Druckschrift 
2: 1887
Seite
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Mariahülf bei Passem.

das Jahr 1617 reiste Leopold, Erzherzog von Oesterreich<M>^ und Fürstbischof von Passau, Bruder Kaisers Ferdinand II.nach Dresden zu dem Kurfürsten von Sachsen. Als ihn dieser in die Ge-mäldegallerie führte, erblickte er in derselben ein Muttergottesbild von demberühmten Maler Lukas Kranach, welches ihm außerordentlich gefiel. Alsihn nun der Kurfürst ersuchte, sich ein Geschenk auszusuchen, verlangte erdieses Muttergottesbild, welches er in der Folge auf allen seinen Reisenmit sich führte und welches nach seinem Tode zu Innsbruck in der Pfarr-kirche zum hl. Jakob den Gläubigen zur Verehrung ausgestellt wurde.

Um diese Zeit lebte zu Passau ein gewisser Freiherr von Schwenkn,Domdechant und Bisthumsvertreter, welcher eine besondere Andacht zu diesemBilde hegte und sich von dem passauischen Maler Pius eine Copie desselbenanfertigen ließ, welche er in seinem Zimmer aufstellte und oft stundenlangvor demselben im Gebete verharrte. Eines Tages nun ging Schwenkn inseinem Garten außerhalb der Jnnstadt spazieren. Da sah er aus dem Maria-Hülfberge, damals Schulerberg genannt, zahlreiche kleine Lichter in Prozessiongeordnet. Als er diese Erscheinung mehrmals wahrnahm und sie außerdemauch noch von anderen Personen wahrgenommen wurde, so berieth er sichdarüber mit seinem Beichtvater und es ward beschlossen, an dem Orte, wodiese Erscheinung sich zeigte, eine Kapelle zu erbauen und in derselben dasvon Schwenkn so hochgeschätzte Bild aufzustellen. Im Jahre 1622 wurdedie Kapelle erbaut und alsbald verbreitete sich der Ruf dieses lieblichenBildes in der weiten Umgegend und zog von allen Seiten Wallfahrerheran, so daß man bald auf eine Erweiterung derselben denken mußte.

In Folge dessen ward bereits 1624 der Grundstein zu einer Kirchegelegt, welche 1627 vollendet wurde. 1628 wurden sodann weitere Gebäude,ein Wohnhaus und ein Meßnerhaus, die Umfassungsmauern, sowie eine ge-deckte Stiege mit 264 Stufen errichtet. Gleichzeitig wurde eine Wasserleitungzu dem Frauenbrunnen im Hofe gelegt, 1636 der St. Annenbrunnen ge-graben und 1638 das Rondel über demselben gebaut. Die Besorgung desGottesdienstes wurde den Kapuzinern, welche am Fuße des Berges ein 1610erbautes Klosters hatten, übertragen.

Die Wallfahrt nahm immer mehr zu und nicht wenig trug dazu auchdie Mariahilf-Bruderschaft bei, die schon im Jahre 1627 gegründet undvon Papst Urban VIII. bestätigt wurde. In diese Bruderschaft aber ließensich nicht nur gewöhnliche Leute aufnehmen, sondern selbst Personen vomhöchsten Stande. So Kaiser Ferdinand II. und seine Gemahlin, ebenso ihrSohn Ferdinand III. nebst Gemahlin, mehrere Glieder des Hauses Toskana

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