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kam ein zweiter mit Leder umhüllter Schrein zum Vorschein, der ebenfallsmit Schlössern versehen war. Hierauf erschien eine dritte Kiste, die mitBaumwolle und Leinwand umhüllt war und nach Entfernung derselben sahman die letzte Kiste, welche mit einer rothen Schnur umwickelt und mitfünf und zwanzig noch unverletzten Siegeln versehen war, genau so, wie esin dem Protokoll bei der letzten Beisetzung beschrieben stand. Im Innernfand sich eine Lage feiner Baumwolle, darunter ein blauer, seidener Um-schlag, dann einer von rother und zuletzt einer von weißer Seide. Hierauffolgte der heilige Rock selbst.
Vom 9. bis 27. September wurde nun der heilige Rock öffentlichausgestellt. Die Wallfahrt war so großartig, daß täglich 20—30 TausendPilger an der heil. Reliquie vorüber zogen.
Die letzte Ausstellung des heil. Rockes fand im August und September1814 statt. Nicht nur aus Deutschland, sondern wohl aus fast allenLändern der Erde eilte man herbei, um seine Verehrung zu bezeugen undHülfe zu erflehen. 'Sehr viele wunderbare Gebetserhörungen kamen beidieser Gelegenheit vor, worüber die im Archiv des Domstiftes von Trieraufbewahrten Akten ausführlich berichten.
Dirs Seherin Hildegard, ihr Wirken in den KlosternDilibodenderg, Rugerlsberg und Eiringen und dieWallfahrten zu denselben.
merkwürdige Frau, die zu allen Zeiten eine hocherhabeneErscheinung in der christlichen Welt bleiben wird, wurde imJahre 1098 zu Böckelhein oberhalb Kreuznach geboren. Ihre Geburt fielalso mit dem ersten Kreuzzuge zusammen.
Ihre Eltern Hildcbert und Mechthildis gehörten dem Adelstande anund der Vater diente in dem Heere des benachbarten, wahrscheinlich mit ihmverwandten Grafen von Sponheim. Sie waren wohlhabend, konnten aberihrem Kinde keine höhere Bildung angedeihen lassen, denn Hildegard warvon ihrer Geburt an stets kränklich und die meiste Zeit so schwach, daß sieselten aus den Füßen stehen oder gehen konnte.
So wuchs sie ohne Schulbildnng heran, aber die frommen Elternflößten ihr eine innige Liebe zu Gott ein und da sie einen außergewöhnlichen" Geist und hohe Tugenden offenbarte, so weihten sie dieselbe dem Diensteder Kirche.
Schon in frühester Kindheit hatte sie übernatürliche Erscheinungen undGesichte. In ihrem dritten Lebensjahre sah sie „ein so großes Licht, daß
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