganzen Zauber, den die Kinderuuschuld auch auf den rohesten Menschenausübt, entgegen trat. Ein goldener Gürtel umschloß die schlanke, züchtigeGestalt und ließ das weiße Kleid in weiten Falten bis zu den Füßen her-niederwallen, ein weißer Schleier, von goldenem Diadem gehalten, umhüllte