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2: 1887
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sah sie in einem brennenden Feuer einen Cherub, der mit einem flammendenSchwerte die bösen Geister, die sie quälten, in die Flucht schlug. Hierauswurde sie ganz gesund und kräftig und ihr Geist lebte wieder vollends auf.

Hildegard las in den Herzen derjenigen, welche ihr anvertraut waren,und sah auch ihre Zukunft, sowohl die gute als die böse voraus. Ihrganzes Denken war darauf gerichtet, sie der Gottseligkeit zuzuführen und sieverstand es besser, als irgend Jemand, mit Liebe und Freundlichkeit ihreFehler zu strafen und sie zum Guten anzueifern. Sie selbst aber bliebunter den Demüthigen die Dcmüthigstc.

Durch den Ruf ihrer Heiligkeit angezogen fanden sich immer mehradelige Fräulein auf dem Rupertsberge ein, welche von ihr auf dem Wegedes Herrn geleitet zu werden wünschten. Sie war in der Seelenleitungeine wahre Meisterin und erreichte große Resultate, aber einige Zöglingewaren doch so sehr von der Eitelkeit der Welt befangen, daß sie wenig beiihnen zuwege brachte, besonders waren es die strengen Klosterregeln, welchediesen Thörichten nicht munden wollten.

Durch ihre Weisheit und ihre hervorragenden Tugenden stieg sie sosehr in Achtung und Verehrung, daß man aus Frankreich und Deutschlandin Menge herbeiströmte, um sie zu sehen und um ihre Fürsprache bei Gottanzuflehen. Allen, welche sie besuchten, ertheilte sie Rath, sowohl denen,welche krank waren und Schmerzen litten, als denen, welche aus der Finster-niß der Sünde zum Lichte der Wahrheit emporzusteigen wünschten. Einigekamen jedoch auch, um sie auszuspähen und ihre Neugierde zu befriedigen;aber Hildegard, welche in ihren Herzen las, tadelte sie. Viele wurden da-durch so ergriffen, daß sie in sich gingen und sich besserten.

Es kamen sogar Juden zu ihr, um sie auszufragen; auch diese belehrtesie und zeigte ihnen mit sanften Worten, daß sie auf falschen Wegenwandelten. Viele wurden bekehrt und da ihr Gott auch die Gnade gab,wunderbare Heilungen zu bewirken, so wurden die Schaaren der Zuströmen-den immer größer und ihr Name wurde in ganz Europa mit Bewunderunggenannt.

Es waren aber nicht nur die Kleinen, die Bürger und Bauern, welcheihre Augen nach dem Rupertsberge wandten, sondern auch die Großen undMächtigen der Erde. Viele von diesen kamen persönlich zu ihr, andereschrieben ihr und begehrten in den wichtigsten Dingen ihren Rath. Sowurde sie allmälig in einen großartigen Briefwechsel hineingezogen, der kaumseines Gleichen hatte. Aus der großen Zahl läßt sich mit Bestimmtheit ent-nehmen, daß sie auch während der Zeit ihrer größten Schmerzen schrieb unddiktirte. Alle Briefe athmen einen so hohen überirdischen Geist, daß mandarüber erstaunen muß, um so mehr, da sie sich niemals mit den Wissen-schaften befaßt hatte, aber sie erklärt es selbst, denn sie versichert, daß sie