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mit dem Blute, meine Gebeine mit dem Marke vertrockneten, meine Einge-weide in mir zerrissen wurden, mein ganzer Körper aber so erschlaffte, wiedie Gewächse in dem Winter ihre Triebkraft verlieren."
Länger als 40 Tage und Nächte hatte sie an dieser Schwäche zu leiden.
Während dieser Zeit erhielt sie den Befehl, manche Genossenschaftenvon Klosterbrüdern und Klosterschwestern zu besuchen und die Worte zuihnen zu reden, welche Gott ihr mitgetheilt hatte.
Sie suchte sich zu erheben und dem Befehle zu folgen, aber sie warso schwach, daß sie es nicht auszuführen vermochte, bald indessen erstarkteihr Körper und sie reiste dorthin, wohin sie geschickt war, legte entstandeneUneinigkeiten bei, ermähnte zum Guten und tadelte streng jedes Vergehen.
Während der Zeit, als ihre Schmerzen ganz unerträglich wurden,hatte sie eine Gnade, die sie für alle ausgestandenen Drangsale tröstete.Es erschien ihr nämlich der Herr. Ihre eigenen Worte über dieses Ereig-niß lauten: „Darauf wurde die Braut Christi eines Besuches von oben ge-würdigt, aus welchem sie eine so große Tröstung empfing, daß sie auf dieseErquickung hin sagte, sie sei vom Frohlocken einer unschätzbaren Freude er-füllt gewesen. Ein überaus schöner und liebenswürdiger Mann, sagt sie,erschien mir im wahren Gesichte und brachte so gewaltige Tröstung, daßsein Antlitz mein ganzes Innere wie mit Balsam erfüllte. Darauf froh-lockte ich in unschätzbarer Freude und verlangte, immerfort ihn anzuschauen.Und er gebot denen, die mich quälten, von mir zu weichen, indem er sprach:Gehet weg, weil ich nicht will, daß ihr sie noch länger quält. Diese abermachten sich mit großem Geheule davon und schrien: Ach, wozu sind wirhierhergekommen, da wir mit Schaden zurückweichen? Alsbald verließ michauch auf die Worte des Mannes die Krankheit, welche mich beunruhigthatte, wie Wasser, welche durch stürmische Winde zur Ueberschwemmungaufgeregt wurden, und ich erlangte meine Kräfte wieder, wie Jemand, derin der Fremde war, wenn er in fein Vaterland zurückkehrt, seine Besitzungenwieder übernimmt. Die Adern mit dem Blute, die Knochen mit dem Markwurden in mir wieder hergestellt, gleichsam als wäre ich von dem Todeauferweckt worden."
Im Jahre 1177 sollte Hildegard einer Stütze beraubt werden, die ihrmanche Bürde hatte tragen helfen, nämlich der Jungfrau Hiltrudis, derTochter des Grafen Meginhard von Sponheim. Hildegard empfand diesenVerlust um so tiefer, weil sie damals schon achtzig Jahre zählte und seitihrer Uebersiedelung nach dem Rupertsberge in innigster Freundschaft mitdieser heiligmäßigen Klosterfrau gelebt hatte. Aber auch noch andere Un-annehmlichkeiten traten ein, die ihr viel Herzeleid verursachten. Besonderszu erwähnen ist hier die Beerdigung eines Jünglings auf dem Ruperts-berge. Derselbe war früher einmal im Kirchenbann gewesen, später aberwieder losgesprochen worden. Bei seinem Tode hatte er den sehnlichen