Druckschrift 
2: 1887
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ihre Seele davor erbebte," sie konnte aber wegen ihrer Kindheit keine ge-naue Mittheilung davon machen. Im fünften Jahre trat in einzelnen Fällenihre Sehergabe so sehr hervor, daß die Eltern ihr Erstannen nicht verbergenkonnten und sie nochmals dem Dienste des Herrn gelobten. In ihremachten Jahre übergaben'.sie dieselbe der Klosterfrau Jutta, einer Schwesterdes Grafen von Sponheim, welche in dem nahen Benediktinerkloster aufdem Disibodenberg Nonne war.

Disibodenberg oder Disenberg besteht noch drei Stunden oberhalbKreuznach, wo der Glau in die Nahe fällt, aber von dem ehemals so be-deutenden und berühmten Kloster sind nur noch Trümmer vorhanden. Eshat seinen Namen von dem h. Disibodus, welcher von den britischen Inselnkam und die Heiden in diesen Gegenden zum Christenthum bekehrte.

Als Hildegard auf den Disibodenberg kam (11 »6), war Jutta dortMeisterin und nebst anderen edlen Jungfrauen dem Abte des Benediktiner-klosters Unterthan, die Nonnen aber wohnten in einem abgesonderten undummauerten Hause und waren in ihren Klausen eingeschlossen.

Jutta führte ein heiligmäßiges Leben und leitete auch Hildegard dazuan; aber diese erhielt keinen Unterricht in den Wissenschaften, sondern lerntenur Gott dienen und zu seinem Preise auf der zehnseitigen Harfe spielen;auch wurde sie mit den Psalmen, kirchlichen Liedern und Gebeten vertrautgemacht.

Obschon sie weder schreiben, noch geläufig lesen konnte, so nahm siedoc h an Weisheit zu und führte einen so heiligen Wandel, daß sie selbst derMeisterin zum Vorbilde diente. In Speisen und Getränken war sie äußerstenthaltsam, in ihren Kleidern ärmlich, in der Demuth und Reinheit desHerzens fast ohne Beispiel.

Als sie das erforderliche Alter erreicht hatte, nahm sie den Schleierund that sich noch mehr in den Tugenden hervor. Ihre beständige Kränk-lichkeit und ihre fortdauernden Schmerzen hinderten sie nicht daran, sichimmer mehr Beschränkungen aufzulegen, und je geringer die Kräfte desKörpers waren, desto größer wurden diejenigen des Geistes.

Sie sah und hörte Dinge, die Anderen verborgen blieben; anfangserzählte sie dieselben ganz unbefangen oder diktirte sie, als sie aber merkte,daß sie allein diese gnadenvolle Bevorzugung hatte, wurde sie von Schamerfüllt und war nur zum Sprechen zu bewegen, wenn die Glut des Geistessie außergewöhnlich stark antrieb. Jutta und ihre adeligen Zöglinge, derensich nach und nach viele unter ihre Leitung^begeben.hatten, wunderten sichüber ihre Gabe der Weissagung und Jutta meldete solches einem MönchUauf dem Distbodenberge.

Jutta selbst aber hatte ebenfalls außerordentliche Gnaden von Gott;sie soll sowohl im Leben als nach dem Tode viele Wunder gewirkt, Wasser