Druckschrift 
2: 1887
Seite
384
Einzelbild herunterladen
 

— 384 —

auf dem Altare nieder und verkündete in der ganzen Gegend die wunder-bare Begebenheit. Da strömte vieles Volk herbei, um das seltene Gefäß zusehen, ja selbst aus fernen Gegenden kamen Andächtige, um dem wunder-thätigen Bilde ihre Verehrung darzubringen.

Das Blumengefäß wurde zwar später nach Rom gebracht und dortaufbewahrt, vorher aber ganz genau in Thon nachgebildet, von welcherCopie noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts im Elende einige Stückevorgezeigt wurden.

Die allerseligste Jungfrau Maria zum Elende fuhr fort, so vieleWunder zu thun, daß täglich eine unzählbare Menge von Kranken undGebrechlichen herbeikamen und von den in der Kirche aufgehangenen Stäbenund Krücken, welche die Geheilten zurückgelassen hatten, waren noch 1790viele zu sehen.

Als sich die lutherische Lehre in der Grafschaft Hohenstein immer mehrausbreitete, und das früher so hochverehrte Bild sichtlich vernachlässigt wurde^geschahen viele Zeichen und Wunder, um die Wankenden und Kaltsinnigenzuni Glauben zurückzuführen. Die Protestanten waren darüber erbost, siebehaupteten, daß diese Wunder von dem Küster zu Elende, Konradi, einemgeheimen, aber eifrigen Katholiken, erfunden seien, nahmen das Bild vonder Stelle, wo es so lange verehrt worden, und stellten es in die Sakristei,von wo es aber eines Morgens verschwunden war und nach Heiligenstadtwanderte. Dort fand man es in der Kirche, begrüßte es mit lautem Jubelund bewunderte noch lange Zeit den Saum, welcher vom Thaue ganznaß war.

Eine andere Ueberlieferung besagt, daß Dietrich Pfersch auf dem Wegevon Nieder-Gebra nach Wollersleben, wo er zu Hause war, auf einemblumigen Raine geruht habe und von einem tiefen Schlafe überfallen wordensei. Im Traume sei ihm die Jungfrau Maria mit dem Jesukinde erschienen,worüber er nachdenklich geworden, und da sich der Traum wiederholt habe,sei er endlich aus den Gedanken gekommen, daß die heiligste Jungfrau irgendeinen Dienst von ihm verlange. Er sei daher aus den Frauenberg bei Elrich,wo die Gottesmutter besonders feierlich verehrt wurde, gegangen, um dortirgend eine Eingebung zu erwarten. Während er dort betete, sei ihm plötz-lich in den Sinn gekommen, auf dem Raine, wo er den ersten Traum ge-habt, einen Bildstock aufzurichten. Das habe er auch mit Bewilligung seinesHerrn, des Grafen von Hohenstein, gethan und der Ort sei später in großeAufnahme gekommen.

Am Fuße des Bildes befand sich früher folgende Inschrift:

^.uuo Ooiuini 1626 lluee iruuAO s, ruultis auuis ruiraoulis elara inguockaru PUA0 ciieta lÄsnäö, oaiuitatus Haustein per Lupr. äsl ?uerllue trauslata est.