herankommt, wo die Prozession zurückkehrt, wird mit der Glocke ein Zeichengegeben. Alsdann begibt sich der Reichsprälat, in rothsammctne, reich mitGold gestickte Kirchengcwändcr gekleidet, vor die Kirche. Vor ihm gehen eineMenge Geistliche der Umgegend, der ganze Convent und vier Leviten; überihm wird der prachtvolle Baldachin getragen. Auf einer Bühne, welche vordem Thore aufgeschlagen ist, warten sie auf die Prozession. Sodann wirddort mit dem h. Blute der Segen ausgetheilt und die Prozession begibt sichunter Glockengeläute und Böllerschüssen in die Kirche, wo hierauf das Blut-amt gehalten wird.
Allerdings wird nunmehr nach Aufhebung des Klosters diese Prozessionnicht mehr mit so großem Pompe gehalten, jedoch erstreckt sich die Zahl derTheilnehmcr immerhin auf etwa 20,000, von denen noch Viele beritten sind.Auch der Geistliche, welcher das Heiligthnm trägt, sitzt zu Pferde und istvon Reitern umgeben.
Ueber das frühere Kloster zu Weingarten haben wir nur Weniges nochzu berichten. Weingarten liegt im Schusscnthalc und ist ringsum von Wein-gärten und Wald umgeben. In einem kurzen Umkreise standen hier 56Burgen, die aber mit der Zeit sämmtlich zerstört wurden. Auf der Stättedes Klosters stand ein großes Welfenschloß, welches Wels III., wie wirbereits erwähnt haben, 1047 den Benediktinern zur Gründung eines Klostersübergab. Das reichsunmittclbarc Kloster hatte ein Gebiet von 6 Quadrat-mcilcn mit 11,000 Unterthanen. Bei seiner Aufhebung 1802 wurden dieKlostcrgebäude größtcntheils zu Kasernen eingerichtet; die sehr kostbare Biblio-thek kam nach Stuttgart.
Der Berg, auf welchem die Kirche liegt, heißt der Martinsbcrg, aufden man auf einer Steintrcppe von 70 Stufen emporsteigt. Die Wändeund Decke sind mit Gemälden bedeckt, von denen sich mehrere auf das Ge-schlecht der Welsen beziehen. Berühmt ist die dortige große Orgel. Sie hat76 Register, 6666 Pfeifen, 12 Blasebälge und ein Glockenspiel mit 49Glocken. Außerdem besitzt die Kirche noch eine Chororgcl mit 24 Registernund 2222 Pfeifen. In einem Gewölbe werden die Kirchenschätze, die h.Blutsahne, und der Sattel für den Blutritt aufbewahrt. In der Wclfen-gruft ruhen viele und berühmte Mitglieder dieses Geschlechts.
Das h. Blut, welches im Mittelaltare aufbewahrt wird, befindet sichin einem Gefäße von Bergkristall, welches von einer kupfernen Kapsel um-schlossen ist. Der frühere goldene Behälter, welcher mit Edelsteinen verziertwar, hatte 70,000 Florin gekostet; seit der Säkularisation ist er verschwunden.