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2: 1887
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In tiefster Andacht zieh'n die Reih'n;Als wär's der schönste Sonnenschein! —Und bietet Obdach auch die Stadt-Vom weiten Marsche müd und matt,Doch sucht nicht Einer es von Allen,Und weiter fort die Pilger wallenDem Gnadeuort', dem Ziele zu; —Nur dort ist Rast und säße Ruh'! —Und wie sie durch die Stadt so zieh'n,Rasch eilt zur Thür' und Fenster hin,Wer immer den Gesaug vernimmt,Der wunderbar zur Andacht stimmt;Zu dem sogar, — ich hab' gelauscht, —Wie Harfenton der Regen rauscht;Und dem harmonisch fügen mußDer Donner sich und Glockengruß! —Und alle Hände fromm sich falten;Entblößten Hauptes steh'u die Alten,Und selbst die Jugend, sonst so laut,Andächtig horchend steht und schaut. —Ein langer Zug ist's anzuschauen,Von fremden Mädchen, fremden FrauenAus weiter Ferne wol vom Land',In Bauerntracht, — hier unbekannt. —Und ihnen haben zugeselltAm Schlüsse sich, wol hochgestellt,

Zwei Damen jung und blühend schön,Die reich in Prachtgewändern geh'nBon Regen ganz nun Übergossen. —Mit Gold ist der Taurast durchschossenDer Seide, die gar tief umwalltDer Jungfrau'n fürstliche Gestalt,Gewout au solchen Marsch wol nie; —Und nackten Fußes schreiten sie! —

Kein Schirm sie schützt, — auch das ver-schmäh'»

Die Pilgeriunen, die so geh'n —

Dicht hinter ihnen aber schreitetBeschirmt ein Diener, fein gekleidet,Mit Silbertressen reich verbrämt,Der fromm sich fast des Schirmes

schämt. —

Das sieht das Volk und fängt sein

StaunenJn's Ohr einander zu zu raunen,Und mutmaß't, als der Zug vorbei,In tiefer Rürung mancherlei. —„Wer weiß", — bewegt der Eine spricht,„Ob ihnen krank zu Hause nicht„Vielleicht die treue Mutter liegt; —

„Ob nicht der Vater schmerzlich siecht,„lind ihr Gelübde von dem Tod'„Gerettet hat in großer Not?"„Wer weiß', — ein And'rer fragendsinnt, —

„Ob nicht die Träne heiß noch linnt„Daheim ob drohender Gefar:

„Es ist ein banges Schreckeusjar!"Und wiederum ein Dritter meint,

Solch' hohem Beispiel' könn' verneintWol kaum die fromme Bitte werden,Was auch es möge sein auf Erden! —Ein Vierter aber fremde standStumm da, den Hut in seiner Hand,lind sah den Pilgern weithin nach:Zu dem die Gnade Gottes sprach! —Der hatt' verlacht sonst nur mit HonDer Katholiken Religion,

Entrüstet, daß AbgöttereiIhr Cultus für Maria sei. —Nun stand er tief ergriffen da; —Er wußte nicht, wie ihm geschah; —Er wollte nicht, — doch zog's ihn fort;Er mußte zu dem Gnadeuort'! —

Bald holt' die Prozession er einUnd folgie schüchtern hiutendreiu,Und, ohne lang' sich zu besinnen,Jn's Schiff auch nach den Pilgeriunen.Es sah ihn Niemand fragend au,Als habe Dreistes er gethan. —Es wechselten Gebete laugFort in dem Schifflein mit Gesaug''Auch auf dem Strom' ununterbrochen,Und ward kein and'res Wort gesprochen.Und also setzt der Zug sich fortAuch jenseits zu dem Gnadeuort'. —Und, — seltsam! — als gehöre erNicht seinem eig'neu Glauben mehr,Kuie't mit er vor dein Guadcnbild! —Er sieht die Augen, träneumild,

Die 's auf den Sohn im Schooße richtet;Und hell zu Tag die Nacht sich lichtet,Die seinen Geist hielt tief umfangen. -Es ist ein namenlos Verlangen,Das ihm die Seele ganz erfüllt; —Sein Aug', in Tränen ganz verhüllt,Fängt an zu beten und zu flehen; —Der Gnade Wunder ist geschehen!Die Mutter, die so zärtlich liebtUnd ihren Sohn für Alle gibt,