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plündern; man zerstörte die Altäre, zertrümmerte die Gemälde und schleudertedie ehrwürdigsten Bildnisse in den Koth.
Das Elsaß ist eines der Länder, wo die sogenannte Reformation diemeisten Verheerungen angerichtet hat. Marienthal war der Wuth der Pro-testanten und der aufständischen Bauern ausgesetzt; es gab keine Sicherheitmehr, weder für die Pilger noch für die Kirche, welche man jeden Augen-blick in Brand gesteckt oder verwüstet zu sehen fürchtete. Einige frommeKatholiken beschlossen nun, den gottesräuberischen Händen der neuen Bilder-stürmer zum wenigsten die wunderthätigen Bilder zu entrücken: sie nahmensie im Geheimen hinweg und brachten sie in das Haus eines Herrn Mor-garten, Klosterverwalters von Marienthal. Eine gleichzeitige Urkunde besagt,das Standbild der schmerzhaften Gottesmutter habe auf dem Wege vor denAugen der Anwesenden reichliche Thränen vergossen.
Nach Beendigung des Bauernkrieges wurden die zwei Bildnisse nachMarienthal zurückgebracht. Gleichwohl hatte diese h. Stätte noch furchtbarePrüfungen zu bestehen. Von den Protestanten der Umgegend mißhandelt,verhöhnt, als Götzendiener verlästert, besuchten die Pilger nur mehr zitterndden Tempel der seligsten Jungfrau und ihre Zahl ward von Jahr zu Jahrgeringer.
Die Ketzerei fuhr fort, einen großen Theil von Europa zu verheerenund überall den Samen des Hasses und der Zwietracht zu streuen. Frank-reich wurde von einem Bürgerkriege und dem Religionskriege zerwühlt; imJahre 1569 rüsteten die deutschen protestantischen Fürsten, um den Huge-notten zu Hülfe zu ziehen; ihre Truppen durchstreiften das Elsaß und ver-wüsteten es auf eine schonungslose Meise. Marienthal war ihren Verheerungenin hohem Maße ausgesetzt. Eine Frau, Namens Hochstätter, wollte dieEntweihung der heiligen Bilder verhindern und entschloß sich, sie noch ein-mal nach Hagenan zu bringen. „In dieser Absicht", fügt der Verfasser derLandeschronik hinzu, „begab sie sich in den Tempel der seligsten Jungfrau,bestieg den mitten im Chöre errichteten Altar, nahm das Standbild derschmerzhasten Gottesmutter auf ihre Schulter und machte sich auf den Weg.Allein die fromme Bürgersfrau hatte mehr ihren Eifer als ihre Kräfte zuRathe gezogen, als sie sich vornahm, die Strecke von einer Stunde eineGruppe zu tragen, deren Größenverhältnisse beinahe der Natur gleichkamen;ihre Kniee versagten und sie sank auf dem Wege zu Boden. Einer augen-blicklichen Eingebung folgend kuieete sie nun neben dem Standbilde niederund flehte mit demuthsoollen Vertrauen zu Maria: O meine himmlischeMutter! bitte deinen göttlichen Sohn, auf daß er meine Kräfte mehre oderdie Schwere dieser kostbaren Bürde verringere, damit ich sie in Sicherheitbringe. Nach diesem Gebete nahm sie das Bildniß wieder auf die Schulterund brachte es nach Hagenau."
In gleicher Weise retteten einige Einwohner der Stadt das Stand-