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Im Jahre 1113, da die Zahl der Pilger groß wurde, erbaute christ-licher Frommsiuu eine Kapelle über dem Gnadeubilde uud vou uun an wurdeMaria allgemein als Patronin des Nheinganes angeschen und verehrt.1326 aber mußte die Kapelle einer Kirche weichen. Zum Dienste au derKirche wurden vier Weltpricster bestimmt, welche immer daselbst wohnen undden Pilgern durch Predigten, Bcichthörcn und Messelcsen Gelegenheit zurfruchtbaren Benutzung ihrer Wallfahrt geben sollten. Nach 4 Jahren warder stattliche Bau vollendet und der Kurfürst von Trier, Balduin, Grafvon Luxemburg, damaliger Verweser des Mainzer Erzbisthums, weihte imJahre 1330 das Gotteshaus in feierlicher Weise ein. Um das Jahr 1392nahm der Glaubenscifer im Nheingau, mit ihm aber auch der Glanz derWallfahrt zu Marienthal ab.
Doch Gott half wiederum. Drei Brüder, Ulrich, Diethcr, und Reinhardtraten zusammen und beriefen Geistliche aus Köln, die man Brüder vomgemeinschaftlichen Leben oder auch nach dem runden Schnitt ihrer Kopfbe-deckung „Kogelherren" nannte. Diese gaben der Jugend Unterricht, predigtensehr ernst gegen die herrschenden Laster und hielten den Gottesdienst in sehrerbanlicher Weise. Nun blühte die Wallfahrt von Tag zu Tag mehr; diereichlich fließenden Geschenke wurden nicht verpraßt, sondern zu wahrhaftguten Zwecken verwendet.
Es kam das Jahr 1525, und Marienthal sollte von der Strömungder Zeit nicht verschont bleiben. Das von Luther angestiftete Unheil ver-wüstete auch diese in herrlichster Blüthe stehende Wallfahrt. Dazu kam nochein verheerender Krieg, den Albert der Brandenburger führte, um denMainzer Erzbischof wo möglich seiner Besitzungen zu berauben. Marieuthallitt viel durch Brandschatzung und Plünderung, und einige der Kogelhe-rrenverschlossen ihre Ohren der neuen Lehre nicht, entsagten 1563 aller klöster-lichen Gemeinschaft und lebten getrennt bis 1565, wo das Kloster ganzaufgehoben wurde.
Im Jahre 1612 wurden die Jesuiten nach Marienthal berufen. Diesestifteten im Jahre 1621 eine Bruderschaft zur besonderen Verehrung undAnrufung der seligsten Jungfrau, der Ueberwinderin der Ketzereien. Mitunglaublicher Schnelligkeit verbreitete sich diese Bruderschaft nach allen Seitenund erlangte sogar Ablässe vom päpstlichen Stuhle. So blühte jetzt Marieu-thal. Doch nicht lange genossen die Jesuiten in froher Ruhe die Früchtedes errungenen Sieges. Im Jahre 1624 brach Feuer aus uud legte dieWohnung der ehrwürdigen Patres in Asche. Dieses Unglück war ein Vor-bote der kommenden Stürme. Die wilden Schaarcn der Schweden ergossensich über Deutschlands Fluren. Auch Marienthal fühlte ihre Gräucl. AlleKostbarkeiten der schönen Kirche wurden geraubt. Die Jesuiten mußten mitMangel und Noth kämpfen und waren keine Stunde ihres Lebens sicher.Als später ruhigere Zeiten anbrachen, kam Marienthal wieder zu der allen