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2: 1887
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auch spähte und lauschte, nirgends erblickte er auf der weiten, öden Schnee-fläche ein gastliches Obdach, nirgends ertönte ein Laut, nicht einmal das innächtlicher Stille weithin hörbare Gebell eines Hundes. Todesstille herrschteweit um ihn her, nur dann und wann strich eines' aufgescheuchten VogelsFittich über ihn hin, nur hier und da raschelte es unheimlich in den dürrenZweigen und Gebüschen.

Dem Fuhrmanne wurde es immer ängstlicher zu Muthe und er hiebdeshalb von Neuem ans die Pferde. Sie zogen mit aller Kraft, die ihnenzu Gebote stand, nochmals an, aber der Wagen bewegte sich nicht. Lautrief er um Hülfe, aber Niemand hörte ihn.

In seiner Verlassenheit faltete der rathlose Mann endlich die Händeund flehte die Himmelskönigin um Hülfe an. Und siehe! plötzlich rauschtees in den dürren Zweigen und hinter dem Gesträuche hervor trat eine weib-liche Gestalt von überirdischer Schönheit. Ein Schein wie Frühlingsabend-röthe umgab die Erscheinung und hauchte auf die starren Schneemassenrings umher einen zarten Rosenschimmer.

Erschrocken starrte der Fuhrmann nach der schönen Jungfrau, die mitholdseligem Lächeln auf das versunkene Gespann zuschritt und mit einemeinzigen Griffe Wagen und Pferde aus der Tiefe zog.

Ueberrascht von der geheimnißvollen Erscheinung und hocherfreut überdie unerwartete Hülfe, dankte der Fuhrmann der schönen Helferin mit denfreundlichsten Worten und bedauerte nur, daß er kein Gefäß zur Hand habe,um ihr als ein kleines Zeichen seiner Erkenntlichkeit, von dem besten Weineseiner Ladung mittheilen zu können.

Sogleich berührte die Fremde einen Strauch, der neben ihr seinedürren, stachlichten Zacken emporstreckte, gleich nach der Berührung Blätterund Knospen trieb und einige Augenblicke später mit leuchtenden, herrlichduftenden Rosen bedeckt war, welche die Jungfrau brach, ein Gefäß darausformte und dem Fuhrmanne darreichte.

Dieser nahm das seltsame Gefäß, füllte es mit Wein und wollte esseiner edlen Helferin überreichen, diese aber war plötzlich spurlos verschwunden.Er rief und suchte eine Zeit lang, aber Niemand hörte, Niemand war zufinden und er kehrte daher zu seinen Pferden zurück.

Von jetzt an zogen diese den Wagen mit der größten Leichtigkeit weiter,standen aber plötzlich vor dem Kirchlein unserer lieben Frau zum Elende,welche bereits vom h. Bonifacius gebaut worden war, still und waren nichtvon der Stelle zu bringen. Dieses betrachtete der Fuhrmann für einenFingerzeig von Oben, daß er in die Kirche treten und dem Höchsten fürseine wunderbare Rettung danken sollte. Wie erstaunte er aber, als er indem auf dem Altare der Kapelle aufgestellten Bilde der hohen Himmels-königin seine Helferin erkannte! Andachtsvoll beugte er das Knie, verrichteteseine Andacht, stellte dankbar das Blumengefäß als ein kostbares Heiligthum