— 428 —
hl. Blutzeugen verherrlichte. Christen jeden Alters und Geschlechtes, Fürsten,wie Ludwig der Fromme und sein Enkel Ludwig III., der h. RhabannsMaurus, der Abt Lnpns von Ferneres, beide Freunde Einhards und be-deutende Gelehrte, viele andere berühmte Männer, besonders aber viele. Kranke, Elende und Leidende kamen zum Grabe der Heiligen, um denselbenihre Verehrung zu beweisen und sie um ihre Fürbitte bei Gott anzuflehen.Durch die Uebertragung dieser hl. Reliquien nach Deutschland kam über-haupt eine solche Bewegung in die kanm bekehrten Völker des weiten Karo-lingerreiches, daß Baronius sie mit jener vergleicht, welcbe sich der VölkerNordafrikas bemächtigte, als die Gebeine des Erzmartyrers Stephanns vonPalästina durch Nordafrika nach Rom gebracht wurden. Da nun so dieKirche von Seligenstadt ein Anziehungspunkt für viele Tausende geworden,so konnte es nicht fehlen, daß sie fortan in mancher Beziehung ausgezeichnetwurde. Fromme Stiftungen und Schenkungen wurden zu ihren Gunstengemacht, Ablässe und das Asylrccht ihr verliehen; auch wurden zwei Synodenin ihre» Räumen abgehalten.
Es ist selbstverständlich, daß die Söhne des h. Bencdikt, wie überdas Grab des Stifters der Kirche und des Klosters, so noch weit mehrüber dasjenige der h. Märtyrer mit gewissenhafter Sorgfalt wachten. AlleStürme der Zeit zogen an denselben glücklicher Weise vorüber, so daß nochim Jahre 1607, als der Erzbischof von Mainz, Suikard von Kroncnbcrg,die heiligen Gebeine besichtigte, Alles wesentlich in derselben Ordnunggefunden wurde, wie es die alten Urkunden verzeichneten. Zur Zeit desdreißigjährigen Krieges verbarg man alle Reliquien unter dem westlichenThurme des Portals tief in der Erde. Jedoch leider erhob sie der AbtLconhard Colchon 1637 zu früh, weil er keine Kriegsgefahr befürchtete.Die Truppen des Herzogs von Weimar rückten 1246 in Seligenstadt ein,beraubten und plünderten die Bewohner, wie es nie vorher noch nachherein Feind gethan hat, und drangen auch in die Kirche ein. Das Heilig-thum, welches von den Normannen, Schweden und Franzosen verschontworden war, wurde von diesen rohen Soldaten geschändet, die Reliquienwurden aus den Behältnissen herausgerissen und in der Kirche umhergestrcut.Als die Unholde abgezogen woren, sammelten die Mönche die heil. Gebeine,so gut sie es vermochten, und legten sie einstweilen in einen vergoldetenHolzschrein, welchen Papenbroch, einer der Bollandisten, 1660 in Augen-schein nahm. Abt Franz I. (1674—1695) ließ dann den silbernen Schreinaus getriebener Arbeit anfertigen, in welchem die Gebeine sich noch heutebefinden. Die beiden Schmalseiten desselben sind mit Darstellungen derhl. Marccllinus und Petrus, sowie der hl. Marius und Martha ausge-füllt; die Langseiten zeigen die Figuren der hl. Pothus und Hyacyntuseinerseits und der hl. Audifar und Habakuk andererseits. Alle Figurensind stehend abgebildet zwischen Nankenornamenten von Tulpen und Rosen.