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Erden ist. Kaum hatte sie der Gottesmutter ihre Noth geklagt, da öffnetesich vor ihren erstaunten Blicken die steinerne Wand, welche sich hinter derJungfrau sofort wieder schloß.
Beim Anblicke dieses offenbaren Wunders ging endlich der Herzog insich, renig warf er sich zur Erde nieder, flehte zu Gott um Verzeihung fürsein frevelhaftes Beginnen und ritt, ganz und gar im Herzen umgewandelt,in sein Schloß nach Oberehnheim zurück. Ottilie erfuhr bald die Sinnes-änderung ihres Vaters und eilte alsbald frohen Muthes in die Heimath.Die Freude des Herzogs über ihre Rückkehr war unbeschreiblich und erzeigte sich jetzt gerne bereit, den heißen Wunsch seiner Tochter zu erfüllenund ihr zu gestatten, in stiller Klostereinsamkeit ganz ihrem Erlöser zu leben.Er schenkte ihr die Hohenburg und ließ diese in ein Kloster umbauen, inwelchem nun Ottilia mit mehreren gleichgesinnten Jungfrauen Wohnungnahm. Unter Gebet und Arbeit brachte sie ihre Zeit zu; Gott der Herraber schmückte ihre reine Seele immer mehr mit seinen Gnaden, so daß dieBraut des Herrn wie ein Engel im Fleische das ganze Land mit dem Ruhmihrer Tugenden erfüllte. Tausende von Pilgern strömten von allen Seitenherbei, um bei ihr Rath, Trost und Hülfe zu finden, und Niemand gingvon ihr ungetröstet weg. So machte sich auch eines Tages ein lebensmüderGreis auf den Weg zum Kloster, um für sein blindes Kind, das er an derHand führte, die Hülfe der Heiligen anzuflehen. Jedoch der Alte hatteseinen Kräften zu viel zugetraut. Die Sonne schien heiß vom Himmelherab und der Greis, ganz erschöpft, lechzte nach einem Trunke Wassers.Aber kein Rieseln einer Quelle ließ sich vernehmen, überall, wohin er schaute,sah er Bäume und Pflanzen mit welken Blättern; selbst die Vögel in denZweigen saßen stumm da, als wenn die sengenden Lichtstrahlen auch ihreLebensgeister gebannt hielten. Dem Verschmachten nahe sank der Greis aneiner Felswand nieder, während das blinde Kind mit herzzerreißendemJammer neben ihm klagte.
Doch horch! Da nahten sich leise Tritte; sie knisterten auf dem Wegeund kamen näher und näher. Der Greis hob die matten Augen auf —eine hehre, wunderbar schöne Jungfrau trat in langem, wallenden Gewändemit einem Stäbe in der Rechten vor ihn hin. - Unschuld, Mitleid, treueLiebe strahlte aus ihrem engelgleichen Angesichts und erfüllte das Herz desVerschmachtenden mit neuer Hoffnung; er raffte seine letzten Kräfte zu-sammen und mit schwacher Stimme hauchte er die Worte hervor: „Wasser!Ich verschmachte!"
Bei diesen Worten überzog Leichenblässe das Antlitz Ottiliens; nachallen Seiten blickte sie um sich, ob sie nicht eine Quelle entdecken könne,allein ihr Suchen ist vergebens. Da richtete sie betend das kindlich gläu-bige Auge zum Himmel empor, erhob ihren Stab und schlug mit demselbenauf den Felsen. Und siehe! Aus dem Felsen springt murmelnd ein klarer