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2: 1887
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Meilen, zu Fuß die Pilgereise nach Heiligelinde. — Ueberhaupt nahm die„Linde" bei Rössel, wie der Ort gewöhnlich bis 1700 genannt wurde, unterden aus alter Zeit bekannten preußischen Wallfahrtsorten (Quednau, Ju-ditten, Arnau, Rudau, Mühlhausen bei Königsberg, St. Albrecht bei Fisch-hausen, Labiau, St. Elisabeth zu Danzig, St. Georg zu Elbing, Glottaubei Guttstadt) nicht den letzten Platz ein. Von dem protestantischen Ge-schichtschreiber Lukas David, geb. 1503, der die älteste Kirche zu Heilige-linde als Knabe mit seiner Mutter besucht hat, wird erzählt, daß selbst inder Zeit, als später diese Kirche zerstört lag, nicht allein aus Preußen, son-dern auch „aus andern benachbarten Landen" sich immer Leute fanden,welche Lichte und andere Opfer und Gaben auf die verwüstete Stelle, wo„die Kirche und Linde" gestanden, brachten, trotzdem damals auf das Opferseitens der protestantischen Landesbehörde strenge Strafen gesetzt waren. Umso mehr wird das Heiligthum „zu Marien in der Linde", wie Lukas Davidden Ort nennt, früher, als das ganze Land und die Hochmeister zum katho-lischen Glauben sich bekannten, von Pilgern aus Preußen und den benach-barten Landen besucht worden sein. Darauf läßt auch die Angabe desselbenSchriftstellers schließen, daß damals ein „Jahrmarkt zur Linde" bestand.Wie volksthümlich die Wallfahrten nach Heiligelinde in alter Zeit gewesenund wie tiefe Wurzeln die Liebe zu diesem Heiligthum im Herzen des Volkesgeschlagen hatte, ist daraus zu entnehmen, daß selbst Protestanten sowohl zuder Zeit, als der Ort in Zerstörung lag, dahin wallfahrteten, wie auchspäter, als die Kirche wieder aufgebaut wurde, bis auf deu heutigen Tagnicht selten dahin Wallfahrten unternommen haben. Was Jahrhundertelang trotz heftiger Gegenbestrebungen dauert, muß tief in das Herz desVolkes eingedrungen und bei ihm allgemeiner Brauch gewesen sein.

Wie das bei mehreren alten, berühmten Wallfahrtskirchen zutrifft, hattedas ursprüngliche Gotteshaus zu Ehren der h. Jungfrau in Heiligelindenur eiuen geringen Umfang und war thatsächlich eine Kapelle. Dieselbemaß, wie sich das beim Bau der zweiten Kapelle aus den bei Aufräumungdes Schuttes vorgefundenen Fundamenten zeigte, 2V Ellen d. i. ungefähr40 Fuß in die Länge und 13 Ellen oder 26 Fuß in die Breite. In derKirche befand sich, wie aus der Angabe des Lukas David zu entnehmen,und wie die Sage gleichfalls berichtet, ein Lindenbaum und in diesem, d. i.entweder im Stamme desselben oder auf einem Postament zwischen denAesten ein Gnadenbild der h. Jungfrau.

Wie oben schon angedeutet, fiel die Heiligelinde zur Zeit der Ein-führung der lutherischen Religion in Preußen ums Jahr 1524 der Zer-störung anheim. Nachdem der Hochmeister Albrecht und mehrere Ordens-gebieter den katholischen Glauben verlassen und der neuen Lehre Luthers sichzugewandt, wurde durch Verordnung der nunmehr protestantischen Landes-regierung vom 6. Juni 1525 die Verkündigung jeder anderen Religion als