Druckschrift 
2: 1887
Seite
310
Einzelbild herunterladen
 

— 310 —

das Thal Aehnlichkeit mit dem Bache Kidron zu haben. Am Fuße desBerges lag zu jener Zeit das im dreißigjährigen Kriege verschwundene DorfGirrezhofen, welches Aehnlichkeit mit dem Garten Gethsemane der Lage nachgehabt haben soll. Auf der Höhe befand sich die Richtstätte. Die Stadtnahm sich nun der Sache an, verlegte zunächst die Richtstätte nach demandern Ahrufer und erbaute auf jener Stelle eine kleine Kapelle. In Folgeeines 1502 gewährten Ablasses wurde die Kapelle bald zu klein und 1625wurde hier durch den Stadtbaumeister Johannes Gohr der Bau einergrößeren Kirche begonnen. Am 18. Dezember 1629 vollzog Kurfürst Fer-dinand von Köln die Stiftungsurkunde eines hier zu erbauenden Klosters.Der Franziskaner-Pater Felix Loch aus Brühl erhielt von dem StadtpfarrerServatius Ottler die Schlüssel der neuen Kirche und nahm sofort von ihrBesitz. Der durch den dreißigjährigen Krieg vielfach gestörte Klosterbauwurde nun unverzüglich in Angriff genommen und die Einnahmen aus ein-zelnen und prozessionsweise ausgeführten Wallfahrten waren sehr bedeutend.

Nach der Chronik waren in einem Monat 7300, ja an einem Tage 2600Beichtende und Communizirende dort und zwar nicht nur aus den niederenStänden, sondern auch die Witwe des Herzogs Wolfgang Wilhelm vonJülich-Berg und die Edelleute der Nachbarschaft schlössen sich den Prozessionenan und letztere erwählten in der dortigen Kirche ihre Erbbegräbnisse. ImJahre 1668 erhielt die Kirche Reliquien der hh. Apostel Thomas und Bar-tholomäus, des h. Laurentius, der h. Barbara, der h. Christina, und derh. Ursula, welche ein Soldat aus Brabant aus einer Kirche Süddeutsch-lands, welche verwüstet worden war, mitgebracht hatte. Die Kirche erschienabermals zu klein und im August 1664 wurde unter Kurfürst MaximilianFriedrich der Grundstein zu der dritten, jetzt noch vorhandenen Kirche gelegt,welche am 1. September 1678 durch den Weihbischof von Köln eingeweihtwurde. Zu jener Zeit nahmen die Wallfahrten dorthin in ganz außer- Iordentlicher Weise zu durch die Wunder, welche dort in Heilung Krankerund Besessener geschahen. Indessen erwarb sich der Orden auch durch diethätige Hülfe, welche er während der Pestzeit 1666 leistete, große Verdienste.

Auch in den Kriegen, welche ringsum die ganze Gegend verwüsteten und indenen das Kloster ziemlich unbehelligt blieb, leisteten die Franziskaner erheb-liche Dienste. Als gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die Franzosen daslinke Rheinufer besetzten, ward auch dieses Kloster aufgehoben, indessen bliebendie Gebäude erhalten. Sie wurden 1338 von der Klosterfrau TheresiaSchäfer aus Köln erworben, welche hier eine Erziehungsanstalt der Ursu-linerinnen errichtete.

Die Wallfahrten aus der weiten Umgegend dauern auch heutzutagenoch fort.