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Erzbischof Balduin von Trier veranlaßte eine Sammlung aller seine Kirchebetreffenden, noch vorhandenen älteren und der von ihm selbst erlassenenDokumente in ebenso schöner als sorgfältiger Copie. Sie ist in drei Exem-plaren vorhanden, deren zwei, in Folio, Pergament, in dem Staatsarchivzu Coblenz beruhen; das dritte befindet sich in Berlin. Die erste der hierinbefindlichen Urkunden ist diejenige, wodurch Papst Sylvester I. bezeugt, daßdie h. Helena die h. Tunica und andere Reliquien aus Judäa nach Triergebracht habe. Wenn nun auch diese Urkunde, w^ie das Balduineum, soheißt diese Sammlung, bemerkt, daß an dieser Urkunde kein Siegel gewesensei, so wird dadurch doch erwiesen, daß seit den ältesten Zeiten die Ueber-lieferung vorhanden gewesen, die h. Helena, Mutter des Kaisers Konstantin,habe dieses Kleid an die Kirche von Trier geschenkt. Somit dürfen wirdiese Thatsache als feststehend betrachten. Nun aber ist nicht anzunehmen,die h. Helena, der alle Mittel zu Gebote standen, habe sich täuschen! lassenund in Folge dessen ohne sicheren Beweis dieses Kleid als dasjenige Christibetrachtet. Wenn wir bedenken, in welch hoher Verehrung bei den erstenChristen alle jene Gegenstände stehen mußten, welche mit dem Heilande inBerührung gekommen und von ihm gebraucht worden waren, wie sorgfältigsie dieselben deshalb aufbewahrten und alle Fälschungen und Betrug hin-sichtlich derselben verabscheuten, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daßdieses Kleid, welches damals als das wahre Kleid Christi von den Christenverehrt wurde, auch wirklich das Kleid Christi war.
Es ist ganz natürlich, daß man bei den vielen Ueberfällen und Kriegen,denen die Stadt Trier in der Folgezeit ausgesetzt war, diesen kostbarenSchatz sorgfältig zu verbergen suchte und ebenso, daß der Ort, wo man ihnverborgen hatte, in Vergessenheit kam. Man wußte recht wohl, wie ausverschiedenen Dokumenten hervorgeht, daß das Kleid Christi in Trier sichbefinde, aber nicht, wo es verborgen sei. Als nun im Jahre 1196 derErzbischof Johann I. von Trier die dortige Domkirche einer durchgreifendenReparatur unterwarf, fand man im Altare des h. Nikolaus, welcher zwischenden beiden Thürmen stand, einen Schrein mit dem Kleide Christi. Da ent-stand ein allgemeiner Jubel in der ganzen Stadt; das h. Kleid wurde am1. Mai öffentlich zur Verehrung im Dome ausgestellt und sodann in demneu errichteten Hochaltare eingeschlossen.
Im Jahre 1512 kam Kaiser Maximilian nach Trier und drückte gegenden damaligen Erzbischof daselbst, Richard, den Wunsch aus, das h. Kleiddes Herrn zu sehen und zu verehren. Anfangs trug der Erzbischof Bedenken,nachdem aber mit dem Klerus der Domkirche eine Berathung stattgefundenhatte, glaubte man dem Verlangen des Kaisers entsprechen zu müssen. Am14. April, Ostermittwoch, begaben sich nun der Erzbischof mit dem Dom-propst Eberhard von Hoenfels, dem Domdechant Philipp von Krichingen,den Archidiakonen Georg von der Leyen, Johann von Modersbach, Theoderich