Vaterlande schied. Er schnitzte wiederholt in den Stunden der Ruhe undsiehe! unter seinen Händen gestaltete es sich wunderbar zu einem schönenBilde der Mutter des Erlösers. Ihrer gedachte er. Er gedachte der schönenHeimath im fernen Lande und jenseits des Meeres, wenn er das sorgsamunter seinem Brustharnische geborgene Bild bei seinem Gebete betrachtete.In den brennenden Sandwüstcn wie mitten im Gebrause der Meeres-wogen, im Lager wie im Gewühle der Schlachten fühlte er Stärkung beiseinem Anblicke. Ihn umweheten dann die °kühlen Lüfte des vater-ländischen Eichenschattens, worin es einst gewachsen war.
Nach Verlauf zweier heißdurchkämpften Jahre kehrte Wilhard heim.Da vermißte er eines Tages, nicht mehr fern vom Vaterlande, das ihm sotheuer gewordene Bild, das ihm aus eine unerklärliche Weise verloren ge-gangen war. Am frühen Morgen nach seiner Rückkehr ging der frommeRitter wieder den Pfad bei der Quelle vorbei nach der Kapelle, seinemSchöpfer zu danken für die Erhaltung auf der so weiten, gefahrvollen Fahrt.Da strahlt ihm von Rosenstrauche am alten Kreuze ein wunderbarer Glanzentgegen und an der Stelle, wo er früher den Zweig abgeschnitten, standhelleuchtend sein Marienbild. Von neuem von heiligem Schauer ergriffenließ Wilhard durch eines Priesters Hand vom Rosenstrauche das Bild zurKapelle tragen, deren Glocken während dessen durch unsichtbare Hände be-' wegt läuteten, und wo es von Stunde an der Verehrung der Gläubigenausgestellt verblieb. Kranke, die um Genesung, Bedrängte, die um Hülfe,Gefangene, die um Befreiung aus den Ketten der Ungläubigen, um Für-sprache beim Allmächtigen bei diesem Bilde der Muttergottes fleheten, denenwurden diese Bitten erfüllt. Dankbar weiheten sie Ketten und Krücken der-jenigen, die das Bild vorstellte und hingen sie dann aus zu ewigem Ange-denken. Die Kapelle und ihre Diener wurden reichlich beschenkt und vonden frommen Gaben die kleine steinerne Kirche erbaut, die jetzt noch dasnördliche Nebenschiff der Kirche zu Verne bildet. Das wunderbare Bildniß,Wilhards Werk, wurde zur besseren Erhaltung in ein größeres von Steinverschlossen, unter drei Schlössern verwahrt, deren Schlüssel den einen derBischof, den andern der Pfarrer von Groß-Verne und den dritten „die vonVerne" bewahrten. Alle sind verschwunden und keines Menschen Auge sahseit langer Zeit das verschlossene Bild.
^2. Die Kapelle des Gnadenbildes.
Im Lichten hat dieselbe eine Länge von 35 Fuß, ihre Breite beträgt23ffz Fuß; sie liegt an der Südwestecke der Pfarrkirche und bildet derenältesten Theil, da sie die Kapelle Wilhards ist. Diese Gnadenkapelle, inwelche damals Wilhard das Gnadenbild tragen ließ, war stets Gegenstandbesonderer christlicher Sorgfalt. Einmal wurde an sie, wie an den Grund-stock, die Pfarrkirche unmittelbar angebaut: um k200 die „kleine steinerne