Druckschrift 
2: 1887
Seite
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Mai von einem Hunde am rechten Fuße oberhalb des Schenkels gebissen.Er mußte längere Zeit das Bett hüten und trotz aller angewandten Mittelwurde das Uebel immer schlimmer. Da gelobte er eine Wallfahrt nachWerl und sobald er das Gelübde gemacht hatte, wurde er zur Stunde vonden Schmerzen befreit und war die Wunde geheilt.

Bis zu diesem Jahre sind diese und andere Gnadenerweisungen auf-gezeichnet. Indessen auch von da an bis zum heutigen Tage hörten diewunderbaren Gebetserhörungen nicht aus.

Im Jahre 1835 wurde das Kapuzinerkloster aufgehoben und da esan Seelsorgern für die Pilger mangelte, nahm die Wallfahrt ab. Seit demJahre 1850 aber, in welchem die Franziskaner das Kloster erhielten, be-läuft sich die Zahl der Pilger jährlich auf 50,000.

Die Wallfahrt zu Vernv.

1. Sag? von dem Marienbilde zu Verne.

^7^ m Neujahrstage 1171 trat der Richter Wilhard von Berede imGefolge Heinrichs des Löwen den Zug ins h. Land an. Mittenin seiner weiten Besitzung lag die Burg seiner Väter auf einem der niedernHügel am linken Ufer des Flüßchens Heder, umgeben von einem tiefenWassergraben, den ein naher Waldguell füllte, der in die Heder fällt, dort,wo sie in die flache Lippe-Niederung tritt. Wilhards Vorfahren hatten sichzur Zeit Karls des Großen zum Christenglauben bekehrt und als aus demStamm der freien Wehren der Nitterstand sich nach und nach bildete,Familiennamen und Wappen hervorkamen, da nannten sich des WilhardVorfahren nach ihrer Burg „die von Vereede" und führten auf dem silbernenGrunde ihres Schildes zwei blaue gekrümmte Forellen. — In der Mitteder Ansiedlungen war hoch auf dem trockenen Ufer der Heder eine Kapelleerbaut, fleißig besucht von den frommen Bewohnern der Gegend. Am Tagevor seiner Abreise zum Kreuzesheere war Wilhard dahin gewandert, umGlück und Schutz vom Allmächtigen zu erflehen bei so gefahrvollem Be-ginnen. Der enge Pfad führte von seiner Burg durch ein Eichenwäldchenbei der Quelle vorbei, die die Gräben seiner Burg mit Wasser versah. Hierstand neben einem alten Kreuze zwischen bemoosten Steinen ein Rosenstrauch,der trotz der Winterkälte noch grünte. Wilhard schnitt nach kurzem Morgen-gebete einen Zweig davon, schnitzte daran in Gedanken versunken auf demPfade zur Kapelle und steckte ihn ein, als er in diese trat. — Schon fernvon der Heimath fand er eines Tages das Hölzchen in seinem Koller. DerAnblick desselben erweckte lebhaft die Erinnerung der Stunde, da er vom